Monday, May 1, 2017

Voie normale, Le Schilt

von Markus

Weshalb wohl war ich noch nie am Le Schilt? Ganz einfach! Meine durchtrainierten Sportkletter-Beine stehen einen Aufstieg von mehr als 15 Minuten sowieso nicht durch! Ich bin ja Sportkletterer...nicht Sportwanderer..... :-)

In der letzten Zeit war ich häufig im "Jura bernois" unterwegs und ich werde noch viele Male in diese wunderschöne Ecke der Schweiz fahren. Die nach langen Jahren des Wartens seit Ostern 2017 nun vollständig fertig gestellte und eröffnete A16 erleichtert das Hinkommen enorm. Gut - das kurvige Laufental mit gefühlt 1000 engen Kurven muss zuerst durchlitten werden, bevor der Rausch der Geschwindigkeit von einem Besitz ergreifen kann.

"Voie Normale" am Le Schilt. Die Route führt an der rechten Kante des Pfeilers hoch

Am Samstag, 29. April 2017 hat es mich dann doch noch an Le Schilt verschlagen. Im Kletterführer steht, dass der Anmarsch bis zur "Voie normale" 40 Minuten dauert. Ich kann das jetzt bestätigen, es ist so. Der Weg ist gut mit Ketten ausgerüstet, sodass ein gefahrloses Steigen nach oben problemlos möglich ist und auch den Abstieg erheblich vereinfacht.

"Voie normale" - schon allein der Name ist speziell. Normalerweise bekommen solch schöne Anstiege ganz intensive Namen mit den Worten "spéciale" oder "grand" oder sonst etwas ganz Speziellem. Doch die Route heisst einfach "Voie normale". Im Maurice Brand-Führer ist notiert:

Beschreibung der "Voie normale" im Kletterführer von Maurice Brand

Auf dem Bild ist unschwer das Datum vom 1. Mai 1974 zu erkennen. Die Geschichte zu diesem Datum kenne ich in der Zwischenzeit und es ist eine wahnsinnig tolle und ganz speziell lustige Geschichte. Aber es ist nicht meine Geschichte, sondern eine Geschichte von Richi. Er hat die "Voie normale" fast auf den Tag genau 43 Jahre später nochmals geklettert, dieses Mal im Vorstieg und ohne Bollerschuhe. Die Geschichte selber allerdings, die kann ich hier nicht erzählen, denn es ist seine Geschichte.

Und weiter ist zu lesen (so viel französisch verstehe selbst ich noch), dass es "la plus belle escalade libre du Jura" sei.

Es ist ein traumhaft schöner Tag mit wolkenlosem Himmel und allem drum und dran um wirklich schöne Erinnerungen an eine Kletter-Tour zu bekommen
  • Tour: Voie Normale
  • Erstbegangen: 1946 von R. Monney, M. Perrenoud, R. Perrenoud und J.-C. Zürcher
  • Schwierigkeit: 5a - 5c+
Richi in Seillänge 1
Seillänge 1: 

Im Kletterführer ist notiert, dass die Route "malheureusement patinée" sei. Und tatsächlich - an den schwierigen Stellen ist es unüberseh- und auch spürbar, dass wir nicht die ersten Kletterer in der Tour sind. Da gilt es dann einfach, sich ganz auf das Klettern zu konzentrieren und keine groben Schnitzer zu machen. Wobei es im Pelzli oder am Bärenfels Routen gibt, die bedeutend mehr "patinée" sind. Es ist keinesfalls ein Grund, diese Route nicht zu klettern. Die Bohrhaken sind gut gesetzt, die Seillänge kann mit "gut" gesichert bewertet werden.









Seillänge 2 - phantastische Moves in bestem Fels. Herrlich!
Seillänge 2:

Der Traum eines jeden Kletterers. Wunderbare Moves, gut gesichert, viel Luft unter den Sohlen, gute Griffe, gute Tritte - schlicht alles, was des Kletterers Herz begehrt. Diese Seillänge lässt das "patinée" der ersten Seillänge vergessen. Es ist eine traumhaft schöne Seillänge - exzellent!

Aufstieg zum Gipfel
Seillänge 3:

Schönste und steile Kletterei exakt auf des Pfeilers Kante mit noch mehr Luft unter den Sohlen. Klettern der Extraklasse. 

Der Abstieg ist einfach zu finden und nun auch mit Ketten gesichert. Das entschärft den steilen und rund 15 minütigen Abstieg zum Einstieg enorm. 

Idee: Wenn noch genügend Zeit und noch mehr Lust zum Klettern vorhanden ist, so kann ich die Route "Petit Pilier" wärmstens empfehlen. Ich habe noch nie eine derart schöne 6a geklettert. Es wartet verdonesquer Fels!


Arête spéciale, Moutier

Von Markus

Arête spéciale in Moutier
Karfreitag 2017. Was mache ich bloss an Karfreitag. Klettern? Eigentlich schon. Nichtstun? Noch besser. Doch der Wetterbericht sagt trockenes Wetter für Karfreitag vorher. Etwas tun? Doch nichts tun? Oder doch etwas? Und wenn etwas – was?

Frisch gewagt ist halb gewonnen! Auf eine Anfrage zum gemeinsamen Klettern kommt ein riesengrosses "JA!" zurück und ich freue mich sehr für die Zusage.

Route: Arête spéciale in Moutier, erstbegangen 1945 von Willy Zimmermann und Otto Gerecht

Schwierigkeit: 5c+
Team: Lia, Tobias (mein Neuveux) und ich

Für Lia ist es die erste Mehrseillängen-Tour und sie weiss nicht so recht, worauf sie sich einlässt. Doch – so meine tiefe Überzeugung – Tobias wird ihr schon zu ihrem Glück verhelfen!

Lia in Seillänge 3
Tobias hat mich schon einmal durch die Route begleitet. Das war schätzungsweise vor 17 Jahren.
Tobias konnte mich seinerzeit noch nicht sichern, er brachte definitiv zu wenig Gewicht auf die Waage und wie das mit dem Sichern ging - nun ja - das ist ein anderes Thema. Bei der Repetition der Tour fühlte ich mich jederzeit bestens gesichert und versorgt!

Der Plan geht auf. Wir haben den "Spez" für uns alleine und können uns alle Zeit der Welt nehmen. Keine Hektik, kein Stress, Spass pur. Das Wetter ist bestens, die Bedingungen sind unschlagbar gut. Das wissen auch die Motorrad-Fahrer zu schätzen, die uns mit dem wohligen Klang ihrer Auspuff-Rohre bis ganz hoch zum Ausstieg mit Sound versorgen. 

Ein herrlicher Tag, ein herrliches Erlebnis, eine herrliche Route und unübertroffen liebe Freunde begleiten mich über diesen edlen und immer wieder schönen Grat.

Das Karfreitag-Arête-spéciale-Dream Team (Tobias, Lia, Markus)