Monday, September 16, 2013

Frankenjura: Ein Jura-Saurier auf Abwegen - Freitag

von Markus

Freitag, 13.9.2013

Neuigkeiten zum Wetter? Ja, da war was. Aber was war genau? Nun, die Regenwolken haben sich gleichmässig über das Land gelegt und ein stundenlanger Landregen hat schon lange in der Nacht eingesetzt. Somit kann ich bestätigen, dass an den insgesamt 13 Tagen, an denen ich in meinem Leben im Frankenjura war, an 11 Tagen das Land gut begossen wurde. Nun denn, die Natur braucht das Wasser, wir alle brauchen das Wasser.

Nichtsdestotrotz konnten Jürgen und ich an insgesamt 7 Tagen klettern gehen. Jürgen fand immer eine Wand, die selbst bei diesen unwirtlichen Bedingungen trocken war und wir unserem Sport frönen konnten. Schwierig war einzig, die richtige Kombination von schweren und leichten Routen zu finden. Ich bringe halt nicht mehr als eine 6a+ am Tag wenn mir die Route liegt. Das ist halt so und gilt es zu akzeptieren.

Diese Route liegt nicht mehr in einem Tag drin - Action directe
Wir wollen klettern gehen, auch heute am Freitag dem Dreizehnten. Wir fahren nochmals an die Wolkensteiner Wand, da wir wissen, dass diese Wand absolut regensicher ist. Schon nach wenigen Minuten hängt Jürgen das Seil in sein Projekt und die einzigen, die wirklich richtige Freude ausstrahlen sind die Schwalben, die Jürgen in luftiger Höhe umkreisen. Vom Boden aus sehe ich Jürgen kaum, eine Dampfwolke hat sich elegant an die Wand geschlichen.

Ich bin übermütig und gehe onsight in die Route "Schupps mich, 6". Einen 6er sollte ich doch nun endlich nach soviel Training klettern können. Aber bei der einen etwas schwereren Stelle in der Route streikt alles in mir. Das Hirn ist ein einziger Betonblock, der Körper zittert vor lauter Überlastung. Es gibt für mich nur eine Entscheidung: so schnell wie möglich wieder nach unten, alles zusammenpacken und einfach nicht mehr klettern. Heute geht definitiv nichts mehr. Die Minuten und Stunden vergehen und ich erhole mich ganz langsam. Das Seil hängt noch in der Route und so lasse ich mich auf das Experiment eines Top-Rope Durchganges zu Trainingszwecken ein. Ich klettere ohne nennenswerte Schwierigkeiten hoch, die Kraft ist da und auch das Hirn funktioniert. Bei meiner letzten Umkehrstelle angekommen, schaue ich mir die Sache genauer an und stelle verdutzt fest, dass ich ja nur einen einzigen nicht mal schweren Zug hätte machen müssen. Oh je, da habe ich mir nun aber ein schönes Geschenk gemacht, so denke ich mir. Ein Zug mehr und ich hätte eine tolle Route onsight geklettert gehabt. So muss ich nun aber nochmals ganz von vorne und von unten beginnen. Als ich wieder auf dem Boden stehe merke ich aber, dass Flasche schon gewaltig leer ist. Sofort tritt Plan B mit einer langen, langen Pause in Kraft. Jürgen klettert eine Route nach der andern und ich hoffe einfach, dass mich noch kosmische Energiestrahlen treffen würden, damit ich wieder zu Kräften komme. Die Hoffnung stirbt zuletzt heisst es ja, aber auch die Hoffnung stirbt. Die kosmischen Energiestrahlen treffen nicht ein und so bleibt mir nichts anderes übrig, als meine allerletzten Reserven zu mobilisieren. Oh je, das wird ein Kampf geben. Das übliche Prozedere geht los und ich bin zu müde um noch nervös zu werden. Das sind gute Voraussetzungen, denn so komme ich richtig gut über die schwierigste Stelle der Route gleich zu Beginn. Völlig verdutzt über die Leichtigkeit des Moves und des Vorhandenseins von Kraft mache ich mich auf den Weg zum Umlenker. Alles passt perfekt, alles ist gut und so stehe ich wenig später sturzfrei beim Umlenker.

Gebiet: Wolkensteiner Wand

Schupps mich, 6 / rotpunkt
 
Wir sind jetzt beide etwas angezählt. Ich fühle mich wie ein Boxer in der achten Ründe, schon zweimal angezählt, nahe am KO. Doch es ist noch früher Nachmittag und so entschliessen wir uns noch zu einem Gang an den Weissenstein. Jürgen klettert einmal mehr Route um Route und auch ich komme in den Genuss von zwei traumhaft schönen und kurzen Routen. Beide schaffe ich im Flash. Die letztere von beiden ist eine der schönsten Routen, die ich je in diesem Schwierigkeitsgrad geklettert habe. Typisch Frankenjura stecken auch nur 2 Bühlerhaken in der Route. Bin ich froh, dass Jürgen eine Verlängerung eingebaut hat, sonst hätte ich wirklich passen müssen. Ein Sturz oberhalb des zweiten Hakens hätte wohl mein persönliches Grounding bedeutet. So aber konnte ich diese Route klettern und anschliessend zusammen packen. Nichts geht mehr. Flasche ist leer, komplett. Aber das war auch der Sinn dieser Kletterwoche.

Gebiet: Weissenstein

Muffengang, -6, Flash
Don't worry be happy, -6, Flash

Zusammen mit Jürgen habe ich einen traumhaft schönen Kletterurlaub erleben und in so kurzer Zeit noch nie so viele schöne Routen klettern dürfen. An dieser Stelle möchte ich den Terminator zitieren: I'll be back

Meinen herzlichsten und aufrichtigsten Dank geht an Jürgen, der mich mit einer nie gekannten Präzision durch diesen wunderschönen Kletterurlaub geführt hat und mir eines der besten Klettergebiete (der Welt?) gezeigt hat. Es ist unbeschreiblich toll, einen solch motivierten und engagierten Kletterer kennen zu dürfen. Jürgen, herzlichen Dank für alles!

Jürgen
Und hoffentlich dauert es nicht nochmals 20 Jahre, bis ich in den Frankenjura klettern gehe. Dann wäre ich schon über 70 Jahre alt und in dem hohen Alter verreisen Jura-Saurier höchst ungern...

Frankenjura: Ein Jura-Saurier auf Abwegen - Donnerstag

von Markus

Donnerstag, 12.9.2013

In der Nacht auf Donnerstag wache ich immer und immer wieder auf. Es weckt mich der niederprasselnde Regen. Hört denn das wirklich nicht mehr auf, so frage ich mich. Nun denn, es ist halt so, am Wetter können wir Menschen Gott sei Dank noch nicht viel ändern. Auf der anderen Seite - wir Menschen haben ja vielleicht schon viel daran geändert. Aber das ist ein anderes Thema.

Nach über neun Stunden Schlaf weckt mich heute Morgen erneut der Regen. Nun denn, ist halt so. Rasch unter die Dusche und ab an den Frühstückstisch. Jürgen hat seinen berühmten Büffel-Weck-Kaffee gebraut, der mich in die Gänge kommen lässt. Und was sehe ich denn da? Blauer Himmel? Sonne? Ist das ein Hirngespinst? Nein, es ist wahr. Wird heute endlich gutes Wetter zum Klettern sein? Jürgen trifft präzis wie das Uhrwerk einer mehreren zehntausend Franken teuren schweizer Edeluhr den Entscheid: Wolkensteiner Wand. Er meint, ich solle den "Oberförster Pudlich" klettern. Nun ja, ich kann mir darunter überhaupt nichts vorstellen, aber eine gute Tour in bestem Fels ist ja nie zu verachten. Bisher waren Jürgens Empfehlungen immer fantastische Touren in bestem Fels und so wird es wohl auch dieses Mal sein. Wir fahren an die Wolkensteiner Wand und einmal mehr klappt mir der Kiefer einfach runter. Eine fantastische, irrwitzige hohe Wand begrüsst uns. Jürgen hängt mir meine Express in die "Oberförster Pudlich". Einmal mehr merke ich einfach nicht, wo es in der Route denn schwer ist. Nach gefühlten 30 Sekunden steht Jürgen wieder neben mir mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Er meint, das sei eine schöne Aufgabe für mich. Ich bin natürlich gespannt und bereite mich für den ersten Top-Rope Durchgang vor. Die ersten Meter gehen gut, die weiteren auch, ich realisiere langsam, dass diese Route wirklich richtig super ist. An der Schlüsselstelle überfällt mich die blanke Angst und schon ist der Traum des Durchstieges ausgeträumt. Ich bekomme die vermaledeite Griff-/Trittkombination einfach nicht hin. Wie hat das Jürgen einfach nur so locker flockig gelöst? Ich verzweifle, mein Hirn verkrampft sich total. Ein Desaster kündigt sich an. Jürgen klettert nun in seinem Projekt "Wolkenschloss", eine ästhetisch kaum zu überbietende aber unheimlich schwere Route. Ich sichere ihn geduldig und mache mir Gedanken darüber, wie ich denn die Express wieder aus der Route bekomme. Nun gut, da das Seil von oben kommt, steige ich nochmals ein, nicht aber ohne ein neues paar meiner brettharten Kletterschuhe anzuziehen. Bis zur Schlüsselstelle geht alles gut, es ist ja auch nicht schwer. Doch dann kommt wieder diese verflixte Stelle. Irgendwie muss es doch gehen, sage ich zu mir. Irgendwie! Ich probiere dies, ich probiere das, nichts hilft. Dann greife ich eher lustlos ein weiteres Mal an diesen runden Griff und plötzlich realisiere ich, dass da ganz versteckt eine zusätzliche Mulde zu greifen ist. Sofort realisiere ich, dass ich mit dem Daumen diesen Griff voll auf Zange nehmen kann. Das ist die Lösung, die Angst ist weg, der Durchstieg wird gelingen.
 
Die ersten Meter im "Oberförster Pudlich
Wieder auf dem Boden bei Jürgen bin ich überglücklich, die für mich richtige Lösung gefunden zu haben und freue mich nach einer guten Pause den Durchstieg angehen zu können. Ich sichere Jürgen in seiner Tour und dann passiert es. Freunde treffen ein, nicht zu überhörende und übersehende Freunde. Aus dem ruhigen und beschaulichen Plätzchen wird innert Sekunden eine lärmige Innenstadt-Strasse. Und, wie es denn offenbar heutzutage üblich ist, wird einfach ohne zu fragen oder dergleichen überhaupt Anstalten zu treffen locker flockig durch "meine" von mir für mich präparierte Route geklettert. Die Freunde haben richtig Freude an meinen Express. Sie sind ja auch wirklich schöne Exemplare, wirklich! Solche kennen die in Spanien halt nicht! Als wenn das nicht schon einfach respektlos genug gewesen wäre, kommen weitere Freunde an den Fels und das gleiche Spiel geht von vorne los. Da wird einfach ohne zu fragen in meiner Route geklettert, mein Material verwendet. Ich würde ja nichts sagen bzw. schreiben, wenn das Leute gewesen wären, die ja nach der Meinung der Alten sowieso zu nichts taugen und nur frech sind. Nein, es waren Freunde im fortgeschrittenen Erwachsenenalter, also genau diejenige Generation, die doch immer auf den Jungen rumhauen. Erschreckend, schlimm! Es ist genau die Art von Leuten, die morgens ab 05:30 Uhr das Badetuch auf ihren Liegestuhl am Swimming-Pool legen. Oder - es kann natürlich sein, dass diese Freunde aus meiner Sicht gesehen vielleicht eben genau zu den nichts taugenden Jungen zu zählen sind. Aber das kann fast nicht sein, denn die hatten alle Falten im Gesicht, so wie ich. Aber meine Falten sind Lachfalten, garantiert! Höchstwahrscheinlich gehören diese Menschen, so habe ich sie auf jeden Fall wahrgenommen, zu der humorlosen Unterart des Homo sapiens und gehen wohl zum Lachen in den Keller. Apropos alt und jung. Wir trafen immer wieder junge Kletterer in den Gebieten an und hatten kein einziges Mal etwas ähnliches zu erleben wie mit dieser Gruppe Humorlos! Ich stelle mir dann immer vor, dass ich mit solchen Leuten in einer Berghütte, z. B. der Engelhornhütte übernachten muss. Dagegen ist wohl Guantanamo auf Kuba ein stilles und erholsames Plätzchen...

Nun gut - siebenmal ein Om mani padme hum für mich ganz alleine und schon war der Ärger verflogen. Statt nach einer geplanten 45 Minuten Pause bis zum Go musste ich so halt 2 Stunden warten. Gegenüber Jürgen würde ich also nie die Ausrede haben können, dass ich zu wenig Erholung gehabt hätte. So stand ich nun gewaltig unter Erfolgsdruck. Ich binde mich ins Seil ein, Schuhe anziehen, Nerven beruhigen, die Finger chalken und auf geht's in die Tour. Die ersten Meter gehen gut, ich fühle mich nun ruhig und wirklich stark. Ich klettere weiter, ohne dass mich die weiten Hakenabstände verunsichern würden. So stehe ich nach kurzer Zeit vor der Schlüsselstelle, als der Himmel einmal mehr an diesem Tag seine Schleusen öffnet. Ich klippe die Express und mache mich nun auf den Weg an die Schlüsselstelle. Ich muss zweimal nachgreifen, bis ich den Schlüsselgriff richtig in der Hand habe. Dann spult sich das einstudierte Programm ab und schon bin ich über der Stelle und weiss, dass jetzt nichts mehr schiefgehen kann. Der Runout zum Umlenker ist dann auch keiner mehr und - YES!!! - ich habe den "Oberförster Pudlich" geklettert. Rasch baue ich die Route ab, verstaue das Material im Rucksack und dann suchen wir eiligen Schrittes das Weite. Einfach ganz schnell weg von hier!

Anschliessend besuchen wir den Kletterladen Rockstore in Betzenheim. Viele interessante Dinge sehe ich dort und Jürgen und ich wechseln viel Geld gegen Gegenstände ein. In Obertrubbach angekommen, besuchen wir das Grab von Wolfgang Güllich. Es ist ein sehr schwieriger Moment für mich.

Die letzte Ruhestätte von Wolfgang Güllich in Obertrubbach
Das "Postgeheimnis" in der Beiz "zur Alten Post" rundet einen weiteren Super-Tag im Frankenjura ab. Wir haben es einfach aufgegessen! Herrlich, so lässt es sich leben!


Gebiet: Wolkensteiner Wand

Route: Oberförster Pudlich, -7 / rotpunkt

Frankenjura: Ein Jura-Saurier auf Abwegen - Mittwoch

von Markus

Mittwoch, 11.9.2013

Nachdem es gestern in Strömen geregnet hat, muss sich der Himmel was einfallen lassen. Und tatsächlich. Was ich nicht gewagt habe zu hoffen, trifft ein. Der Himmel öffnet nun definitiv die letzten Schleusen und bestätigt somit mein Wissen über das Wetter im Frankenjura. Nein, das macht nun wirklich keinen Spass, bei solchen Konditionen klettern zu gehen. Aber was ein Jura-Saurier und ein richtiger Jürgen ist, den vertreiben ein paar dunkelschwarze Regenwolken sicher nicht vom Fels. Es gibt bei solchen Bedingungen nur ein Gebiet: Weissenstein. Dort angekommen sehe ich sie nun leibhaftig vor mir: die epochemachende Route "Dampfhammer, 8", "Entsafter, 8", die "Wilde 13" und "Panische Zeiten". Beim Anblick von Dampfhammer wird mir ganz schwindlig von der Vorstellung, dass diese Route von Kurt Albert solo geklettert wurde. Oh Mann, Kurt muss nicht nur stark an Muskeln gewesen sein, sondern auch ganz stark im Hirn. 

Epochemachende Kletterrouten am Weissenstein


Mit soviel Kurt Albert und Wolfgang Güllich im Hirn ist meine gestrige Müdigkeit schon fast weg und es gelingen mir 4 wunderschöne Routen am Weissenstein bei strömendem Regen.

Gebiet: Weissenstein

1. Mon Marie, 6 / Flash
2. R9, 6+ / rotpunkt
3. Eieruhr, 6+ / rotpunkt
4. Buchenleiter, 6 / onsight

Anschliessend geht ein noch geheimerer Wunsch in Erfüllung. Jürgen und ich fahren an den Waldkopf und nach wenigen Minuten stehe ich unter dem Masterpiece der Klettergeschichte: "Action directe, 9a/11". Kein Bild zeigt nur annähernd, wie steil die Route ist und wie klein die Griffe. Dank Videomaterial und meinem Feldstecher finde ich die wenigen Griffe der Route. SAGENHAFT! Für mich ist es nicht erklärbar, wie ein Mensch diese Route klettern kann. Aber es müssen schon mehr als 20 gewesen sein, gemäss Marta... (gemäss Wikipedia sind es erst 16). Hier der Link zum Eintrag.

45 Grad steil - Action directe

Auf dem Bild ist im Vordergrund das andere Güllich-Highlight "Slimline, 10-" aus dem Jahre 1991 zu sehen. 

Ein paar Minuten später sehe ich weitere Highlights des Frankenjura. "Chasin' the Train", "Ira Technokratie", "Hitch-Hike the Plane" und das andere Meisterstück "Wallstreet".

Und für Donnerstag ist nun ganz, ganz schlechtes Wetter angesagt!

Saturday, September 14, 2013

Frankenjura: Ein Jura-Saurier auf Abwegen - Montag & Dienstag

von Markus

Montag, 9.9.2013

Die Wettervorhersage für heute ist nicht schlecht, aber auch nicht gut. Wir gehen deshalb nochmals zum Roter Fels. Jürgen klettert sein Projekt problemlos durch und ich habe ein erstes Hightlight!

Gebiet: Roter Fels 3

1. Harter Hund, 7- / rotpunkt / ein Traum von einer Kletterei. My Style. Immer gute Löcher und immer gute Tritte. Herrlich!

Gebiet: Ruine Leienfels

1. m & m, 6 / Flash / Da war ich schon etwas müde und beide mussten wir Angst haben, ob es denn auch über die Schlüsselstelle reicht. Es hat gereicht. Herrliche Tour in bestem Fels.

Traumhafte Kletterei an bestem Fels - der Jura-Saurier kurz nach Schlüsselstelle

Der obere Teil von m & m - Genialer Lochfels
Somit wären wir am Tag 3 angelangt. Nach bestätigter Trainingslehre ist es sehr ratsam, nun einen Ruhetag einzulegen, damit Geist und Körper wieder besser harmonieren und sich alles erholen kann. Aber wir sind ja in der Fränkischen zum Klettern und nicht um Pause zu machen. Das Wetter, Regen ohne Ende, lässt nun jetzt auch nicht die Freude aufkommen, irgendwohin zu fahren und etwas von der Gegend kennen zu lernen. Nasse Felder und Wälder kann ich auch im Basler Jura zu Genüge anschauen. Das ist auch der Grund, weshalb ich kaum Bildmaterial habe. Regen, Regen, Regen. Wir wechseln über den Ruhetag nicht eine Silbe, denn es wird keinen geben.


Dienstag, 10.9.2013

Es regnet in Strömen. Aber die Fränkische bietet auch bei diesen Konditionen noch Felsen zum Klettern. Wir gehen an die Schlossbergwand.

1. Action Perfekt, 6 / rotpunkt / Wieder eine tolle Tour in bestem Fels. Aber ich bin total müde, nichts geht mehr. Offensichtlich bestraft mich jetzt das Nichteinhalten der Trainingsregeln. Aber was ein Jura-Saurier ist, der gibt nicht so schnell auf. Eine lange, lange Pause wird's schon richten.
2. Kleiner König Kallewirsch, 5 / onsight
3. Ernesto Kanibalo, 5- / onsight
4. Ernesto direkt, 5+ / onsight

Anschliessend gab es einmal mehr ein wunderbares Abendessen! Herrlich!

Wir sind relativ früh zurück bei Oma Eichler. Von Martha, die seit 2006 die Pension führt, erfahren wir ein paar heisse Stories über all die Spitzenkletterer, welche auch schon hier übernachteten. Anschliessend verbrachte ich Stunde um Stunde mit Lesen des Gästebuches, von Kurt Albert's Buch Fight Gravity und das letzte Buch über Wolfgang Güllich. Die Zeit verging im Fluge. Mir wird bewusst, dass wir in einem Ort unterwegs sind, an dem Klettergeschichte geschrieben wurde!

Jürgen hat noch ein Bild von meiner Lesetätigkeit geschossen, so quasi als Bestätigung, dass ich lesen kann. Also - zumindest sieht es so aus. Sobald ich es habe, wird es hier angepeppt werden! And here it is. Besten Dank, Jürgen


Das Gästebuch mit Einträgen der Topshots der Kletterszene

Frankenjura: Ein Jura-Saurier auf Abwegen - Sonntag

von Markus

Sonntag, 8.9.2013

Laut Wettervorhersage soll der Sonntag der letzte schöne Tag der Kletterwoche sein. Das lässt ja nicht gerade viel Freude aufkommen. Da warte ich Jahrzehnte bis es in den Frankenjura geht und dann soll das Wetter nicht mitspielen? Anyway. Das Wetter ist doch egal, Hauptsache wir können klettern. Das Ziel für heute lauter: Roter Fels

Jürgen hängt für mich eine phänomenale Tour ein, die "Schaumschläger, 7-". Ich möchte die Route in diesem Schwierigkeitsgrad gerne im Vorstieg klettern, aber ich brauche unbedingt noch 1 vielleicht 2 Durchgänge im Top-Rope, damit ich mich sicher fühle. Aber es ist Sonntag und das Gebiet heiss begehrt und die Route wird noch heisser geliebt. So bleibt mir leider nichts anderes übrig, als nach meinem ersten Durchgang die Route wieder abzubauen und sie freizugeben. Schade, aber das sind die negativen Seiten der trainingslosen Zeit. Die Kraft für die Tour wäre da, aber die Overall-Performance nicht und auch noch nicht die exakten Bewegungen. Jürgen checkt einen Megaklassiker aus, ein 40 Meter-Teil. Das ist eine sensationelle Felsfahrt, die er sich da antut. Und - meine Express hängen endlich mal in einer richtig schweren Route. 

Gebiet: Roter Fels 3 

1. Softmover, 5 / onsight
2. Dolomitweg, 6 / onsight / Geschwitzt wie noch selten. Gekämpft wie ein ganz Grosser. Es hat sich sehr, sehr gelohnt. Leichte Verzweiflung kam nur ganz zum Schluss auf, als ich den guten Griff für die linke Hand nicht auf Anhieb fand. Also nochmals 3 Meter retour zu sehr gutem Rastpunkt kletternn und ganz viel Mut sammeln, denn so ein luftiger Quergang 30 Meter über dem Boden, das ist dann nicht einfach Nichts...
 

Nach dem erfolgreichen Durchstieg war ich mental und vor allem kräftemässig gut gebraucht. Es trafen auch immer mehr Kletterer ein und das Gebiet war zum Bersten voll. So wechselten wir in das Gebiet "Hartensteiner Wand". Jürgen hängt für mich die Express in die Route "Die 101jährige", welche mit 6 bewertet wird. Die Schlüsselstelle kann ich kaum entschlüsseln, so müde bin ich, allerdings kann ich problemlos den Ausstiegsüberhang klettern. Das macht unheimlich viel Laune, so schöne und grosse Griffe und Tritte in leicht geneigtem Fels anzutreffen. Mein zweiter Top-Rope-Durchgang geht richtig gut, aber ich bin viel zu müde, um heute noch die Route im Vorstieg klettern zu können. Somit habe ich jetzt in der "Hartensteiner Wand" einen Sack rumhängen.

Frankenjura: Ein Jura-Saurier auf Abwegen - Samstag

von Markus

Samstag, 7.9.2013 

Wir treffen uns um 07:45. Das Auto ist gepackt, der Benzintank randvoll, das Ziel ist klar, die Wettervorhersage etwas vage. Das erste Mal seit mehr als 4 Jahren gehe ich für eine Woche klettern. Ich freue mich sehr, endlich wieder meinem geliebten Hobby zu frönen. Ok, die Voraussetzungen könnten durchaus besser sein. Seit mehr als 3 Jahren kein regelmässiges Training mehr, letztes Jahr eine neue Arbeitsstelle in Bern angetreten und deshalb abends kaum mehr Zeit ins B2 zu gehen, dieses Jahr Umzug von Pratteln nach Oberwil. Und älter werde ich auch und ich merke das unweigerlich an den deutlich längeren Erholungspausen. Aber, so ist es nun mal, ich kann die Zeit auch nicht aufhalten. Es passt alles bestens zusammen. Ach ja, das Ziel, wohin soll es denn gehen? Das Ziel heisst: Frankenjura

Der Frankenjura
Damit geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. 1988 oder 1989 war ich das letzte Mal in der Gegend, allerdings war der Grund dafür nicht so wirklich toll. Während meine Frau im Spital in Erlangen lag, suchte ich die berühmten Stellen der Klettergeschichte. So entdeckte ich eher zufällig zwischen riesigen Bäumen und hinter Büschen versteckt den Richard Wagner-Fels und damit "Fight Gravity, 8+" und "Amadeus Schwarzenegger, 10-". Allerdings konnte ich die Routen nicht richtig einordnen, denn ich begann bekannterweise erst rund 10 Jahre später wieder mit dem Klettern. Für mich waren dies einfach DIE Routen, die ein Kletterer einmal gesehen haben muss. Das Eldorado entdeckte ich auch noch und damit "Stonelove" von Jerry Moffat. So fuhr ich in der Fränkischen Schweiz bei Dauerregen hin und her, fand keine für mich kletterbaren Felsen und es blieb nur ein Wunsch übrig, vielleicht einmal noch in dieser Gegend Klettern gehen zu können.

Gut Ding will bekanntlich Weile haben und es dauerte bis in den September 2013 bis ich zusammen mit Jürgen den Trip in die Fränkische antreten konnte. So, genug der Historie, jetzt geht's mit Lichtgeschwindigkeit in die aktuelle Zeit. 

Das Navi zeigt rund 500 Kilometer bis nach Untertrubbach. Wir werden bei Oma Eichler untergebracht sein. Die 258 Pferdchen freuen sich auf die Reise und geben alles. Bereits nach rund 4 1/2 Stunden sind wir auf dem Campingplatz. Rasch wird das Zelt aufgestellt und nach gefühlten 2 Minuten später sind wir auf dem Weg zu unserem ersten Kletterziel. Jürgen hat alles minutiös studiert und so kann es für heute nur 1 Ziel geben: die Soranger Wand. 

Auf Anhieb finden den wir den richtigen Weg dank moderner Technologie. Alles passt perfekt. Etwas erschrocken stellen wir fest, dass doch sehr viele andere Leute das gleiche Klettergebiet ausgesucht haben. Aber auch das ist halt heute so. Es verändert sich alles und Klettern ist in der Zwischenzeit zu einem Breitensport geworden. 

Bergkameraden aus Stuttgart sorgen dann auch für die entsprechende Lärmkulisse am Fels. Während Jürgen und ich fast schon wortlos unsere Routen klettern, wird auf schwäbisch ganz klar der Grund angegeben, weshalb man eine 8 nicht klettern kann. Nein, nicht dass die falsche Meinung aufkommt, ich könne 8 klettern, aber der für mich hochinteressante Satz ging ganz einfach. Er lautete: "Ich muss halt 83 Kilo halten". Ich wäre froh, ich müsste nur 83 Kilo halten. So aber realisierte ich einmal mehr, dass es immer eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge gibt. Wir kletterten wir die ganz Grossen.  

Gebiet: Soranger Wand 

1. Domino, 5- / onsight
2. Tatzel, 4+ / onsight
3. Divieto, 6- / onsight / Grosse Griffe, genauso wie ich es mag. Die Hakenabstände sind etwas gewöhnngsbedürftig. Aber das wird sich sicher legen....
4. Aus die Maus, 6+ / rotpunkt / nachdem sich die Stuttgarter vom Acker gemacht hatten, war es wunderbar ruhig und die Konzentration war wieder da! Supertour in super Fels. Selbst die Hakenabstände sind kein Thema mehr!

Noch ein kurzes Wort zum Wetter. Die Wettervorhersage verschlechterte sich von Tag zu Tag. Statt phänomenales Herbstwetter soll uns das übliche Herbst Grau-in-Grau begleiten. Einzig der Wetterdienst der US-Navi meldete schönes Wetter. Ich weiss jetzt, dass die US-Navi eben auch nicht alles weiss und auch nicht immer recht halt.