Das Ende naht - und zwar in Riesenschritten. Ich kann das Licht am Ende des Tunnels bereits sehen und ich weiss, dass es nicht die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Zuges ist.
In der Retrospektive muss ich mir eingestehen, dass die Klettertour mit Tobias am Hintisberg nicht nur gut und toll war, sondern das Prädikat «sensationell» verdient. In der Diskussion wurde mir auch klar, welche Überlegungsfehler mir unterliefen und weshalb ich «etwas Mühe» in der Tour hatte. Anyway, Lektion gelernt. Und weiter geht das Leben.
Das Kletterjahr in den Alpen neigt sich langsam dem Ende zu. Eine Tour ist allerdings noch offen: «Ameisenrennen» an der Gerstenegg.
Bereits im Jahr 2023 kletterten Myriam und ich zusammen den Neo-Klassiker «Letzter Tango». Das ist eine fantastisch schöne, hervorragend eingerichtete und mit 16 Seillängen sehr lange Tour. Als ich seinerzeit mit Patrik (Erschliesser der Route) in Kontakt stand, schwärmte er mir von seiner damals neu eingerichteten Tour «Ameisenrennen» vor – seither war es immer mein Wunsch, diese Route zu klettern.
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| Ready for Take Off |
Am Grimsel klettern bedeutet definitiv: Platten klettern. Das kann ich gar nicht so schlecht, drückt doch mein etwas erhöhtes Gewicht den Gummi definitiv in die letzten Poren des Felsens. «Ameisenrennen» hat 17 Seillängen, 2 davon sind mit 6a (5c obl.) bewertet. 6a auf Platten schaffe ich nicht, doch Patrik hat mir erklärt, dass er die Bolts so platziert habe, dass auch p.a. (point d’arrêt) möglich sei.
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| Irgendwo in der Route |
Myriam und ich verabredeten uns für den 16. September 2025 um 9 Uhr auf dem Parkplatz des Räterichsbodensees. Das Wetter spielte mit und die Sonne lachte von einem wolkenlosen Himmel. Ruckzuck-zackzack waren wir bereit und machten uns auf den Weg zum Einstieg. Wir beide haben gelernt, und so gab es dieses Mal nicht den fast schon obligatorischen Verhauer zum Einstieg.
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| Saubere Schuhe halten besser auf Granit-Platten |
Nach gefühlt 10 Sekunden war das ganze Klettermaterial montiert und Myriam stieg die erste Seillänge vor. Das Seil ging zügig nach oben und schon bald hörte ich das Wort «Stand». Ich machte mich bereit und startete. Diese erste Seillänge war eine Pracht und viel zu früh stand ich bei Myriam am Stand. Wir kletterten in Wechselführung und so startete ich in die zweite Seillänge. So reihte sich eine schöne Seillänge an die nächste. Es waren fantastische Kletterstellen zu bewältigen. Die Route war perfekt abgesichert. Die erste 6a-Stelle in der 3. Seillänge versuchte ich trotz allem ohne Zuhilfenahme des Bolts. Doch ich hatte die Rechnung ohne meinen rechten grossen Zeh gemacht, der – in grosser Solidarität mit meinem rechten Knie – nun auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr verdrängungsmässig ignoriert werden konnte. Die zweite 6a-Stelle weiter oben durfte ich im Vorstieg klettern. Ich überblickte allerdings die Situation nicht richtig, übersah einen Griff und – zack – schon hing ich im Seil. Schade.
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| Saubere Schuhe halten wirklich besser |
«Ameisenrennen». Ich verpasste es, Patrik zu fragen, wie er zu diesem Routennamen kam. Es gibt zwei Möglichkeiten: Wir Menschen rennen wie die Ameisen diese Route hoch, sind klein und unbedeutend in diesem Meer aus Granit. Oder: Es gibt tatsächlich eine Stelle in der Route, an der die Ameisen hoch- und runterrennen. Für uns Menschen sind die 17 Seillängen genau das Gleiche wie für die Tierchen diese fünf Meter komplett glatten Granits.
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| Eine dieser fantastischen Seillängen |
Wir kamen sehr gut voran und nach ziemlich genau 4 Stunden hatten wir die Route geschafft. Nach einer kurzen Pause nahmen wir den für mich schlimmsten Part der ganzen Tour in Angriff: den Abstieg. Trotz eines Leki-Wanderstockes liess jeder Schritt den Blutdruck steigen. Bei jedem Schritt sagte das rechte Knie klar und deutlich: «Ich bin da!» Da konnte natürlich das linke Knie nicht nachstehen und sagte nach etwa der Hälfte des Abstiegs: «Ich bin auch da!» Der Abstieg war für mich eine Riesenqual und ich fragte mich ernsthaft, ob ich nicht einfach in Zukunft auf Mehrseillängen-Touren verzichten soll. Doch das ist gerade das, was mich am Klettern so unheimlich fasziniert. Es gibt doch nichts Schöneres, als auf einem Grat oder in einer Felswand höher bis auf den Gipfel zu steigen, von dort die Welt betrachten zu können und einfach nur glücklich und zufrieden zu sein.
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| Die letzten Meter |
Die wunderbare Tour liess die Schmerzen auf dem Nachhauseweg schnell vergessen und hinterliess einzig den Gedanken: «Was für eine fantastisch schöne Tour!»
Myriam, besten Dank für deine Begleitung und die fantastischen Bilder!







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