Monday, June 10, 2013

1979

von Markus

1979. Das ist nun doch schon eine ganze Weile her. Exakt sind es 34 Jahre. Manch einer der Blogleser wird zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt gewesen sein. Kommt jetzt wieder so eine Erinnerungsstory vom Alten Jura-Saurier? Ja, leider. Sorry. Schliesslich müssen NSA, CIA und FBI wissen, was seinerzeit auf der Welt geschah.

Mit 1979 verbinden sich ein paar für mich epochemachende Erlebnisse. Im April 1979 schloss ich erfolgreich meine kaufmännische Lehre bei der Basler Versicherung ab. Es ist dies bis heute einer der schönsten Tage in meinem Leben. Weshalb? Nachdem ich den Fähigkeitsausweis anlässlich der Abschlussfeier im Stadt Casino aus einer Schachtel gegraben hatte wusste ich, dass ich nie mehr in eine Schule gehen muss. Für mich war die Schule wohl etwa das Allerschlimmste, was ich je durchmachen musste. Nicht umsonst ist mein Lieblingssong immer noch Another Brick in the Wall. Wann veröffentlichte Pink Floyd dieses Meisterstück? Genau, 1979. Im gleichen Jahr hatte ich das Vergnügen, dass das Militär befand, dass ich 1980 in die Rekrutenschule dürfe. Und seit dem 11. Juli 1979 darf ich offiziell Auto fahren.

Der Dollar fiel das erste Mal unter die historische Marke von 2(!) Franken. Seinerzeit war das unvorstellbar. Krise, war das Wort der Stunde. Die Welt stand noch etwas unter dem Schock des Erdöl-Embargos von 1974. Schnell wurden seinerzeit Szenarien entworfen, wie die Abhängigkeit vom Öl ein für alle Mal reduziert werden kann. Das Resultat der intensiven Studien und Überlegungen von damals können wir heute erleben.

1979 fuhren meine damaligen Kletterfreunde Roland, Peter, Olivier und ich in einem VW-Bus im Juli(!) in die Calanques zum Klettern. Das war definitiv nicht der beste Termin wie sich herausstellen sollte. Die Sonne schien etwas gar heftig und ich verbrannte mir das Fussrist derart, dass es Brandblasen warf. Das war auch nicht optimal. Allerdings konnte ich eine wunderschöne Route irgendwo in der Calanques klettern. Sie ist mit 4 bewertet und ich fühlte mich als Held, habe ich sogar die Schlüsselstelle im Vorstieg geklettert. 6+ war seinerzeit die Bewertung für die schwersten Routen. Da ist 4 ja nun wirklich nicht schlecht.

Aber die Geschichte, die ich erzählen möchte, die startet ja noch früher, geht ganz zurück in die Anfänge meines Kletterlebens, zurück ins Jahr 1974.

In der Regel lief ein Sonntag wie folgt ab:
  • 9:30 Uhr Roland abholen
  • mit dem 2-Gang Töffli von Riehen ins Pelzli fahren
  • bewaffnet mit Alu-Leitern, Bollerschuhen, roten Socken und Kniggerbogger-Hosen irgendeine Wand hoch
Mein Sandkastenfreund Roland Stebler
Die leichteste Route war diejenige, an der heute „The Wall“ 8a-Aspiranten erwartet. Da hat mir seinerzeit Wenzel einfach meine Sonntags-Tätigkeit abmontiert. Und dann gab es die saumässig schwierige „Via Carrara“. Heute ziert die phänomenale „THC“ dieses Stück Fels. Ich kann eigentlich sagen, dass ich zwei Meilensteine des Kletterns im Basler Jura in deren Vorstadium geklettert habe. Das ist doch auch nicht schlecht, oder? Die „Via Carrara“ hatte oben eine ganz blöde Stelle. Da musste ich auf die oberste Trittstufe steigen. Alles wacklig, alles nervös, alles nicht lustig, aber wir sind hochgekommen und das zählt. Der Klassiker allerdings, dieser Klassiker war die als unkletterbar geltende Daumen-Ostwand. Deshalb steckten auch schon immer Haken in genügender Anzahl in der Wand. Wir kletterten also mit Hängen und Würgen über den Normalweg auf den Daumen, trugen uns ins Gipfelbuch ein und seilten uns im Dülfersitz über die steile Ostwand ab. Anschliessend ging es im Top-Rope gesichert, bewaffnet mit Leiterli und Hammer (ein Haken musste immer wieder eingeschlagen werden) die Wand hoch. Anschliessend abseilen und ab nach Hause. Die Welt war in Ordnung, wir waren die Besten, wir waren einfach gut. So fühlten wir uns.

Abseilen im Dülfersitz - Aua....!
Natürlich blieb uns die Entwicklung im Klettersport nicht ganz verborgen. Zwei Wahnsinnige bohrten den „Spächteweg“ ein. Wie Jügge Meyer und Christian Jäggi die Haken eingebohrt bekamen ist mir bis heute ein Rätsel. Ein toller Job war das sicher nicht. 4 Bolts zieren ein absolut waagrechtes Dach, drüben beim Wasserschloss. Ich bin nie weiter als der 3. Bolt gekommen. Das anschliessende Ablassen am Bolt sorgte dann jeweils für unheimlich viel Stimmung, wurde ich doch jedes Mal von der einen grossen Tanne beinahe aufgespiesst. Die Tanne ist heute deutlich grösser. Ja, wie die Zeit doch so vergeht.