Monday, July 31, 2017

Frühsommer 2017

Und die pure Freude am Klettern geht einfach weiter. Ein Erlebnis jagt das nächste. Das ist auch der Grund, weshalb ich lange keine Posts mehr erstellen konnte. Zu schnell reihte und reiht sich ein schöner Tag am Fels aneinander. Doch heute habe ich nun etwas Zeit gefunden...
 
Meine Bibel heisst in der Zwischenzeit "Falaises du Jura - Histoire de l'escalade" von Claude und Yves Rémy. Das ist ein wunderbar sorgfältig gemachtes Buch über die Geschichte des Kletterns im Jura. Dumm nur, dass es in französischer Sprache verfasst ist. So tue ich mich schon manchmal sehr schwer zu verstehen, was denn der Text bedeutet. Offenbar hat es in der Vergangenheit doch mehr französische Sprache aus meinem Hirn gelöscht, als was ich wollte.

Jura: La Sensationnelle, dite aussi la Sensass, Rochers du Midi

Beschreibung von der "Sensass" en français
Massgeblich an der Erstbesteigung der "Sensass" war einmal mehr der legendäre Hugo Weber beteiligt. In meiner Bibel steht die ganze faszinierende Geschichte dazu. Deshalb war es für mich schon ein ganz spezielles Erlebnis, als Richi zur "Sensass" aufrief.

Der Wetterbericht verhiess gutes Wetter, es könne jedoch auch noch etwas Regen geben. Alte Kämpfer lassen sich von solchen Wetterberichten nicht abschrecken. Nach kurzer Fahrt an die Rochers du Midi treffen wir Marc, Jürgen und Roland. Es gibt ein grosses Willkommens-Hallo, lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen. Nach etwas "Cool down" steigen wir in die Route ein. Die erste Seillänge...ich hatte Angst, dass ich wieder wie eine Kanonenkugel aus diesem offenen Riss rausgeschossen komme. Aber nichts da. Gute Griffe und Tritte weisen mir den Weg zum ersten Stand. Seillänge 2 kannte ich von einem früheren Besuch am Rochers du Midi. Unübertroffen schöne Kletterei erwartet den Sensass-Aspiraten. Am Stand angekommen, sehen wir dicke fette graue Regenwolken direkt auf uns zukommen. Im strömenden Regen seilen wir ab um circa 20 Minuten später feststellen zu dürfen, dass die Sonne von einem wolkenlosen Himmel lacht. Was ist zu tun? Richi hat die beste aller Ideen. Wir steigen hoch zum Ausstieg der Route und seilen uns zum Stand der 3. Seillänge ab. Von dort geht es am Seil weiter runter zum zweiten Stand. Ich habe das etwas ungemütliche Erlebnis vor mir, durch die Schlüsselstelle klettern zu dürfen. Seither weiss ich, weshalb Hugo Weber die Sache im A1-Stil bewältigt hat. Richi zerrt mich hoch und ich gebe alles, nur damit ich nicht an dieser vermaledeiten Dachkante verhungern und verdursten muss. Diese 2 Meter Schlüsselstelle haben es in sich. Der Rest der Seillänge ist Genuss pur. Die vierte Seillänge ist wunderbar herrlich zu klettern, bester Fels, bestens abgesichert.

Gastlosten: Salu Marc

Gastlosen - Salu Marc - herrliche Kletterei in bestem Fels
Gastlosen - Salu Marc
Im heissen Sommer 2003 war ich das letzte Mal an den Gastlosen Südwänden. Die Gastlosen sind ein gutes Stück von Basel entfernt. Da braucht es etwas Engagement dorthin zu fahren. Doch es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Obwohl die Route "Salu Marc" für meinen Geschmack etwas gar viel Gras zu bieten hat, waren ein paar Kletterstellen von besonders guter Qualität. Die Landschaft ist einmalig schön. Ob ich nochmals an die Gastlosen Süd klettern gehen werde? Ich weiss es nicht.


Solothurner Jura: Kluser Roggenpfeiler

Dass ich diesen Pfeiler je wieder klettern werde, daran habe ich nicht mehr geglaubt. 1977 oder 1978 kletterten wir im astreinen A1-Stil durch die Route und waren anschliessend völlig ko. Im Jahre 2002 oder 2003 kletterte ich mit Silvio durch den Pfeiler, doch nach Seillänge 3 erwischte uns ein grosses Gewitter mit Hagel und so mussten wir im strömenden Regen den Pfeiler hinunter abseilen. Das war nicht lustig.

Eine der besten Seillängen, die ich je geklettert bin (Danke Richi). Kluser Roggenpfeiler
Der Wetterbericht kündigte bestes Kletterwetter für den Mittwoch an. Warm, aber nicht zu warm und bedeckter Himmel. Kein Regen. Bedeckter Himmel stimmte dann auch nur zeitweise und deshalb konnte ich locker an einem Wet T-Shirt-Contest mitmachen. Die Kletterei und die Ambiance sind von einer derartigen Schönheit - einfach unbeschreiblich. Ich freue mich jetzt schon darauf, diesen Teil der Trilogie klettern zu dürfen.  

Jura: Le trilogie des trois villes

Face de Plagne; Seillänge 3
Richi hat es in seinem Post auf Facebook korrekt wiedergegeben. Wir Alten staunten, was denn die Jungen so tun und was sie so alles durch die Wand tragen. Der Plan war, die "trilogie des trois villes" zu klettern. Das sind folgende Routen in Plagne:

Face de Plagne, 6a
Face de Rondchâtel, 5b+
Face de Frinvillier, 6a+

Für uns wurde es eine erfolgreiche Dilogie mit "Plagne" und "Milkyway, 5c+". "Rondchâtel" war nach 3 Stunden immer noch besetzt und die beiden Jungen taten uns sehr leid. Jetzt müssen wir Alten nochmals hin. Aber nicht mehr dieses Jahr und das gibt zusätzlich die Gelegenheit, noch etwas an der Kondition zu feilen.

Tuesday, July 25, 2017

Frühling 2017

Es gibt sie im Moment nicht:

  • Kletter-Räubergeschichten
  • Märchen über Heavy Metal im Kopf während der Körper am Limit kämpft
  • Kampf in steilen und schweren Routen
  • Trainings-Philosophien
  • Gerede von geplanten und nicht erreichten Zielen

Es gibt im Moment:
  • eine wunderschöne Zukunft

Klar, ich gehe immer noch voller Herzblut und Engagement zweimal wöchentlich ins B2 zum Training. Gerade gestern hatte ich das Vergnügen, zusammen mit Richi eine etwas härtere Trainingssession zu absolvieren. Die Finger sind heute noch dick und die Muskeln schreien nach Ruhe. Nach den zum Teil sehr langen Arbeitstagen von 9 und mehr Stunden plus zusätzlich 4 Stunden Arbeitsweg braucht es schon eine gewisse Überwindung, statt es sich auf das Sofa bequem zu machen und ein kühles Bier zu trinken, die Boulder-Utensilien zu packen und ins B2 zu fahren. Und wenn die Temperaturanzeige im 1. Stock 34 Grad markiert - wie das vor ein paar Wochen der Fall war - dann ist es einfach warm und jedoch nicht trainingsverhindernd! Ich habe mein Training völlig umgestellt, mache das, was mir gut tut und mir gefällt. Auch freue ich mich immer wieder sehr, wenn ich "liebi Gspänli" treffe und ich mich intensiv mit ihnen austauschen kann. Ja, es ist schön in der Oase B2 trainieren zu können.

Der Samstag gehört immer noch voll und ganz dem Klettern in Gottes freier Natur. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Klettern - meine Leidenschaft. Im Frühjahr 2017 konnte ich sehr viele schöne Mehrseillängen-Routen klettern und verbrachte manch glückliche und zufriedene Stunde am Fels. Nachstehend eine kleine Auswahl:


Arête spéciale

2x Markus am Arête spéciale
Viele Jahre war ich nicht am Arête spéciale in Moutier klettern. Richi brachte mir im November 2016 dieses Juwel im Jura wieder nahe. Am Karfreitag kletterte ich zusammen mit Tobias und Lia diese wunderschöne im Jahre 1926 erstbegangene Linie. Am 24. Juni 2017 war ich innerhalb von 8 Monaten bereits das dritte Mal an diesem fantastischen Stück Fels unterwegs. Meine Seilpartnerin an diesem Tag kletterte vor rund 35 Jahren das letzte Mal über diesen Grat. Für sie war es ein herrliches Revival und für mich die erste Tour nach dem Entscheid der Einwohner von Moutier sich vom Kanton Bern loszusagen und zukünftig dem Kanton Jura anzugehören - fast schon ein historischer Moment. Am 17. Juli 2017 kletterte ich ein weiteres Mal über diesen Grat. Dieses Mal begleitete mich mein langjähriger Freund Markus.


Le Schilt

Fantastische Kletterei in der "Voie Normale"
Le Schilt - für mich das absolute Highlight in diesem Frühling. Die Sportlerwaden laufen sich fast schon heiss, bis der ersehnte Fels zum Klettern sichtbar wird. Doch was Le Schilt bietet, ist einfach traumhaft. Aktuell ist es etwas zu warm um am Le Schilt zu klettern. Im Herbst wird es tolle Bilder geben. Zudem werden wohl auf der Wiese neben dem Parkplatz hoffentlich keine Kühe mehr grasen. Denn die meinten es gut mit meinem Auto. Wobei - klar - wenn da ein schönes Auto steht und erst noch in roter Farbe, dann würde ich als Kuh das Teil auch näher untersuchen. Kuh-Graffiti verzieren seither das Gefährt.


Finale Ligure

Studium des Kletterführers
Bereits früh im Jahr, d.h. im März war ich in Finale Ligure unterwegs. Die Temperaturen waren optimal für mich, der Grip sensationell. Ich konnte viele Routen im onsight klettern. Das italienische Essen hat sich trotz dessen Hülle und Fülle nicht zu Hüftgold veredelt. Wir kletterten zu viele Routen an einem Tag, als dass sich hätte einen zusätzlichen Schwimmring aufbauen können. Von Finale habe ich kaum Bilder mit nach Hause gebracht. Graue Regenwolken hinter grauem Fels - nun ja - das ist jetzt auch gerade der fotografische Bringer. Und - ach ja - der geneigte Blog-Leser wird sicher auch schon mal in Finale gewesen sein.
 




Hugo Weber Trilogie im "Le Paradis"

Mitte April 2017 kletterten Richi und ich eine Trilogie der Klassiker des legendären Hugo Weber, ein exzellenter Kletterer seiner Zeit. Seine Routen im "Le Paradis" sind wunderschön, jedoch in der Zwischenzeit etwas gebraucht. Doch das tut der Brillanz keinerlei Abbruch, ganz im Gegenteil. Wer je durch diese Routen geklettert ist, der sagt "Chapeau".

"La Grande Dièdre directe, 6a+" aus dem Jahre 1957
"Dièdre de Golons, 6a" aus dem Jahre 1958 und
"Face de la Heutte, 6a" aus dem Jahre 1954

Wenn ich durch solche Routen klettere und mir Gedanken über die Jahreszahl mache, dann fasziniert mich dies immer ungemein. Das sind Routen, die wurden geklettert, als ich noch nicht mal auf der Welt war - bzw. meine Eltern hatten nicht mal eine Idee davon, dass sie mal einen Markus aufwachsen werden sehen und durchleiden müssen.

Leider gibt es von dieser Trilogie keine Fotos. Graue Wand inmitten von grauer Wolke - das bringt jetzt nichts.