Via Gottardo: In 18 Tagen von Nord nach Süd durch die Schweiz - 2021/8

 Von Amsteg nach Andermatt am Samstag, 12. Juni 2021

Nach einer geruhsamen Nacht mit gemäss Basil 3 Ster zersägtem Holz, steht die zweitletzte Etappe an. Es ist immer die gleiche Situation: auf der einen Seite fühle ich mich wirklich müde und freue mich auf das Ende der Wanderung. Doch das Ende der Wanderung bedeutet auch wieder die Rückkehr in das ganz normale Leben. Auf den einzelnen Tagesetappen zählte immer der nächste Schritt. Alles lief im Hier und Jetzt ab, keine Ablenkung durch irgendwas oder irgendwen. Trotz der Müdigkeit fühle ich mich sehr glücklich und zufrieden. 

Wir realisieren, dass unser Plan aufgehen könnte, d.h. dass wir es tatsächlich schaffen, in 9 Tagen von Basel Bahnhof SBB auf den Gotthardpass zu marschieren. Von Wassen nach Andermatt sind es 10 Kilometer Strecke, doch wir müssen zusätzlich die Strecke von Amsteg nach Wassen meistern. Dies ergibt eine Gesamtstrecke von etwas mehr als 20 Kilometer, die wir heute Samstag bei bestem Wanderwetter marschieren dürfen.

Wir fahren mit dem Zug von Andermatt nach Göschenen, steigen in das Postauto um und fahren zu unserem letzten Etappenort, der Postautostelle in Amsteg. Dabei fahren wir natürlich wieder die Schöllenen hinunter. Aber irgendwie scheint mir die Schöllenen heute deutlich steiler zu sein als gestern. Ist die Schöllenen wirklich so steil? Und da muss ich heute wieder hoch?

So stehen wir wieder an der Postautostelle und machen uns auf den Weg, jedoch nicht ohne das obligatorische Selfie zu schiessen. Als Autofan jubelt mein Herz, als ich realisiere, dass viele Oldtimer vorbeifahren. Es gibt mehrere Exemplare des legendären Jaguar E-Type zu bestaunen, Citroën DS 21 "Frosch" und andere wirklich schöne Autos. 

... und ein wunderschöner MG im Hintergrund

Das ist ein guter Start in eine schöne Wanderung, die uns nach mehreren Kilometern nach Wassen bringt. Eine lustige Begebenheit gibt es auf dieser Strecke. Die Via Gottardo zieht hinunter zur Reuss. Wir freuen uns auf einen Uferweg der Reuss entlang. Doch - oha lätz - nach ca. 100 Meter zieht der Wanderweg wieder hoch zur ganz normalen Strasse - nichts mit Uferweg.

Eisenbahn und Autobahn

Die Via Gottardo führt exakt beim "Kirchli vo Wassen" vorbei. Der Sketch von Emil Steinberger kennt jeder und so ist es einer der vielen Highlights dieser ganzen Tour, bei der oft aus dem Auto bestaunten Kirche zu stehen, diese zu besuchen und von deren Umgebung ins Reusstal auf eine fast leere Autobahn zu schauen.

Nach einer Rast auf dem Schulhof mitten in Wassen, wandern wir weiter nach Göschenen. Dabei müssen wir leider einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, da die offizielle Wander-Strecke noch nicht freigegeben ist. So bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter der kaum befahrenen Hauptstrasse zu folgen und gelangen nach ein paar Kilometer wieder zurück auf den Wanderweg. Sofort wird klar, weshalb die Strecke gesperrt ist: Schnee! Unermüdlich geht es weiter und schon bald stehen wir oberhalb der beiden Tunnelröhren, die jeder Autofahrer im Stau stehend schon länger begutachten konnte. 

Blick zurück ins Reusstal

Irgendwie ist es faszinierend, an einem Ort zu stehen, den man selber schon unzählige Male gesehen hat und nie wusste, wie man dorthin gelangt und wie denn von dort aus die Aussicht sein mag. Wir wandern weiter entlang der Eisenbahn-Schienen und gelangen nach Göschenen

In frühen Jahren war das Bahnhofbuffet Göschenen ein Geheimtipp. Fast immer sind wir für einen kurzen Umtrunk nach einem langen Klettertag dort eingekehrt. Das geht schon lange nicht mehr, denn das Restaurant ist seit vielen Jahren geschlossen. So ändern sich die Zeiten. Wir marschieren am baufälligen Hotel Gotthard vorbei und können nicht einmal erahnen, wie es gewesen sein muss, als in Göschenen zur Zeit des Baus des Eisenbahn-Tunnels rund 10'000 Menschen gelebt haben. 

Doch nun startet der spannende Teil des heutigen Wandertages. Mit dem Verlassen von Göschenen beginnt der Anstieg durch die Schöllenen nach Andermatt. 

Häderlinsbrücke

Vor uns liegt die Schöllenen und die Via Gottardo führt geradewegs zur Teufelsbrücke. Schon viele Male fuhr ich mit dem Auto nach Andermatt und immer wieder wollte ich die Teufelsbrücke besuchen. Heute ist der Tag, an dem ich endlich dieses Unterfangen umsetzen kann und erst noch auf die beste aller möglichen Arten: zu Fuss von Göschenen her kommend.  

Teufelsbrücke


Teufelsbrücken

Es ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen! Die Brücken sind wunderschön und die Geschichte zur Teufelsbrücke ist faszinierend. Natürlich besuchen wir auch das Suworow-Denkmal und kurz darauf sind wir in Andermatt.

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