Im Herbst 2017 war ich zum letzten Mal zum Klettern in Finale Ligure – es war bereits mein dritter Trip dorthin. Für eine mögliche Rückkehr an diesen Ort gab es damals eigentlich nur einen Hauptgrund: diesen wunderschönen Quergang namens In Sciö Bolezümme. Laut Topo zieht sich die mit 6a bewertete Traumtraverse rund 10 bis 15 Meter über dem Meer um zwei imposante Pfeiler.
Was lange währt, wurde endlich gut: Bereits 2025 fest verabredet, stand der Klettertrip zusammen mit Myriam nach Finale Ligure für April 2026 im Kalender. Von Donnerstag, 16. bis Freitag, 24. April 2026 waren wir zusammen im sonnigen Süden unterwegs, um jede Menge Klettermeter zu "ernten".
Unser Treffpunkt lag im Wallis, von wo aus es für uns via Simplonpass weiter Richtung Ligurien ging. Für mich war das eine absolute Premiere: Bisher kannte ich den Simplonpass nur vom Hörensagen. Normalerweise fahre ich von Basel aus via Gotthard nach Finale, während der Simplon für mich bislang ein blinder Fleck auf der Landkarte war. Umso schöner war es, diese landschaftlich unglaublich reizvolle Gegend endlich einmal live zu erleben.
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| Simplonpass |
Nach einer kurzweiligen Fahrt trafen wir in Finale ein, bezogen die Zimmer und machten uns auf einen kleinen Erkundungsrundgang. Es hatte sich seit meinem letzten Besuch überhaupt nichts verändert. Das Meer rauschte verlockend, es hatte kaum Leute, es war friedlich und ruhig.
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| Finale Ligure |
Am Freitag hiess es dann: ab in den Klettergarten und Leistung zeigen. Ich habe es nie geschafft, den Überblick über die guten Klettergärten in Finale zu erlangen, und ich erinnere mich immer nur mit Schrecken daran, dass im Kletterführer für den Zustieg 20 Minuten angegeben sind, die effektive Gehzeit dann aber locker eine Stunde betragen kann. Weshalb? Es sind nur sehr spärlich Hinweistafeln vorhanden, und mitten im Wald stehend fällt die Orientierung jedes Mal schwer. Deshalb überliess ich die Auswahl der Klettergebiete gerne Myriam. So fuhren wir also hoch nach Borgio Verezzi und dann noch ein paar hundert Meter weiter, fanden einen offiziellen Parkplatz und standen an einem wunderbaren Ort weit oben mit einem herrlichen Blick aufs Mittelmeer. Der Start war geglückt.
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| Einfach eine schöne Gegend |
Wir packten unsere Rucksäcke und tigerten los. Nach 30 Minuten waren wir im Klettergarten. Und wie das so ist in Finale Ligure, waren wir an diesem nach Norden ausgerichteten Klettergebiet nicht allein. Wir hatten zwar mit anderen Leuten im Klettergarten gerechnet, aber nicht mit so vielen. Jä nu – es war halt so. Wir kletterten eine erste, sehr schöne Route, die – wie nicht anders zu erwarten – schon gehörige Gebrauchsspuren aufwies. Doch was war nun zu tun? Die Routen in unserer Reichweite waren alle besetzt und warten wollten wir nicht. Plötzlich sah ich da eine freie Route, die sich über 30 Meter fast quer über das ganze Klettergebiet zog. Ich checkte den Kletterführer und sah, dass die Bewertung 6a+ lautete, somit definitiv zu schwer. Es war aber sofort klar, dass wir trotzdem versuchen wollten, diese Route zu klettern; allein schon die Linienführung liess mein Herz höher schlagen. Myriam machte sich bereit und stieg ein. Es war ziemlich klar, wo die Schlüsselstelle lag. Ruhig und konzentriert stieg sie hoch und kam an der Schlüsselstelle an. Sie klippte den Haken in der Schlüsselstelle und stieg wieder zurück zum letzten guten Rastpunkt. Nach einer guten Pause stieg sie konzentriert durch die Schlüsselstelle, und wenige Minuten später klippte sie den Umlenker. Was für ein Erfolg! Grossartig. Ich liess sie auf den Boden zurück und sofort ging das Rätselraten los. Die Route auszubauen war wegen des Quergangs ein äusserst mühsames Unterfangen, worauf auch im Kletterführer hingewiesen wird. Für mich war klar, dass ich die Route jetzt ausräumte. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Myriam gemacht. Sie sagte: „Und jetzt steigst du diese Route auch noch gleich durch.“
„Ach herrje“, dachte ich, „muss das sein?“ Myriam liess nicht locker, und so entschied ich mich, die Route ebenfalls im Vorstieg anzugehen und zog das Seil ab. Ich machte mich bereit und los ging's. Ich war nervös, die Hände zitterten, das Herz schlug mir im Hals. Eine 6a+ im Vorstieg hatte ich das letzte Mal vor vielen Jahren geschafft – mein Plan war verwegen. Doch tief drinnen lauerte auch dieser Kampfgeist, der endlich einmal wissen wollte, was das viele Training gebracht hatte. Ich klippte die Haken mit zittrigen Händen, keuchte und merkte, wie hypernervös ich war. Die Tritte traf ich oft nicht richtig, so stark zitterte der ganze Körper. Myriam war mit meiner Performance nicht glücklich: Alles wirkte zittrig, wacklig und unsicher.
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| Luft unter den Füssen |
Beim Studium des Quergangs fiel uns auf, dass es noch einen zweiten Quergang am Capo Noli gibt. Er heisst Traverso del Capo, und die Route zieht direkt um das Kap herum. Gemäss Angaben war der Zeitaufwand auch deutlich geringer – das heisst, nach maximal zwei Stunden Klettern lagen die 200 Meter Quergang hinter einem. Wir entschieden uns, bevor wir das 400 Meter lange Teil angingen, zuerst die Traverso del Capo zu klettern.
Es war Sonntag, die Sonne lachte von einem wolkenlosen Himmel, und der erfolgreiche Freitag motivierte uns enorm für die Traverso del Capo. Wir stiegen ins Auto und fuhren zum korrekten Parkplatz. Wir waren die ersten, doch Minuten später war der ganze Parkplatz voll. Alle wollten am Capo Noli klettern, doch es wurde auch sehr schnell klar, weshalb dem so war: Die Atmosphäre an den Felsen, die gute Absicherung und der kurze Zustieg liessen nichts zu wünschen übrig. Wir beeilten uns, damit wir die ersten an der Abseilstelle waren. Das gelang uns blendend, und auch das Abseilen stellte überhaupt kein Problem dar. Wir fanden den Einstieg, und es ging gleich in den ersten Metern gehörig zur Sache. Ich überliess Myriam auf dieser Tour den Vorstieg und konnte deshalb hier nur meine Erinnerungen im Nachstieg notieren. Gleich ab dem ersten Meter ging es voll zur Sache. Statt dass ich alles frei kletterte, hangelte ich mich von Haken zu Haken, denn der Grip fehlte auf den Felsen komplett. Doch das tat der ganzen Seillänge überhaupt keinen Abbruch. Wer wie ich diese Seillänge A0 klettert, der hat immer noch ganz viel Luft unter den Sohlen und ein gutes Gefühl, ohne Risiko die erste Seillänge zu meistern. Natürlich verstiegen wir uns: Myriam zog es einer Bohrhakenlinie entlang nach oben, es wäre aber ganz einfach ein paar Meter weiter knapp über dem Meer weitergegangen. Die anschliessende Abseilfahrt zum korrekten Stand war herrlich. Das Meer kam immer näher, die Felsen wurden immer runder und – ja, da war der Stand. Knapp zwei Meter über dem Meer hing ich nun an zwei Bohrhaken und wartete auf Myriam.
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| 70 Meter Seillänge |
Die nächste Seillänge war 70 Meter lang, und Myriam kletterte die vollen 70 Meter aus. Es war eine wahre Freude, diese Seillänge in traumhaft schöner Umgebung zu klettern.
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| Ausstiegs-Seillänge |
Die Ausstiegsseillänge liess nichts zu wünschen übrig, und schon standen wir am Ende dieses wirklich fantastisch schönen Quergangs. Doch der gefährlichste Part lag noch vor uns: durch den unbeleuchteten Tunnel wieder zurück zum Auto. Aber auch das ging problemlos.
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| Zurück zum Auto |
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| Ein fantastischer Quergang |
An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bei dir, Myriam, für die unvergesslichen Stunden beim Klettern in Finale Ligure und die Bilder auf dieser Seite bedanken!








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