Das Ende - Der Neustart

Das Ende

Januar 2026. Es ist vollbracht: Die erste AHV-Rente ist eingetroffen, gleichzeitig auch die erste Zahlung aus der Zweiten Säule. «Seid umschlungen, Millionen» – doch so ist es nun auch wieder nicht. Es kommt schon deutlich weniger in die Kasse. Und wie das bei mir so ist, rumpelte es zum Schluss meiner Arbeitstätigkeit noch einmal gewaltig.

Es war irgendwann im November, der Stresslevel stand auf 100 %, und ich fluchte mal wieder über eine App, die schlicht nicht das tat, was sie tun sollte. Ich erfasste einen Bug und wies ihn «meinen» Leuten zu – wohl wissend, dass der Fehler eigentlich ganz woanders lag. Nach einem halben Tag der Analyse bei «uns» wanderte das Ticket an die zuständige Abteilung. Keine fünf Minuten später war es geschlossen mit der Begründung: Entspricht nicht den Vorgaben. Tickets sind in englischer Sprache zu verfassen.

Man muss dazu wissen: Die Gelbe Firma lässt diese App im Ausland entwickeln, und in jenem Land gehört Englisch nun wirklich auch nicht zur Muttersprache. Etwas entnervt tippte ich in den Teams-Chat: «Das wäre doch jetzt eine super Chance, ein klein wenig die deutsche Sprache zu lernen.» Dummerweise vergass ich in der Eile das entscheidende Smiley, das den ironischen Tonfall unterstrichen hätte. Ich erstellte das Ticket pflichtbewusst neu auf Englisch – bearbeitet wurde es bis zu meinem Abschied nicht mehr.

Dafür erhielt ich rund eine Woche später einen Teams-Anruf von meinem Chef. Statt uns über meinen bevorstehenden Abgang per Jahresende auszutauschen, eröffnete er mir, es habe eine offizielle Beschwerde gegeben; wer sich beschwert hatte und worum es genau ging, könne er mir natürlich nicht sagen. Natürlich wusste ich sofort, worum es ging. Ich ärgerte mich masslos über diese Überempfindlichkeit, nahm das Telefonat aber schliesslich mit einer gewissen Erleichterung hin. Denn eines wusste ich sofort: Die Frage, wie ich meinen Abschied feiern soll, hatte sich damit gerade von selbst erledigt.

Ich hatte im Sommer noch überlegt, im grossen Rahmen einen Apéro für die rund 100 Leute zu schmeissen, die ich im Laufe der Jahre schätzen gelernt hatte. Doch 100 Gäste sind schlicht zu viele, um sich mit jedem wirklich auszutauschen. Dank des Vorfalls fiel die Entscheidung nun sehr leicht: Mein Abschied fand exakt in dem kleinen, überschaubaren Rahmen statt, den ich mir ohnehin gewünscht hatte.

Mein letzter Arbeitstag bei der Gelben Firma war der Freitag, der 14. November 2025. Ich spendierte keinen Apéro, da freitags sowieso niemand im Büro ist. Das erste Abschiedsfest mit meiner Test-Managerin fand am 8. Dezember statt, das zweite folgte am 15. Dezember mit meinen Mitstreitern Patrycja, Mo und Aleandro. Ein runder Abschluss bei der Gelben Firma.

Doch es sollte noch weitergehen. Meinem Arbeitgeber war es natürlich auch nicht entgangen, dass Ende Jahr Schluss ist. Es kamen unvergessliche Momente auf mich zu, die mich fast zu Tränen rührten. Denn zunächst brachte es die Firma fertig, mir exakt auf den letzten Arbeitstag einen Ballon und ein Geschenk zukommen zu lassen. Zudem war es für sie absolut klar, dass, obwohl ich bereits pensioniert bin und nicht mehr zu den Jahresessen eingeladen werden sollte, trotzdem am Jahresessen im Paul Klee Museum in Bern Mitte Januar teilnehmen durfte. Und zu guter Letzt kamen meine beiden Chefs zu mir nach Basel und nach einer von mir durchgeführten Stadttour verabschiedeten wir uns bei einem wunderbaren Essen mit viel Freude und Lachen in der «Hasenburg» voneinander.

Der Neustart

Und dann ist er da: Der erste Tag im neuen Leben, der Tag, der den Beginn des letzten Lebensabschnitts markiert. Eine etwas seltsame Leere erfüllt mich, denn es fehlt die tägliche Hektik für das «11-Uhr-Daily». Es fehlt auch die «Gelbe Firma-Hektik». Es dauert bis zu meinen Ferien in Finale Ligure im April, bis sich dieser über Jahre in mich eingegrabene Rhythmus verflüchtigt. Die Veränderung manifestiert sich auch darin, dass ich maximal einen Termin pro Tag wahrnehme – und dieser Termin darf auf keinen Fall morgens sein. So entweicht ganz langsam, aber sicher der «Arbeitsgeist» aus meinem neuen Leben, und ich realisiere, dass ich ganz plötzlich für ganz viele andere Sachen Zeit habe. Natürlich schätzten und schätzen die Katzen Poppy und Billy die neue Zeit, denn ich habe jederzeit Zeit, sie zu streicheln und zu versorgen. Herrlich!

Traditionell - Zum Jahresende ein feines Raclette

Endlich habe ich auch wirklich Zeit, mich meinen «Boböli» zu widmen: dem rechten Knie, dem linken Ellbogen (Tennis- und Golfer-Ellbogen) und dem rechten Ellbogen (Tennis-Ellbogen). Es schmerzt alles nicht so wirklich, und ich kann die Schmerzen beim Klettern und Training gut ignorieren. Die einzige Änderung, die ich unternehme, ist, dass ich nun regelmässig einmal in der Woche (montags) zusammen mit Carmen im B2 im Kraftraum trainiere. Die ersten Monate waren hart, mental hart. Nichtstun ist schliesslich einfacher, als etwas zu tun. So habe ich in einem Anfall von Wahnsinn beschlossen, wieder mit Kniebeugen zu beginnen: einfach die Langhantel auf die Schultern und – zack – dreimal mindestens zehn Kniebeugen. Zusätzlich noch dreimal zehn Ausfallschritte. Mein rechtes Knie hat mir daraufhin klar und deutlich gesagt, dass es diese Belastung nicht wünsche. Und ich habe dem Knie gesagt, dass es jetzt die Klappe halten und endlich gesund werden soll.

Definitiv fertig!

Der Dienstag war immer der «Höllentag» schlechthin. Die Beine steif wie Betonpfeiler, ich konnte mich kaum mehr zu den Katzen auf den Boden knien. Allerdings schmerzte mich nicht das Knie, sondern wohl all die Verkürzungen und Überlastungen des Trainings forderten ihren Tribut. So vergingen Januar, Februar und März, und ich spürte jede Woche die Verbesserung meines körperlichen Zustands. Anfang April war es dann so weit, dass ich keinerlei Beschwerden mehr in den Knien und in den Ellbogen hatte. Der Rost war aus den Gliedern, die Sehnen und Muskeln hatten sich an die Belastungen gewöhnt, der Körper ist seither wieder in der Balance. Gemerkt habe ich dies ein erstes Mal im B2, als ich plötzlich das rechte Bein in nie gekannte Höhen auf einen Tritt stellen und komplett schmerzfrei das Knie belasten und den Boulder erfolgreich zu Ende bringen konnte. Was für ein herrliches Gefühl! Die Katzen haben natürlich auch noch mitgeholfen, fitter zu werden. Es war bisher immer etwas mühsam, vom Boden aufzustehen – dem Alter entsprechend. Doch seit ich Poppy und Billy gefühlte Ewigkeiten auf dem Boden streichle, stellt auch das Aufstehen keinerlei Problem mehr dar. Es ist einfach herrlich, sich wieder rundum gesund zu fühlen.

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