Friday, December 31, 2010

Happy New Year

von Markus

Vollbracht! Das Jahr 2010 ist schon fast vorbei. 2011 steht vor der Türe, also lassen wir es doch einfach herein und freuen uns alle auf die kommenden Abenteuer beim Sportklettern und in den Bergen bei schönen Mehrseillängen-Routen in bestem Fels und bei herrlichem Sonnenschein.


Das kommende Jahr wird auf jeden Fall besser. Das ist absolut sicher. Nächstes Jahr werden Projekte reihenweise geklettert. Es muss so sein. Denn im B2, im impulsiv und im K7 wird bereits so hart trainiert wie noch nie. Die Beine der Kletterer werden immer dünner, dafür nimmt der Brustumfang laufend zu. Überall sind stahlhart trainierte Muskeln zu sehen.


Und nicht nur im Berner Oberland oder in Zermatt ist es schön. Auch wir haben es wunderschön. Wo das ist?



Es gibt dort wunderbare Routen. Eine kleine Auswahl: Négligé, Geh doch nach Moskau, Kampf des Proletariats, Sandührli-Wäg

Ich wünsche allen einen guten Start ins 2011 und ich freue mich jetzt schon, den einen oder anderen Leser dieses Blogs am Fels anzutreffen um gemeinsam dem schönsten Hobby zu frönen.

Thursday, December 16, 2010

Südafrika

von Markus

Es ist Samstag, der 11. Dezember 2010. Wir sitzen in Cape Town in einem Café an der Waterfront und geniessen den wunderbaren Blick hinauf zum Tafelberg. Auf dem Tafelberg liegt das "Table cloth", ein Schauspiel der Extraklasse.

Die Sonne lacht vom stahlblauen und wolkenlosen Himmel. Sie wärmt herrlich, es ist rund 25 Grad warm. (Bild: Cape of Good Hope)

Welch ein Schock, als wir am Sonntag um 6 Uhr aus dem Flugzeug steigen. Dunkel und kalt, alles grau in grau. Der Unterschied könnte nicht grösser sein. Wenige Stunden vorher noch Sonne, Wärme und bunte Farben. Die Schweiz begrüsst uns mit einem herzlichen: "Welcome home."

Die Reise durch Südafrika war Abenteuer pur. Es gibt viel zu erzählen. Die Strecke war rund 4'000 Kilometer lang und führte uns quer durch dieses riesengrosse Land. Wir trafen viele sehr interessante Leute und lernten viel über dieses faszinierende Land.

Die Route: Johannesburg - Sabie (Vorort vom Krüger-Park) - Krüger-Park (Tierwelt) - Swasiland (Mhakaya Game Reserve) - Felixton (Ostküste von Südafrika, Indischer Ozean) - Hermannsburg (deutschsprachige Kolonnie in Südafrika) - Royal-Natal (Nördliche Drakensberge) - Clarens (Golden Gate Nationalpark) - Graaf-Reinet (Karoo) - Knysna (Gardenroute) - Paarl (Wein) - Cape Town

Das Bild oben zeigt den Blick vom Tafelberg hinunter auf Kapstadt. Ganz vorne kann man das Fussball-Stadion erkennen. Es ist dies ein wunderschönes Stadion, welches für die WM 2010 gebaut wurde und seither leer steht.

Es war alles dabei. Fahren durch dichtesten Nebel und stärksten Regen. Radwechsel auf losem Untergrund. Unerträgliche Hitze. Stechmücken. Grenzübertritt nach Swasiland - eine Erfahrung der besonderen positiven Art! Breite Strassen, die im Nirgendwo enden. Fehlende Strassenschilder. Sternenhimmel. Ruhe. Gelassenheit. Geduld. Farbe. Fröhlichkeit. Nervosität und Hektik. Freud und Leid. Leben und Tod.

Wir sahen viele Jungtiere, u.a. Nashorn- und Elefanten-Babys, aber auch Bilder von elendiglich zugerichteten Nashörern ohne Horn die unbeschreibliche Qualen erleben mussten, bis sie vom Tod erlöst wurden. Im 2010 sind bereits wieder über 100 Nashörner nur des Horns wegen bestialisch getötet worden. Eine Aufbauarbeit aus den 1970er Jahren ist in nur einem Jahr generalstabsmässig zerstört worden. Nur in Swasiland haben es die Wilderer seit 1993 nicht mehr geschafft, ein Nashorn zu töten. Weshalb? Die Ranger dürfen Wilderer sofort erschiessen. Für ihr tägliches Geschäft tragen sie geladene Gewehre bei sich.

Thursday, November 18, 2010

Abenteuer

von Markus

Als Abenteuer (lat.: adventura: „Ereignis“; mittelhochdt.: aventiure) wird eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein Erlebnis bezeichnet, das sich (meistens) stark vom Alltag unterscheidet – also ein Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes, um etwas (riskantes) zu unternehmen, bei dem der Ausgang ungewiss ist.

In diesem Sinne gelten und galten Expeditionen ins Unbekannte zu allen Zeiten als Abenteuer.

So lautet die Definition in Wikipedia. Besser hätte ich es auch nicht beschreiben können.

Abenteuer. Ja, Abenteuer! Es gibt so unheimlich viel auf dieser Welt zu entdecken. Dafür reicht ein Leben beim besten Willen nicht aus. Es ist das Abenteuer, das Unbekannte, das mich immer wieder an den Fels gehen lässt. Es ist das Verlassen des gewohnten Umfeldes, das mich stetig zum Klettern treibt. Allein zu wissen, dass ich an einem Samstag klettern gehen kann versüsst mir jeden Arbeitstag. Mit Freunden in ein neues Klettergebiet zu fahren und neue unbekannte Routen zu erforschen ist so einzigartig wunderschön. Es ist auch dieses intensive Zusammensein am Fels, es sind meine Freunde, die mich immer wieder motivieren und mit denen ich immer unheimlich viel Freude erleben darf. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für ihre unermüdliche und selbstlose Unterstützung bedanken bei:

Von tiefstem Herzen allerbesten Dank dir:

Christian, Martina, Simon, Robert, Dominik, Roland, Markus, Jürgen, Jean-François, Heike und Silvio

Ohne jeden Einzelnen von euch hätte ich nie so eine wunderschöne, ereignisreiche und meines Erachtens die beste Klettersaison in meinem Leben haben können.

Und so endet die Klettersaison mit einem Abenteuer und auch das Jahr 2010. In Soyhières bearbeite ich hoffnungslos überfordert die Route "L'aventure" und am Freitag fahre ich in die Ferien - eine Expedition auf einem fremden Kontinent, eine Reise quer durch Südafrika steht an. Mich zieht es mit aller Kraft weit weg von hier. Das Fernweh brennt seit der Rückkehr aus Tibet 2007 immer mehr. Endlich passt alles ganz genau.


Gewisse Herausforderungen und Abenteuer soll es dort geben: Hier der Link

Ich habe mir jetzt schon überlegt, ob die Löwen irgendwie allergisch auf ein Duschgel sind. Aber welches? Die Tiere könnte ich ja überlisten, in dem ich mich nicht duschte. Ich gehe davon aus, dass sie das Menü "Touri in dünner Salzkruste, eingelegt in Sunblocker 30" nicht so sehr mögen. Das Essen soll in Südafrika auch "anders" sein: Bushmeat. Jürgen hat mir denn auch schon mal "Guten Appetit" zu einem saftigen Nashorn-Steak gewünscht. Eine Spezialität sollen auch gegrillte Giraffenhälse sein oder die einzigartigen Salate aus gemahlenen Krokodil-Zähnen mit einem Schuss Balsamico. Ihr seht, auch kulinarisch gehe ich gerne ein Abenteuer ein.

Sunday, October 24, 2010

Der Geschichtenerzähler - Teil 3

von Markus

Es ist Samstag. Ich schaue aus dem Fenster und muss realisieren: es hat in der Nacht geregnet. Nun gut, damit muss ich leben. Der Wetterbericht sagt aber auch, dass nach dem Regen besseres Wetter sein wird. Nur, was heisst denn "besseres Wetter"? Der Wind frischt auf und so hege ich die leise Hoffnung, dass es mit dem Outdoor-Klettern etwas wird. Um 13 Uhr hole ich Roland in Basel ab. Der Himmel wird von dicken und dunklen Wolken bedeckt. Wir entscheiden uns, an den Gempen zu fahren. Gempen aus dem Grund, dass wenn vielleicht ein wenig Sonne zwischen den Wolken hervorschauen sollte, dann wird das Klettern am Gempen sicher am meisten Freude bereiten. Nach der kurzen Fahrt parken wir das Auto, schultern einmal mehr unsere Rucksäcke und gehen zielstrebig zum "Négligé", meinen Projekt. Roland ist, wie ich auch, ein nachhaltig Sandührli-Wand Geschädigter. Mit den falschen Löchern in den Händen, kann in der Wand eine 5c sofort zu einer 6c mutieren. Der Wind meint es gut mit uns und hat die Wand bereits komplett abgetrocknet. Die Erfahrung sagt mir, dass bei solchen Bedingungen der Grip enorm gut ist.

Ich hänge die Express ein nicht ohne meine Schlüsselstellen auszubouldern. Der Grip ist sagenhaft, die Moves gehen alle problemlos. Allein die Sohlendicke meiner Schuhe macht mir etwas Sorgen. Die Felsstruktur kommt doch sehr intensiv durch. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Wieder am Boden zurück, bereitet sich Roland für seinen ersten Top-Rope Durchgang vor. Ich erkläre ihm die untere Schlüsselstelle. Er kletterte sie auf Anhieb. Auch die zweite Schlüsselstelle klettert er ohne Mühe. Er meint, es sei eine tolle und sehr abwechslungsreiche Route. Ab sofort sind wir keine nachhaltig Sandührli-Wand Geschädigte! Nun bin ich an der Reihe und mein Tages-Ziel ist es, die Route endlich im Top-Rope durchzusteigen.

Wie ich so meine Kletterschuhe anziehe muss ich feststellen, dass beim rechten Schuh eine starke Tendenz zum Krokodil besteht. „Vergiss es, vergiss es einfach. Mit den Schuhen geht das nie und nimmer.“ Der Geschichtenerzähler – er ist wieder da. Von wo kommt denn der wieder her? Ich beachte ihn nicht weiter, steige in die Route ein und alles geht problemlos. Der Top-Rope Durchgang hat gezeigt: Markus, es passt alles. Unten angekommen höre ich: „Vergiss es. Mit den Schuhen geht das nie und nimmer. Hättest halt vorher schauen müssen. Mit dem Krokodil vorne rechts? Mit dieser dünnen Sohle? Nein, nein, das funktioniert nie!“. Nochmals steigt Roland durch die Route und dann muss ich mich entscheiden. Gebe ich dem Geschichtenerzähler recht, so hat er gewonnen. Eigentlich ist das sein Ziel. Aber ich will ihm nicht recht geben, nein. Aber er könnte ja doch wirklich recht haben. Mit den Schuhen – oha – das wird dann schon noch ein Versuch der speziellen Art! Aber ich mag einfach nicht mehr an all die Wenn und Aber glauben, denn der Top-Rope Durchgang hat gezeigt, dass alles geht. Ich ziehe das Seil ab, einmal mehr sind Fakten geschaffen. Beim Einstieg lächelt mich das Krokodil nett an. Es wird schon klappen, sage ich mir und steige ein. Es passt denn alles auch haargenau und so erreiche ich nach wenigen Minuten den Ausstieg und bin überglücklich.

Négligé. Das ist so eine uralte Geschichte aus meinem Kletterleben. Zum ersten Mal angeschaut habe ich die Route im Jahre 2000. 2 Jahre später bin ich zum definitiven und unumkehrbaren Entscheid gekommen, dass die Route nie im Leben geht, denn die Löcher werde ich nie halten können. Im Oktober 2010 dann der Durchstieg bei allerbesten Kletterbedingungen. Manchmal braucht es Hartnäckigkeit und Wille um etwas Einzigartiges zu erleben. Oder wie sagt der Volksmund treffend: Gut Ding will Weile haben.

Saturday, October 16, 2010

Schöne Aussichten


von Markus

Am Sonntag nehme ich die Zeitung aus dem Briefkasten und mein Blick fällt sofort auf die Wetterprognosen für die kommende Woche. Es ist ruhiges und schönes Wetter in den Bergen vorausgesagt - unten grau und oben blau. Ich habe schon von vielen Unternehmungen im Oktober in den Alpen gehört, es soll wunderbar sein. Schon seit vielen Jahren möchte ich im Herbst eine Mehrseillängen-Tour in den Alpen realisieren. Aber die Arbeit und mindestens 1000 Ausreden liessen das Unterfangen über viele Jahre hinaus immer wieder im Keime ersticken.

Als ich so die Wetterprognose lese, ist es plötzlich da. Es ist das Gefühl, dieses Mal alles besser zu machen und einen Traum umzusetzen. Der Traum ist sehr einfach. Ich möchte eine Route im Herbst am Hintisberg klettern. Der Einstieg zu den Routen am Hintisberg liegt auf 2'200 Meter und dort oben kann es im Oktober schon ganz schön kalt werden. Da ich aktuell komplett ausser Form bin, sollte es eine einfache Route sein. Die Wahl fällt auf „Schöne Aussichten“.


Aus dem Antwortmail an Markus lese ich helle Begeisterung. Wir verabreden uns für Donnerstag, 14. Oktober zusammen dieses Unternehmen anzugehen. Wir beiden standen schon im Sommer unter der Route, doch das Wasser lief in Bächen über den Fels. So mussten wir unverrichteter Dinge wieder auf die Alp Hintisberg absteigen. Dieses Mal wird es auf jeden Fall besser. Markus wird seine erste Mehrseillängen-Tour in den Alpen klettern und ich einfach nur den Tag geniessen und einen Traum umsetzen.

Wir starten am Donnerstag bereits um 7:15 Uhr. Es ist noch dunkel. Das Grau des Nebels hält zuverlässig jedem Sonnenstrahl stand. Die Wettervorhersage meint, dass die Nebelgrenze bei 1'800 Meter liegt. Folglich müsste die Alp Hintisberg nebelfrei sein. Bereits nach 2 Stunden sind wir beim Restaurant Stalden und lösen die Taxe. Wir fahren die Strasse hoch und der Nebel wird dicker und dicker. Die Temperaturanzeige zeigt 2 Grad an. Der Nebel wird noch dicker, Sichtweite rund 10 Meter. Wir kommen auf der Alp an und parken das Auto. Wir stehen mitten im dichtesten Nebel. Zuversichtlich sagen wir uns – ja, es wird gut. Wir schultern die Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Der Nebel wird langsam lichter, aber es ist noch immer kalt und neblig. Wir hoffen einfach, dass wir irgendwann die Nebelobergrenze erreichen. Nach 20 Minuten ruft mir Markus zu: „Schau mal dort oben links“. Ich schaue hoch und erkenne die ersten Zacken des Hintisberg. Nach weiteren 2 Minuten Marsch stehen wir oberhalb der Nebelgrenze und das ganze Prachtpanorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau steht im strahlenden Weiss vor uns. Wir sehen nicht eine Wolke und wir wissen, dass der ganze Tag nie eine Wolke sich vor die Sonne schieben wird. Bald sind wir am Einstieg der Route. Ich überlasse Markus den Vortritt und er klettert mit ruhigen und sicheren Kletterbewegungen bis zum ersten Stand. Die zweite Seillänge gehört mir und so klettern wir im Überschlag bis ganz oben durch. Allerdings rennen wir nicht durch die Route, sondern geniessen die gute Absicherung, den bombenfesten Fels und natürlich die einzigartig schöne Aussicht. Den ganzen Tag über klettern wir in der Sonne mit einem unvergesslichen und traumhaften Blick auf das Nebelmeer und die Berner Eisriesen. Die Route ist ungemein schön und elegant zu klettern. Wir werden von zwei Dohlen begleitet. Sie zeigen uns immer wieder, wie gut sie sich in der Thermik hoch schweben lassen können und wir loben sie immer und immer wieder. So hatten die beiden Vögel offenbar einen Riesenspass an uns und wir an ihnen.

Das Abseilen verläuft problemlos und kurz vor 16 Uhr sind wir bei unseren Rucksäcken am Wandfuss. Dort ist aber auch der Nebel angekommen. Eine kurze Rast, die warmen Sachen anziehen und nach 30 Minuten sind wir beim Auto. Beim anschliessenden sehr guten Abendessen in Faulensee lassen wir den Tag nochmals Revue passieren und sind uns einig: besser geht einfach nicht!

Tuesday, October 12, 2010

Der Geschichtenerzähler - Teil 2

von Markus

Die Sonne lacht vom Himmel. Ich sitze im Büro und frage mich, was ich hier eigentlich tue. Arbeiten, ja natürlich. Aber das Herz möchte doch so unwahrscheinlich gerne Klettern gehen, der wahren Natur von mir selbst nachgehen. Eine für den späteren Nachmittag geplante Sitzung wird am Morgen abgesagt. Juhui - ich kann klettern gehen. Schnell organisiere ich einen Kletterpartner. Wir freuen uns riesig, abends noch ein paar Meter klettern gehen zu können. Um 14:30 Uhr dann der Hammer: zu früh gefreut, die Sitzung wird doch abgehalten. So ein Mist, so ein elender Mist. Aber ich kann es halt nicht ändern. Ganz zum Schluss bekomme ich ja von meinem Arbeitgeber mein Geld und dafür sollte ich schon noch etwas tun. Ich annulliere schweren Herzens das abendliche Klettern. Nun gut, da muss ich halt durch. 15:55 Uhr: Die Sitzung findet nun doch nicht statt. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Um 16:50 stehe ich am Einstieg des Négligé. Big Brother Geschichtenerzähler ist auch mit von der Partie. Ich erlebe einen katastrophalen Start. Die einstudierten Züge beim Einstieg - sie gehen nicht. Sie wollen nicht gehen, Ärger steigt in mir auf. Der Geschichtenerzähler ist bereits wieder gross in Fahrt und lacht mich höhnisch aus. Sein Gelächter ärgert mich noch mehr. Es geht immer weniger und das gemeine Lachen blockiert mich total. Nach geschätzten 10 und gefühlten 100 Versuchen ist dann auch meine Kraft am Ende, die Haut auf den Fingerkuppen fast weg. Ich gebe auf, nicht ohne nochmals alles zu analysieren. Ok, ich gebe mich geschlagen, ich kann halt diese Stelle nicht klettern. Soll es geben. Akzeptiert. Der Geschichtenerzähler hat gesiegt. Die Sache ist abgehakt, aber es ärgert mich masslos!

Es ist wieder die unendliche Geduld und der Ideenreichtum von Dominic, welche mich die Stelle nochmals versuchen lassen. Komplett neue Zugabfolge, die gleichen Tritte. Und - zack - es geht. Es passt alles. Aus einer absoluten Murks-Variante ist jetzt ein wunderschön zu kletternder Halb-Dynamo geworden. Herrlich. Die obere Schlüsselstelle geht auch, alles ist wacklig, aber es geht. Nach einer kurzen Pause steige ich die Route im Top-Rope mit einem Hänger durch. Es wird ein gutes Ende geben, dessen bin ich mir ganz sicher. Der Geschichtenerzähler? Der ist beleidigt temporär ausgezogen und überlegt sich bereits eine neue Story für das nächste Projekt.

Stay tuned.

Und noch eine kleine Info an alle, die es interessiert. Kurz nach dem 1. Leben hat er wieder zugeschlagen. Roland konnte sein 7a-Projekt in der Falken am Sonntag klettern. Vor so viel Engagement und Willen kann ich nur den Hut ziehen! Bravo, Roland! Welcome back!

Thursday, September 30, 2010

Der Geschichtenerzähler - Teil 1

von Markus

Es ist der 29. September 2010 um 17:15 Uhr. Wir sehen, dass sich die Regenwolken im Elsass schön säuberlich aufgereiht haben und auf ihren Einsatz warten. Wir sind etwas in Eile, denn wir wissen, dass es bereits um 20 Uhr zappenduster ist. Ich frage mich seit Wochen: "Welche Route möchte ich am Gempen projektieren?" Für mich ausser Frage stehen die Routen an der Sandührli-Wand, allen voran das "Negligé". Weshalb? Ich konnte vor vielen Jahren nicht mal die ersten 10 Zentimeter klettern, viel zu schwer.

Wir stehen unterhalb der Sandührli-Wand und Dominic fragt mich, welche Route ich denn gerne klettern möchte. In meinem Kopf geht's natürlich sofort los und so antworte ich wie aus der Pistole geschossen: "Nicht das Negligé. Da komme ich sowieso nie hoch, totale Gurk-Route." 30 Sekunden später hängen die ersten Express in der "Negligé". Dominic klettert in ungeahnter Geschwindigkeit die Route hoch. Ich erkenne nicht, wann die Route leicht und wann sie schwer ist. Es ist fantastisch, ihn beim Klettern beobachten zu können, alles im dunkelgrünen Bereich! Nach ein paar wenigen Minuten hat er das Top erreicht. Nun bin ich an der Reihe, ich freue mich sehr. Seil einbinden, Schuhe anziehen, Chalk-Bag richtig positionieren und ab geht’s. Und wie es so ist, geht natürlich überhaupt nichts. Ich bekomme den Fuss keine 3 Zentimeter vom Boden weg. Ich hab‘s ja gewusst, es ist eine völlige Murks-Route. Der Geschichtenerzähler im Kopf ist voll in Fahrt. Er erfindet mindestens tausend Gründe, weshalb ich diese Route nie klettern soll. Sofort ist klar: Das Ganze halt, Übung abbrechen! Sorge bereitet mir eigentlich nur der Umstand, wie die Express wieder aus der Route kommen. Der Geschichtenerzähler weiss auch hier sofort die Antwort. Die Sache ist abgehakt, der Geschichtenerzähler hat gewonnen. Ein weiterer klarer Sieg für ihn, den grossen Meister in meinem Kopf!

Es ist die ruhige und äusserst zuvorkommende Art von Dominic, die mich den Einstieg immer und immer wieder versuchen lässt. Und plötzlich geht der Zug, eine grosse Freude kommt in mir auf. Ich klettere weiter, nicht ohne mindestens hundert Mal "Block" gerufen zu haben. Der erste Top-Rope Durchgang lässt die erste grosse Furcht vor dem „Negligé“ vergessen. Beim zweiten Top-Rope Durchgang gelingt mir sogar der Einstieg im zweiten Versuch. Für die obere Schlüsselstelle finde ich eine für mich passende Lösung. Nach dem dritten Durchgang weiss ich: eine begeisternde und wunderschöne Route, bestens abgesichert, ein lohnendes Projekt.

Ich bleibe dran, am „Negligé“ und vielleicht klappt sie ja noch vor dem ersten grossen Schnee. Üben muss ich schon noch in der Route, aber sie ist nicht mehr unmöglich!

Stay tuned.

Wednesday, September 29, 2010

Kurt Albert: 1954 - 2010

von Markus

Und plötzlich prangte so ein roter Punkt am Einstieg des "Seidenstrumpf" in der Tüfleten. Wer sich achtet, sieht ihn heute noch. Auch der rote Punkt beim "Amigo" kann man noch etwas erkennen. Auch in der Ingelstein gibt es noch ein paar rote Punkte ("Salamander").

Mein Sandkasten-Freund Roland und ich haben den "Seidenstrumpf" aus dem Jahre 1959 schon etliche Male bezwungen. Der Haken, an dem wir uns hochgezogen haben, steckt heute noch. Allerdings baumelte an diesem Haken noch eine 4-trittige Alu-Leiter, die fürchterlich viel Lärm verursachte. Der Einstieg von "Seidenstrumpf" war mit A2 angegeben. Roland und ich konnten dem nur zustimmen: ein sackschwerer Einstieg, gefährlich, schlecht abgesichert!

Ein weiteres Mal wollten wir an diesem Sonntag den "Seidenstrumpf" klettern. "A2, 5+" lautete die Bewertung. Wir wussten, es wird wieder so ein Wahnsinns-Knorz über diesen Überhang. Und dann sahen wir ihn. Frisch, neu und leuchtend rot. Die Schmierer sind jetzt schon am Fels unterwegs, dachten wir. Bereits ein paar Tage später haben wir erfahren, was dieser rote Punkt zu bedeuten hat: die Route konnte ohne Zuhilfenahme einer Leiter und ohne sich an den Haken zu halten geklettert werden. "Wahnsinn", dachten wir und sofort wussten wir, wer der oder die Übeltäter waren. Das Urgestein des Freikletterns im Basler Jura kann heute noch im B2 beim Bouldern bewundert werden und kann die exakte Geschichte erzählen.

Erst viele Jahre später ist mir dann auch der freie Durchstieg durch dieses Dach gelungen. Ich musste mich arg zusammenreissen und hatte fürchterlich Angst, dass es mich nicht von den schmierigen Tritten runterhaut. Aber es hat geklappt. Ich weiss nicht, ob der "Seidenstrumpf" die erste Route mit einem roten Punkt war, zumindest aber eine der ersten zehn. Heutige Bewertung: 5c+ oder 6a. Das Dach wird heute zusammen mit der "Banana Republic" geklettert, ist aber definitiv der Originaleinstieg zum "Seidenstrumpf".

Seit Mitte der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gibt es für mich zwei über alles leuchtende Idole: Wolfgang Güllich und Kurt Albert. Wer kennt die beiden nicht. Kurt Albert gilt als der Erfinder des roten Punktes, des Freikletter-Gedankens. Heute ist "rotpunkt" weltweit akzeptiert und wird selbstverständlich praktiziert. Es brauchte enorm viel Kraft, Energie und noch viel mehr Können, die seinerzeit gültige Notation ("schwerer als 6+ kann ein Mensch nie klettern") aufzubrechen. Zusammen mit Wolfgang steigerte Kurt das Kletter-Niveau in nie geahnte Höhen und viele ihrer Routenkreationen sind heute noch absolute Marksteine der Klettergeschichte, so zum Beispiel "Action Direct" von Wolfgang Güllich oder die Routen "Royal Flush" oder "Raiders on the Storm" in Patagonien. Routen mit der Bewertung -7 aus den frühen "rotpunkt"-Tagen sind auch heute nicht einfach zu klettern. Die "Illusion" an der Ostwand des Daumens im Pelzli lässt herzlich grüssen!

In meiner Fantasie und wildesten Träumen kletterten wir drei zusammen durch die schwierigsten Wände dieser Welt, bezwangen zahllose Risse und im Yosemite kletterten wir durch "Separate Reality". Noch heute prangt das Riesenposter von Wolfgang's Solobegehung von "Separate Reality" über meinem Schreibtisch zu Hause. Es war mir leider nie vergönnt, die beiden persönlich kennen zu lernen.

Meine beiden Idole leben nicht mehr. Wolfgang starb vor Jahren bei einem Autounfall. Kurt Albert verschied gestern Abend 56-jährig, nachdem er von einem Klettersteig 18 Meter abstürzte. Jetzt bin ich alleine.

Hier der Link


Saturday, September 25, 2010

Schade - Parkverbot an der Falkenfluh

von Markus

Oha, jetzt ist es also doch passiert, es ist Tatsache geworden: Das Parkverbot auf der Herrenmatt!

Das trifft mich persönlich sehr hart. Ich bin Sportkletterer und nicht Sportwanderer. Deshalb bin ich auf kurze Zustiege an die Felsen angewiesen. Der lange Zustieg oder besser Abstieg zur Falkenfluh hat schon immer kräftig an meinen Oberschenkeln gezerrt und mich anschliessend am Fels eine ach so klägliche Figur abgeben lassen. Dank diesem Parkverbot habe ich endlich einen handfesten Grund, die Falkenfluh auf meiner persönlichen Liste der "nicht zu besuchenden Klettergebiete im Basler Jura" auf die erste Position zu setzen. Juhui, endlich muss ich nicht mehr in die Falken klettern gehen und endlich habe ich mindestens ein Dutzend Projekte weniger. Ich werde ja auch nicht jünger und so gesehen kommt mir dieses Parkverbot enorm entgegen. Fast schon könnte der Verdacht aufkommen, dass ich daran massgeblich mitgearbeitet habe. Aber es ist definitiv nicht so! Die Story geht leider etwas anders.

An einem wunderschönen und wolkenlosen Mittwochabend Ende Juli 2010 wollte ich wieder einmal an den wunderbaren Felsen in der Falkenfluh klettern gehen und mein Projekt "Esop" weiter bearbeiten. Das neue Schild sah ich bereits aus weiter Ferne und ärgerte mich masslos. Ich dachte genau das, was jeder denkt, der in seiner Freiheit eingeschränkt wird. An diesem Abend sorgte das Parkverbot für helle Aufregung und ich bin mir ziemlich sicher, dass die drohende Verzeigung durch den Restaurantbesitzer den einen oder anderen Durchstiegsversuch im Keim erstickte. Es wurde eine hitzige Diskussion geführt über Sinn und Unsinn dieser Massnahme und es wurden abenteuerlichste Gegenmittel gegen diesen bösen Restaurantbesitzer ausgeheckt.

Ursache und Wirkung – wenn ich also die Wirkung (das Parkverbot) verstehen will, so muss ich die Ursache kennen. Ich wollte es genau wissen und so begleitete ich Silvio und Tinu ins Restaurant. Dort angekommen ging die hitzige Diskussion gleich weiter. Aber dieses Mal lernte ich die Argumentation von der anderen Seite her kennen. Was ich hörte, verschlug mir den Atem. An schönen Tagen sei der ganze Parkplatz von Kletterern besetzt, die Kundschaft findet keinen Platz für das Auto. Die Kletterer konsumieren nie oder nur äusserst selten etwas im Restaurant. Die Kletterer stellen selbstverständlich ihr Wohnmobil das ganze Wochenende lang quer über den Parkplatz, sodass mindestens 4 bis 5 Parkplätze besetzt sind. Die Kletterer können nicht parken, denn wo normalerweise 3 Autos Platz fänden, sind es maximal 2, wenn überhaupt. Die Kletterer gehen ganz selbstverständlich auf die Toilette und waschen sich dort die Haare und natürlich auch ihre Wäsche. Nein, nein, sie kommen nie etwas konsumieren und die angerichtete Sauerei putzen sie auch nicht weg. Im Juli waren zwei Kletterer sogar so dreist, dass sie ihr ganzes Kletterhabundgut auf dem Stammtisch im Restaurant ausbreiteten. Nein, sie würden nichts brauchen, war die Antwort auf die entsprechende Frage. Viele weitere Beispiele mit "die Kletterer" wurden dargelegt und plötzlich konnte ich den ganzen Ärger und die Wut der Restaurantbesitzer verstehen. Da nützt der selbstlose Einsatz von Patrik von der IG Klettern natürlich nichts, wenn so respektlos mit den Leuten vor Ort umgegangen wird.

Und so kam es, wie es kommen musste und noch lange sein wird. Die Tafel mit dem richterlichen Parkverbot ist montiert. Die Unterlagen für die Verzeigungen liegen vor. Ab sofort kann jeder Kletterer, der das Parkverbot missachtet problemlos und im Wiederholungsfall mit bis zu CHF 500.-- gebüsst werden. Alles ist korrekt und von den notwendigen staatlichen Stellen abgesegnet. Nein, die Besitzer bekommen nichts von dem Geld. Es geht alles in die Staatskasse. Ja, da haben wir alle fürchterlich eines auf den Deckel bekommen und es sieht nicht so aus, als ob die Restaurantbesitzer nicht von ihrem Recht Gebrauch machen werden.

Dass die Kletterer nichts gelernt haben bzw. auch gegenüber den eigenen Leuten arrogant und absolut respektlos vorgehen zeigt folgende ganz kurze Geschichte, passiert letzten Sonntag. Zwei gute Freunde von mir gehen an die Falkenfluh klettern. Wie so viele, wollen sie ihre Projekte bearbeiten. Doch als sie kommen, hängen schon Seile in der Wand. Nicht eines, nicht zwei, nicht drei sondern vier Routen sind einfach besetzt. Weit und breit kein Kletterer, aber die Seile hängen in den Routen. Was macht man da? Ja, staunen und den Kopf schütteln über so viel Anstandslosigkeit und Frechheit!

Schade.

Monday, September 13, 2010

El Capitan - Zenyatta Mondatta


Von Markus

Nein, nein. Ich klettere da nie hoch. Jesses Gott. Habt ihr das gesehen? Überhängend, glatt, keine oder kaum Sicherungspunkte. Expanding Flakes. Huch. Copperheads. 5.7, das geht ja noch irgendwie mit ganz viel Mescalin im Blut. Aber A4? Ich hatte vor fürchterlich vielen Jahren bei A2 derart viel Angst ("Spächteweg" im Wasserschloss), dass ich seither nie mehr technisch klettern gegangen bin. Nein, nein, das ist nichts für mich. Wo die Route ist? Am El Capitan im Yosemite Valley.



Aber ich kenne zwei, die haben diese Route geklettert, Marc und Markus. Die sind da glatt durchgestiegen. Eröffnet 1981 und 16 Seillängen lang. Es soll geschneit haben. Dabei heisst es doch immer: "It never rains in Southern California". Gut, ok. Rain heisst Regen und nicht Schnee und das Yosemite Valley liegt auch nicht in Southern California. Am vergangenen Freitagabend, 10.9.2010, haben Marc und Markus es uns dann gezeigt was es heisst, ein wirklich harter Hund zu sein.

Das Video kann ab sofort auf Youtube angesehen werden. Sehr lohnenswert!

Markus und Marc - allerbesten Dank für diesen wundervollen und einziartig schönen und gemütlichen Freitagabend. Wir alle hoffen, dass es nächstes Jahr eine "Night of the Wall, Part IV" geben wird.

Und ja. Technisch klettern. Das wäre doch was für mich. Muss spannend und voller Adrenalin sein. Vielleicht nicht gerade "Wyoming Sheep Ranch, A4 5.8" zu Beginn. Vielleicht doch eher etwas leichtes im Basler Jura. Etwas ganz leichtes....

Wednesday, August 4, 2010

Bain de Siège - Pelzli - März 2010

von Markus

Erstbegeher: S. Haffner, J.P. Minazzi, 1984

Anlässlich der letzten Top-Rope-Session in der Route am 27. Februar 2010, lernte ich Serge und Jean-Pierre kennen. Wir haben über die Route diskutiert und beide stufen sie als schwere 6c ein. Auch sie hätten sie als sehr schwer empfunden, sagten sie mir mit einem etwas schelmischen Lächeln auf den Lippen.

Mittwoch, 3. März 2010

Es ist 13:30 Uhr. Ich hole Christian an seinem Arbeitsort ab.

Bereits um 14:15 Uhr sind wir im Pelzli an der Grellinger-Wand. Die Sonne versteckt sich bereits erfolgreich hinter den Wolken. Trotzdem sind die Temperaturen ganz ok. Der Fels ist trocken. Auf dem Programm steht heute der Durchstieg der Route „Bain de Siège“. Christian sortiert die Express und in Nullkommanichts hängen diese in der Wand. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich beim Auschecken der Route komplett übersehen habe, mir Gedanken über das Einhängen des Seils zu machen. Das ist der Tribut der Top-Roperei, sage ich mir und mache mir ernsthafte Sorgen. Speziell Bolt Nummer 3 hat es in sich. Die Analyse ergibt, dass der 3. Bolt überstreckt auf Reibung stehend und sich an fast nichts haltend eingehängt werden muss. Gott sei Dank gibt es Christian – er zeigt mir eine wunderbare Lösung für dieses Problems. Wir diskutieren über das Vorgehen und sind uns einig: Markus – so gehts!

Nach einer "Sich-selber-finden-Pause" ziehe ich todesmutig und vollkommen unwissend das Seil ab. Fakten sind geschaffen. Ich binde mich ins Seil und bin „Ready for Take-Off“. 1. Bolt - No problem. Weiter zum 2. Bolt - No problem. 3. Bolt - Big problem. Ich muss sofort meine Griffabfolge ändern, viel zu wackelig ist alles. Ich finde endlich den guten Griff, von dem ich den 3. Bolt klippen kann. Da der Express schon hängt und ich über genügend Spannweite verfüge, kann ich das Seil nach gefühlten 24 Stunden an einem Griff hängend endlich einhängen. Ich werde sehr nervös und klettere zurück auf das Bödeli zwei Meter weiter unten. Ich diskutiere mich Christian und versuche mich zu beruhigen. Das geht mehr schlecht als recht, aber ein klein wenig bekomme ich die Nervosität in den Griff.

Die lange Pause tut gut und das Programm kann neu gestartet werden. Zu meinem Schrecken muss ich feststellen, dass die Kletterschuhe heute nicht gut auf dem Fels halten, alles rutscht. Das bedeutet sofort, dass ich die fehlende Reibung mit erhöhtem Krafteinsatz der Arme kompensieren muss. Irgendwie komme ich beim No-Hand-Rest an. Ich klippe den vierten Bohrhaken und schüttle meine Arme aus. Dann schaue ich nach oben und muss erschreckt feststellen, dass der fünfte Haken gerade so nicht zu klippen ist. Es fehlen mir 10 Zentimeter. Ich überlege hin und her, vorwärts und rückwärts. Irgendwie muss doch das gehen. Und dann geht es auch irgendwie. Zurück auf dem No-Hand-Rest bin ich stolz auf mich, dass ich nicht in den Express gegriffen und somit den Durchstiegsversuch frühzeitig abgebrochen habe.

Es gilt in den nächsten 5 Minuten folgendes Programm: Ausruhen, schütteln, schütteln, schütteln. Die Nervosität ist nicht mehr zu bändigen. Die Arme beginnen ohne Belastung darauf von alleine an zu zittern, die Knie werden langsam weich. Eigentlich, so geht es mir durch den Kopf, bin ich total verrückt an einen Durchstieg zu denken. Ich schaue nach oben und sehe 4 Express in der Luft baumeln. Und dann ist der Satz wieder da: da kommst du sowieso nicht hoch. Nicht mit diesen dicken Armen und mit diesen wackligen Knien. Das geht nie und nimmer. 1000 Gründe weshalb es nicht gehen soll brennen sich in mein Hirn. Aber wenn ich schon mal da bin, dann versuche ich es zumindest. Power on!

Und dann startet das einstudierte Programm automatisch. Die Moves gehen wunderbar, ich spüre die mit unendlich vielen Dauermethode-Session aufgebaute Kraft. Aber ich zitterte am ganzen Körper, das ist sehr beängstigend. Das berühmte Zweifinger-Loch treffe ich nicht auf Anhieb. Einfach weiter sage ich mir, die finale Schlüsselstelle ist bald vorbei. Beim baldigen Shut-Down des gesamten Systems wird mich Christian problemlos halten, jagt es mir immer und immer wieder durch den Kopf. Die beiden Moves über die Schlüsselstelle gehen locker und schon halte ich mich am grossen Griff, da kommt von irgendwoher die finale Krise. Ich schaue nach unten, wo denn der letzte Bolt steckt und realisiere den Abstand. Das hat dann schon was ganz Eindruckvolles. Mit zittrigen Händen klippe ich endlich den Bolt vor meinen Augen und dann geht schon fast gar nichts mehr. Ich bekomme die Füsse nicht mehr von den Tritten, die Armen werden immer dicker. Doch die Route ist noch nicht zu Ende. Ich weiss jedoch, dass die schwierigen Passagen hinter mir liegen. Klappt es doch noch mit einem Durchstieg? Hoffnung keimt auf, Emotionen werden wach, Adrenalin schiesst in die Adern. Von unten dringen hoffnungsvolle „Allez“-Rufe zu mir hoch. Da steht also einer, der an mich glaubt!

Weiter hoch zum grossen Loch links, alles zittert an mir. Diese Passage gelingt mir auf Anhieb sehr gut und ich ahne, dass es durchaus für den Durchstieg reichen könnte. Die Unterarme brennen lichterloh. Selbst die ganz grossen Griffe fordern ihren Tribut. Es brennt der ganze Körper. Die Beine zittern, die Arme zittern, ich keuche nur noch! Ich klippe den letzten Bolt. Der ganze Körper inklusive Bauch- und Rückmuskulatur beginnt zu zittern, die Füsse bleiben nicht mehr auf dem Fels stehen. Ich muss aktiv mit meinem Gewicht auf die Füsse draufstehen, damit das Zittern aufhört, da ich sonst den letzten Zug nicht machen kann. Körperspannung aufbauen, den Schmerz im Körper übersehen, eine letzte Anspannung und hoch zum Ausstiegshenkel. Der rechte Unterarm ist jetzt einfach durch. Ein letzter Move und ich kann das Top klippen. Völlig fertig sitze ich ins Seil und geniesse den Strom der Endorphine in mir. Herrlich! Beim Runterlassen nehme ich die Express mit. Bei den ersten beiden kann ich nicht einmal mehr den Steg öffnen. Ich brauche beide Hände dafür. Unten angekommen explodieren die Unterarme. Das Blut findet wieder den Weg zurück in die Muskeln und verursacht Höllenqualen. Und dann übermannt mich einfach das Gefühl, etwas für mich persönlich ausserordentlich Wichtiges erlebt zu haben.

Die Route wird sicher lange auf dem obersten Podestplatz in meiner ganz persönlichen Rubrik der „Kampfbegehungen“ stehen bleiben. Weder schön noch gut geklettert, aber erfolgreich darin gegen mich gekämpft.

Thursday, June 3, 2010

Dangvadar oder Darth Vader

von Markus

The empire strikes back?... Wenn Darth Vader mit Laserschwert versucht einen Durchstieg zu vereiteln... oder so. Auf jeden Fall so geschehen letzen Samstag im Pelzli, während Markus 'Dangvadar' punkten konnte. Dieser geniale Text von Markus fand sich in meiner mail-box und erheiterte mir den Wochenanfang derart, dass es nicht fair wäre, diesen euch vorzuenthalten.

"...Am Samstag war ich mit Roland und Simon im Pelzli weil ich gespürt habe, dass Simon nicht so ungeheuer motiviert für den Chuenis war. Wir sind also ins Pelzli und was war da? Frisch gewaschener Fels ohne Tick-Marks fast schon jungfräulich. Würden da nicht Bohrhaken in den Felsen stecken, es wäre ein ganz neues Klettergebiet. Nachdem ich am Mittwoch von Petrus und Dangvadar gar nicht erst ins Paradies eingelassen wurde, machte ich mir keine grossen Hoffnungen, die Route im nur halbfeuchten statt pflotschnassen Zustand anzutreffen. Aber was war? Bis auf eine kleine Stelle, die einfach zu umklettern ist, war die Route trocken. Simon hat mir die Express eingehängt und bestätigte: der Fels hat nur eine ganz leichte Tendenz zur Nässe, es sollte gehen.

Ich natürlich hochmotiviert im Top-Rope eingestiegen und erlebte eine weitere schwere Niederlage vom Laserschwert des Darth Vader. Aber ich war natürlich vorbereitet, hatte mir am Mittwoch einen neuen ultraleichten (irgendwie muss ich ja die Kilos runterbringen....) Klettergurt gekauft und neue 5.10 Anasazi Velcro. Beim zweiten Top-Rope Durchgang haben diese neuen Waffen gezeigt, dass Darth Vader zu schlagen sein könnte. Ich konnte ihm zumindest das Laserschwert aus der Hand schlagen, aber seine mentalen Kräfte habe ich unterschätzt. Simon hat "Fondation et L'Empire" geklettert, Roland sich den Frust in "Metzerstrasse" geholt. Der Wind frischte auf, der Fels trocknete den Fels noch etwas mehr ab und dann habe ich einfach Fakten geschaffen und das Seil abgezogen.


Und dann ging das Spiel los. Klettergurt checken, sich einbinden, Chalkbag sortieren. T-Shirt etwas aus dem Gurt ziehen und dann die Mörderschuhe montieren. Die Nervosität steigt ins Unermessliche. Simon gibt grünes Licht und eine weitere Kampfbegehung nimmt ihren Anlauf. Die ersten beiden Bolts gehen ganz locker. Dann realisiere ich den weiten Abstand zum dritten Bolt. Aber was ein richtiger Kämpfer ist und es mit Darth Vader aufnehmen will, den können solche Abstände nicht schockieren. Mit zittrigen Fingern klippe ich ein paar Minuten später Bolt Nummer 3.

Und dann steht er wieder vor mir, leibhaftig, Darth Vader. In der rechten Hand sein Laserschwert. Ich zücke meine Anasazi und verunsichere ihn. Damit hat er nicht gerechnet, dass diese Schuhe auf so abschüssigen Tritten Fuss fassen. Fassungslos muss er einsehen, dass seine Drohgebärde nichts nützt und legt sich sofort einen neuen Schlachtplan zurecht. Ohne zu überlegen aktiviert er sein Laserschwert. Ich kontere ihn aus und klippe den vierten Bolt. Wir stehen uns gegenüber, Darth Vader mit dem Laserschwert und ich mit Anasazi und geklippten vierten Bolt. Wer wird wohl den nächsten Zug machen? Bevor Darth Vader irgendetwas unternehmen kann, klettere ich weiter. Der Schlüsselzug geht ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Darth Vader schaut verdutzt und weiss nicht, wie ihm passiert. Cool lächelnd, mit messerscharfen Anasazis auf kleinem Tritt stehend klippe ich den fünften Bolt.

Damit hat Darth Vader allerdings gerechnet, sein Schlachtplan beginnt nun, er geht in Deckung, ich sehe ihn nicht mehr. Ich fasse den grossen Henkel mit rechts, drehe mich ein und will mit dem linken Fuss auf den letzten Tritt stehen. Auf diesen Augenblick hat Darth Vader gewartet. Er nimmt sein Laserschwert und lässt den Laser vor meinen Augen wirbeln. Er wirbelt so schnell, dass mir schwindlig wird und ich den Tritt nicht richtig treffe. Ich muss korrigieren. Darth Vader schlägt jetzt mit dem Schwert zu, trifft mich auf dem linken Fuss. Grösste mentale Schmerzen "nein, bitte, lass mich nicht von hier einen weiten Abgang von knapp 15 Zentimeter machen" quälen mich. Ich kann den Fuss immer noch nicht auf den Tritt setzen. Alles wird nervös und hektisch. Darth Vader sieht seine Chance gekommen. Immer schneller schlägt er auf mich ein und trifft mich Mal um Mal tief in meiner Seele.

Dann aber schlägt mein Herz mit aller Kraft zurück. Ein einzelner Gedanke lässt Darth Vader für immer verstummen, sein Laserschwert fällt aus seiner Hand. Mit einem mutigen Tritt auf "irgendwas" gelingt es mir den Körper zu stabilisieren und weiterzugreifen. Ein letzter Zug und ich sehe Darth Vader in den Tunnel der Enttäuschung stürzen. Er hat definitiv verloren, ich habe gewonnen. Ein Kampf über viele Monate mit allen Tücken dieser Welt ging am Samstagnachmittag mit mir als Sieger zu Ende.

So oder ähnlich ist es abgelaufen..."

Monday, April 5, 2010

RedRiverGorge Oktober 09

von Alex

Sooo, jetzt sitze ich hier in Thailand mit einer Erkaeltung, kletterunfaehig, am Strand und schreibe meine Erlebnisse zum Klettern in der RRG nieder.
USA>Kentucky>Louisville>Slade>RRG.
Aehnlich dem noerdlichen Frankenjura, kleinere tief im Wald versteckte, Felsmassive aus unterschiedlichem Sandstein geformt. Man befindet sich hier in der absoluten Pampa, die "Stadt" Slade besteht gerademal aus zwei Tankstellen und einem Subway.
Schon auf der Hinfahrt durch Kentucky begegnem einem nur mega adipoese, zombieaehnlich aussehende, degenerierte Gestalten in riesigen V8 Trucks.
Nach laengerer Autofahrt mache ich einen Stop im McDonalds. Der Laden voll mit den Dicken, die sich geistesabwesend Pommes und Burger reinstopfen waehrend ihnen das Ketchup und die Mayo zwischen den Fingern durchlaeuft. Beim Betreten des Ladens komme ich mir komisch vor, als waere ich auf einem anderen Planeten gelandet. In meinem Kopf macht sich die Frage breit mit welchem Trick Mutternatur hier die Fortpflanzung dieser Wesen ermoeglicht.
Auf dem Zeltplatz bei Miguels Pizza angekommen wird mir eins schnell klar, Klettern in der RRG ist vorallem eins : Lifestyle, gesehen werden, dazugehoeren, schwaetzen. Uebernachten duerfen hier nur Kletterer. Jeder hat ein Laptop dabei, ueberall ist WLAN Empfang, man hat das Gefuehl man ist auf einer LAN Party. Der Zeltplatz an sich erfuellt seinen Zweck, mehr aber auch nicht !

Die Kletterei faehrt dafuer super ein. Sehr geiler Sandstein, super abwechslungsreich. Massiv steile Gebiete, technische Wandklettereien, Henkelgepulle, Leisten, Loecher, Sloper, viele TradRiss Gebiete.
Die Absicherung sehr oft mit alten, verrosteten Plaettchen. Haufig komme ich zu dem Entschluss gewisse Routen erst garnicht zu probieren. Allgemein kann man zur Kletterei sagen :"nicht ausdauernde ausdauer Kletterei :-)".
Viele Routen sind kaum laenger als 20 Meter. Jedoch kaum Griffe die man son bissel passiv halten kann. Die meisten "Pockets" muss man doch sehr aktiv halten, die Arme werden schnell dick.
So ergeht es mir oft so dass ich auf der Hoehe der Umlenkung nicht mehr in der Lage bin diese zu klippen, oder mich sonst irgendwie noch zu bewegen.

Im Laufe der Zeit wird es immer schwieriger fuer mich das Essen hier zu ertragen, und die Ruhetage irgendwie rumzubringen. Eine Variante dies zu tun ist ins ca. eine Stunde entfernte Winchester zu fahren und den Tag im Kino zu verbringen.
An einem dieser Tage fuhren wir zu fuenft in meinem nigelnagelneuem Mietwagen im Regen vom Kino zurueck. Beim Stoppen an einer dieser riesigen, unuebersichtlichen amerikanischen Kreuzungen schaue ich in den Rueckspiegel und sehe nur gelb, ehe ein Knall und Ruck uns ein Stueck in die Kreuzung schiebt. Mit Kopfweh steigen wir benommen aus und sehen das einer dieser riesigen gelben Schulbusse ungebremst in unser Heck gedonnert ist. Das schoene Auto ist nen Meter kuerzer und ziemlich Schrott. Nach einigem Trara mit dem Sheriff wurde mir gesagt ich koenne am Airport in Lexington mein neues Auto abholen. Dort angekommen empfaengt mich eine aeusserts freundliche Dame und gibt mir die neuen Autoschluessel. Keine einzige Frage, nichts ! Niemand wollte wissen was, wieso, weshalb und wie passiert ist. Niemand wollte das kaputte Auto begutachten. Das Gute an der Geschichte war, wieder volle Tanks, und noch mehr PS als eh schon.

Ach ja, : der typische Bewohner Kentuckys ist bewaffnet, z.t auch die Kletterer. Frage an einen Kletterer neben mir :"for what do u need a gun "? Ich schaue in ein entsetztes Gesicht. "for what"????, "for Protection !!!! ".

Gruss Alex

Saturday, January 30, 2010

diese Abhängigkeiten...

von Adi

Was machen leidenschaftliche Kletterer, wenn Sie unfreiwillig oder gewollt damit aufhören?

Ich schreibe bewusst "leidenschaftliche Kletterer", da heutzutage ja jeder mal in der Halle war und sich Kletterer nennen kann. Was ist ein "leidenschaftlicher Kletterer"? Diesen zu definieren ist nicht einfach. Es gibt ein paar objektive Kriterien, welche ich mich aufzuführen getraue:
Der "leidenschaftliche Kletterer" sucht wenn immer möglich den Weg zum Fels. Er hat immer mindestens ein Projekt oder weiss genau, wo noch eins auf ihn wartet. Er ist beim Klettern glücklich. Auch dann, wenn die Fitness schon besser war. Er freut sich wie ein kleines Kind vor Weihnachten auf den nächsten Tag am Fels.

Wenn also solch ein Kletterer dieses grosse Glück aufgeben muss oder aus nur schwer verständlichen Gründen freiwillig davon absieht, dann, ja was ist dann? Was macht er dann? Wie lebt er dann? Kompensiert er dieses Glück durch was anderes oder kann er gut ein relativ leidenschaftsloses Leben führen? Schafft er es, sich freier zu fühlen, weil eine Abhängigkeit weniger besteht? Ist er ausgeglichener?

Ich persönlich kann nur von mir bezeugen, dass es sehr schwierig ist. Dass ich fast nicht loslassen kann. Ich weiss nicht, wie man im Wissen um dieses Glück und diesen kurzen Momenten der Freiheit zufrieden sein kann. Ich kompensiere. Suche ähnliche Gefühle. Bin getrieben von einem Drang nach Auflösung und Rausch. Wie am Fels, 25m über dem Boden, von Untergriff zur Zange schnappend. Höchst konzentriert auf die Bewegung. Dieser rausch-artige Zustand ist einzigartig. Ich sehne mich danach! So unfrei ich auch bin mit dieser Sucht, immerhin macht sie den Körper nicht kaputt. Das Soziale Umfeld... ja das ist ein anderes Thema...

Mich würde interressieren, wie andere "leidenschaftliche Kletterer" diese meine erste Frage beantworten würden, bzw. ob jemand ohne Kompensation von dieser Abhängigkeit losgekommen ist!

Monday, January 25, 2010

Klettern in Indien

von Franz

Hallo. Schaut euch das doch einmal an. Was Klettern alles sein kann - würde man kaum für möglich halten. Viele Grüsse, Franz