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Lange ist es her. Sehr lange. Noch länger als man denkt. 1979 waren Roland, Peter, Olivier und ich im Juli in der Calanques unterwegs. Noch heute erzählen wir von diesem Abenteuer, und eine Dokumentation des seinerzeit Erlebten würde einen Blog-Eintrag mit Lesedauer von mehreren Stunden beinhalten. Nein, das lasse ich sein.
Und trotzdem war es genau dieses Event vor vielen Jahren, das mich wieder nach Südfrankreich – genauer gesagt nach Marseille – ziehen sollte. Wie immer gibt es eine kleine Geschichte dazu, die ich nicht verschweigen möchte.
So sassen Carmen und ich an einem dunklen Novembertag vor dem Fernseher und schauten uns einen wirklich spannenden französischen Krimi an. Nachdem gefühlt drei Millionen Schüsse abgegeben wurden und der Film langsam, aber sicher den Schluss zuliess, dass auch dieses Mal die Guten gegen die Bösen gewinnen werden, sah ich sie wieder: Les Calanques. Die letzte Einstellung im Film zeigte einen wunderschönen Katamaran auf dem typischen dunkelblauen Meer vor den weissen Felsen der Calanques. Mein Herz machte "Juhee", und es war mir klar: Dorthin will ich wieder.
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| Blick vom Frühstücks-Tisch aus auf den Vieux Port |
Doch dann kam alles ganz anders. Ich durchforstete das Internet nach Informationen über Les Calanques und musste feststellen, dass sich sehr viel verändert hat. Seinerzeit kletterten wir in der "En Vau", einem einzigartig schönen Plätzchen auf diesem Planeten. Dorthin wollte ich wieder. Beim Studium der Informationen wurde ich allerdings immer bleicher. So einfach wie 1979 geht das alles nicht mehr. Les Calanques sind in der Zwischenzeit zu einem Naturschutzgebiet deklariert worden. "En Vau" ist wie bisher nur noch mit einem langen Fussmarsch oder einem Bootstrip zu erreichen, und darauf hatte ich keine Lust. Auch sonst musste ich zu meinem Leidwesen feststellen, dass die schönen Routen in einem Schwierigkeitsgrad liegen, den ich nicht mehr beherrsche. So nahm ich schnell Abstand von einer Reise in die Calanques; jedoch liess mich die Idee eines Besuchs von Marseille kaum zur Ruhe kommen. Vor einigen Jahren, als ich noch bei der SBB arbeitete, erzählte mir Vital, ein Arbeitskollege, dass Marseille sich enorm zum Positiven verändert habe. Seither spukte die Idee in meinem Kopf herum, Marseille zu besuchen und in meinem speziellen Fall noch eine Bootstour zu den Calanques zu unternehmen.
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| Blick von Le Pharo zur Basilika |
Als passionierter Autofahrer habe ich mir sofort vorgestellt, eine gemütliche Zweitagesreise im Cabriolet nach Marseille zu unternehmen. Doch dann – zack – es geht auch viel einfacher. Der TGV fährt ab Mulhouse direkt nach Marseille. So buchten wir eine Reise nach Marseille im TGV und in einem schönen Hotel am Hafen.
Und dann kam der 4. Mai 2026, der Tag der Abreise. Wenn ich eine Reise unternehme, dann regnet es in der Regel – so auch dieses Mal. Der TGV fährt mit Tempo 320 Marseille entgegen, und es regnet in Strömen. Wir kommen in Marseille an, und es regnet in Strömen. Wir beziehen das Hotelzimmer, gehen auf eine erste Erkundungstour, und es regnet in Strömen. Nach ca. 30 Minuten finden wir ein Restaurant und gehen nachtessen. Natürlich giesst es draussen weiterhin wie aus Kübeln. Das Essen? Wir waren in der Vergangenheit immer wieder einmal in Nizza. Sagen wir es mal so: Die beste Küche bietet Nizza nicht, da ist noch Luft nach oben. Anyway, wir hatten keinerlei Erwartungen an das Essen, wir stellten uns auf Touristenlevel ein. Doch – oha – das Essen schmeckte exzellent, wir waren sehr überrascht. Auf dem Nachhauseweg regnete es weiter in Strömen, doch in der Zwischenzeit war auch klar, dass der Regen spätestens am Dienstagmittag aufhören wird.
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| Die Basilika ist frisch renoviert - wunderschön |
Es ist Dienstagmorgen, und der Himmel ist immer noch wolkenverhangen. Doch es ist klar, dass heute ein schöner Tag werden wird. Wir gehen hoch in den siebten Stock zum Frühstück. Natürlich packe ich mein bestes Französisch aus und stammle beim Concièrge ein total schweizerdeutsch durchgefärbtes „Bonjour“ und „Chambre six cent vingt et un“. Ein leichtes Schmunzeln ist zu sehen, und ich lache zurück.
Wir werden an einen Tisch geführt, und es verschlägt uns den Atem: Wir haben eine Traumaussicht auf den Hafen. Weil es nicht mehr regnet und die ersten Sonnenstrahlen sich bereits blicken lassen, sehen wir all die vielen Boote im Hafen auf dem Wasser vor sich hinschunkeln. Das Morgenessen ist perfekt mit Pain au Chocolat, Croissants und anderen französischen Leckereien. Fantastisch.
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| Ein gemütliches Restaurant im Bezirk Le Panier |
Am Dienstagnachmittag steigen wir hoch zur Basilika. Den Anstieg haben wir etwas unterschätzt: Er ist steiler und länger, als er aussieht. Der anschliessende Apéro zurück am Hafen schmeckt deshalb doppelt so gut. Am Mittwoch tigern wir durch alle Hafenquartiere – der Apéro schmeckt mit sehr müden Beinen noch besser. Am Donnerstag unternehmen wir eine Tour mit dem Hop-on/Hop-off-Bus quer durch Marseille und besuchen das Quartier Le Panier, das alte Marseille. Wunderschön! Am Freitag, dem Abreisetag, sitzen wir rund zwei Stunden bei Le Pharo und schauen auf das blaue Mittelmeer hinaus. Und Les Calanques? Ja, Les Calanques haben wir nicht besucht. Mit dem Boot wäre es ein dreistündiger Trip hin und zurück gewesen. Das Meer war etwas unruhig, und allein schon beim Betrachten der Schiffe auf dem Wasser wurde mir schlecht. So bleibt es bei der Erinnerung an die Calanques aus dem Jahr 1979 und dem französischen Krimi. Das ist nicht weiter tragisch.
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| Nebenstrasse im Bezirk Le Panier |
Marseille – die Stadt hat keinen sehr guten Ruf bei uns Schweizern. Zu Unrecht, wie ich meine, doch kann ich nur von der Gegend rund um den Hafen reden: Alles bestens, alles sauber, keine seltsamen Leute, Business, wohin das Auge reicht, sehr gutes Essen, schöne und ruhige Flecken speziell im Le Panier und ein moderater Autoverkehr.





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