Monday, July 31, 2017

Frühsommer 2017

Und die pure Freude am Klettern geht einfach weiter. Ein Erlebnis jagt das nächste. Das ist auch der Grund, weshalb ich lange keine Posts mehr erstellen konnte. Zu schnell reihte und reiht sich ein schöner Tag am Fels aneinander. Doch heute habe ich nun etwas Zeit gefunden...
 
Meine Bibel heisst in der Zwischenzeit "Falaises du Jura - Histoire de l'escalade" von Claude und Yves Rémy. Das ist ein wunderbar sorgfältig gemachtes Buch über die Geschichte des Kletterns im Jura. Dumm nur, dass es in französischer Sprache verfasst ist. So tue ich mich schon manchmal sehr schwer zu verstehen, was denn der Text bedeutet. Offenbar hat es in der Vergangenheit doch mehr französische Sprache aus meinem Hirn gelöscht, als was ich wollte.

Jura: La Sensationnelle, dite aussi la Sensass, Rochers du Midi

Beschreibung von der "Sensass" en français
Massgeblich an der Erstbesteigung der "Sensass" war einmal mehr der legendäre Hugo Weber beteiligt. In meiner Bibel steht die ganze faszinierende Geschichte dazu. Deshalb war es für mich schon ein ganz spezielles Erlebnis, als Richi zur "Sensass" aufrief.

Der Wetterbericht verhiess gutes Wetter, es könne jedoch auch noch etwas Regen geben. Alte Kämpfer lassen sich von solchen Wetterberichten nicht abschrecken. Nach kurzer Fahrt an die Rochers du Midi treffen wir Marc, Jürgen und Roland. Es gibt ein grosses Willkommens-Hallo, lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen. Nach etwas "Cool down" steigen wir in die Route ein. Die erste Seillänge...ich hatte Angst, dass ich wieder wie eine Kanonenkugel aus diesem offenen Riss rausgeschossen komme. Aber nichts da. Gute Griffe und Tritte weisen mir den Weg zum ersten Stand. Seillänge 2 kannte ich von einem früheren Besuch am Rochers du Midi. Unübertroffen schöne Kletterei erwartet den Sensass-Aspiraten. Am Stand angekommen, sehen wir dicke fette graue Regenwolken direkt auf uns zukommen. Im strömenden Regen seilen wir ab um circa 20 Minuten später feststellen zu dürfen, dass die Sonne von einem wolkenlosen Himmel lacht. Was ist zu tun? Richi hat die beste aller Ideen. Wir steigen hoch zum Ausstieg der Route und seilen uns zum Stand der 3. Seillänge ab. Von dort geht es am Seil weiter runter zum zweiten Stand. Ich habe das etwas ungemütliche Erlebnis vor mir, durch die Schlüsselstelle klettern zu dürfen. Seither weiss ich, weshalb Hugo Weber die Sache im A1-Stil bewältigt hat. Richi zerrt mich hoch und ich gebe alles, nur damit ich nicht an dieser vermaledeiten Dachkante verhungern und verdursten muss. Diese 2 Meter Schlüsselstelle haben es in sich. Der Rest der Seillänge ist Genuss pur. Die vierte Seillänge ist wunderbar herrlich zu klettern, bester Fels, bestens abgesichert.

Gastlosten: Salu Marc

Gastlosen - Salu Marc - herrliche Kletterei in bestem Fels
Gastlosen - Salu Marc
Im heissen Sommer 2003 war ich das letzte Mal an den Gastlosen Südwänden. Die Gastlosen sind ein gutes Stück von Basel entfernt. Da braucht es etwas Engagement dorthin zu fahren. Doch es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Obwohl die Route "Salu Marc" für meinen Geschmack etwas gar viel Gras zu bieten hat, waren ein paar Kletterstellen von besonders guter Qualität. Die Landschaft ist einmalig schön. Ob ich nochmals an die Gastlosen Süd klettern gehen werde? Ich weiss es nicht.


Solothurner Jura: Kluser Roggenpfeiler

Dass ich diesen Pfeiler je wieder klettern werde, daran habe ich nicht mehr geglaubt. 1977 oder 1978 kletterten wir im astreinen A1-Stil durch die Route und waren anschliessend völlig ko. Im Jahre 2002 oder 2003 kletterte ich mit Silvio durch den Pfeiler, doch nach Seillänge 3 erwischte uns ein grosses Gewitter mit Hagel und so mussten wir im strömenden Regen den Pfeiler hinunter abseilen. Das war nicht lustig.

Eine der besten Seillängen, die ich je geklettert bin (Danke Richi). Kluser Roggenpfeiler
Der Wetterbericht kündigte bestes Kletterwetter für den Mittwoch an. Warm, aber nicht zu warm und bedeckter Himmel. Kein Regen. Bedeckter Himmel stimmte dann auch nur zeitweise und deshalb konnte ich locker an einem Wet T-Shirt-Contest mitmachen. Die Kletterei und die Ambiance sind von einer derartigen Schönheit - einfach unbeschreiblich. Ich freue mich jetzt schon darauf, diesen Teil der Trilogie klettern zu dürfen.  

Jura: Le trilogie des trois villes

Face de Plagne; Seillänge 3
Richi hat es in seinem Post auf Facebook korrekt wiedergegeben. Wir Alten staunten, was denn die Jungen so tun und was sie so alles durch die Wand tragen. Der Plan war, die "trilogie des trois villes" zu klettern. Das sind folgende Routen in Plagne:

Face de Plagne, 6a
Face de Rondchâtel, 5b+
Face de Frinvillier, 6a+

Für uns wurde es eine erfolgreiche Dilogie mit "Plagne" und "Milkyway, 5c+". "Rondchâtel" war nach 3 Stunden immer noch besetzt und die beiden Jungen taten uns sehr leid. Jetzt müssen wir Alten nochmals hin. Aber nicht mehr dieses Jahr und das gibt zusätzlich die Gelegenheit, noch etwas an der Kondition zu feilen.

Tuesday, July 25, 2017

Frühling 2017

Es gibt sie im Moment nicht:

  • Kletter-Räubergeschichten
  • Märchen über Heavy Metal im Kopf während der Körper am Limit kämpft
  • Kampf in steilen und schweren Routen
  • Trainings-Philosophien
  • Gerede von geplanten und nicht erreichten Zielen

Es gibt im Moment:
  • eine wunderschöne Zukunft

Klar, ich gehe immer noch voller Herzblut und Engagement zweimal wöchentlich ins B2 zum Training. Gerade gestern hatte ich das Vergnügen, zusammen mit Richi eine etwas härtere Trainingssession zu absolvieren. Die Finger sind heute noch dick und die Muskeln schreien nach Ruhe. Nach den zum Teil sehr langen Arbeitstagen von 9 und mehr Stunden plus zusätzlich 4 Stunden Arbeitsweg braucht es schon eine gewisse Überwindung, statt es sich auf das Sofa bequem zu machen und ein kühles Bier zu trinken, die Boulder-Utensilien zu packen und ins B2 zu fahren. Und wenn die Temperaturanzeige im 1. Stock 34 Grad markiert - wie das vor ein paar Wochen der Fall war - dann ist es einfach warm und jedoch nicht trainingsverhindernd! Ich habe mein Training völlig umgestellt, mache das, was mir gut tut und mir gefällt. Auch freue ich mich immer wieder sehr, wenn ich "liebi Gspänli" treffe und ich mich intensiv mit ihnen austauschen kann. Ja, es ist schön in der Oase B2 trainieren zu können.

Der Samstag gehört immer noch voll und ganz dem Klettern in Gottes freier Natur. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Klettern - meine Leidenschaft. Im Frühjahr 2017 konnte ich sehr viele schöne Mehrseillängen-Routen klettern und verbrachte manch glückliche und zufriedene Stunde am Fels. Nachstehend eine kleine Auswahl:


Arête spéciale

2x Markus am Arête spéciale
Viele Jahre war ich nicht am Arête spéciale in Moutier klettern. Richi brachte mir im November 2016 dieses Juwel im Jura wieder nahe. Am Karfreitag kletterte ich zusammen mit Tobias und Lia diese wunderschöne im Jahre 1926 erstbegangene Linie. Am 24. Juni 2017 war ich innerhalb von 8 Monaten bereits das dritte Mal an diesem fantastischen Stück Fels unterwegs. Meine Seilpartnerin an diesem Tag kletterte vor rund 35 Jahren das letzte Mal über diesen Grat. Für sie war es ein herrliches Revival und für mich die erste Tour nach dem Entscheid der Einwohner von Moutier sich vom Kanton Bern loszusagen und zukünftig dem Kanton Jura anzugehören - fast schon ein historischer Moment. Am 17. Juli 2017 kletterte ich ein weiteres Mal über diesen Grat. Dieses Mal begleitete mich mein langjähriger Freund Markus.


Le Schilt

Fantastische Kletterei in der "Voie Normale"
Le Schilt - für mich das absolute Highlight in diesem Frühling. Die Sportlerwaden laufen sich fast schon heiss, bis der ersehnte Fels zum Klettern sichtbar wird. Doch was Le Schilt bietet, ist einfach traumhaft. Aktuell ist es etwas zu warm um am Le Schilt zu klettern. Im Herbst wird es tolle Bilder geben. Zudem werden wohl auf der Wiese neben dem Parkplatz hoffentlich keine Kühe mehr grasen. Denn die meinten es gut mit meinem Auto. Wobei - klar - wenn da ein schönes Auto steht und erst noch in roter Farbe, dann würde ich als Kuh das Teil auch näher untersuchen. Kuh-Graffiti verzieren seither das Gefährt.


Finale Ligure

Studium des Kletterführers
Bereits früh im Jahr, d.h. im März war ich in Finale Ligure unterwegs. Die Temperaturen waren optimal für mich, der Grip sensationell. Ich konnte viele Routen im onsight klettern. Das italienische Essen hat sich trotz dessen Hülle und Fülle nicht zu Hüftgold veredelt. Wir kletterten zu viele Routen an einem Tag, als dass sich hätte einen zusätzlichen Schwimmring aufbauen können. Von Finale habe ich kaum Bilder mit nach Hause gebracht. Graue Regenwolken hinter grauem Fels - nun ja - das ist jetzt auch gerade der fotografische Bringer. Und - ach ja - der geneigte Blog-Leser wird sicher auch schon mal in Finale gewesen sein.
 




Hugo Weber Trilogie im "Le Paradis"

Mitte April 2017 kletterten Richi und ich eine Trilogie der Klassiker des legendären Hugo Weber, ein exzellenter Kletterer seiner Zeit. Seine Routen im "Le Paradis" sind wunderschön, jedoch in der Zwischenzeit etwas gebraucht. Doch das tut der Brillanz keinerlei Abbruch, ganz im Gegenteil. Wer je durch diese Routen geklettert ist, der sagt "Chapeau".

"La Grande Dièdre directe, 6a+" aus dem Jahre 1957
"Dièdre de Golons, 6a" aus dem Jahre 1958 und
"Face de la Heutte, 6a" aus dem Jahre 1954

Wenn ich durch solche Routen klettere und mir Gedanken über die Jahreszahl mache, dann fasziniert mich dies immer ungemein. Das sind Routen, die wurden geklettert, als ich noch nicht mal auf der Welt war - bzw. meine Eltern hatten nicht mal eine Idee davon, dass sie mal einen Markus aufwachsen werden sehen und durchleiden müssen.

Leider gibt es von dieser Trilogie keine Fotos. Graue Wand inmitten von grauer Wolke - das bringt jetzt nichts.




Tuesday, June 27, 2017

Chris on Instagram

von Chris


Ich nehme Abschied von 'verticalsoul'.
Wer mir weiterhin folgen möchte, kann dies auf Instagram unter chrisfrick_


I've decided to leave 'verticalsoul'.
Follow me on Instagram under chrisfrick_

Monday, May 1, 2017

Voie normale, Le Schilt

von Markus

Weshalb wohl war ich noch nie am Le Schilt? Ganz einfach! Meine durchtrainierten Sportkletter-Beine stehen einen Aufstieg von mehr als 15 Minuten sowieso nicht durch! Ich bin ja Sportkletterer...nicht Sportwanderer..... :-)

In der letzten Zeit war ich häufig im "Jura bernois" unterwegs und ich werde noch viele Male in diese wunderschöne Ecke der Schweiz fahren. Die nach langen Jahren des Wartens seit Ostern 2017 nun vollständig fertig gestellte und eröffnete A16 erleichtert das Hinkommen enorm. Gut - das kurvige Laufental mit gefühlt 1000 engen Kurven muss zuerst durchlitten werden, bevor der Rausch der Geschwindigkeit von einem Besitz ergreifen kann.

"Voie Normale" am Le Schilt. Die Route führt an der rechten Kante des Pfeilers hoch

Am Samstag, 29. April 2017 hat es mich dann doch noch an Le Schilt verschlagen. Im Kletterführer steht, dass der Anmarsch bis zur "Voie normale" 40 Minuten dauert. Ich kann das jetzt bestätigen, es ist so. Der Weg ist gut mit Ketten ausgerüstet, sodass ein gefahrloses Steigen nach oben problemlos möglich ist und auch den Abstieg erheblich vereinfacht.

"Voie normale" - schon allein der Name ist speziell. Normalerweise bekommen solch schöne Anstiege ganz intensive Namen mit den Worten "spéciale" oder "grand" oder sonst etwas ganz Speziellem. Doch die Route heisst einfach "Voie normale". Im Maurice Brand-Führer ist notiert:

Beschreibung der "Voie normale" im Kletterführer von Maurice Brand

Auf dem Bild ist unschwer das Datum vom 1. Mai 1974 zu erkennen. Die Geschichte zu diesem Datum kenne ich in der Zwischenzeit und es ist eine wahnsinnig tolle und ganz speziell lustige Geschichte. Aber es ist nicht meine Geschichte, sondern eine Geschichte von Richi. Er hat die "Voie normale" fast auf den Tag genau 43 Jahre später nochmals geklettert, dieses Mal im Vorstieg und ohne Bollerschuhe. Die Geschichte selber allerdings, die kann ich hier nicht erzählen, denn es ist seine Geschichte.

Und weiter ist zu lesen (so viel französisch verstehe selbst ich noch), dass es "la plus belle escalade libre du Jura" sei.

Es ist ein traumhaft schöner Tag mit wolkenlosem Himmel und allem drum und dran um wirklich schöne Erinnerungen an eine Kletter-Tour zu bekommen
  • Tour: Voie Normale
  • Erstbegangen: 1946 von R. Monney, M. Perrenoud, R. Perrenoud und J.-C. Zürcher
  • Schwierigkeit: 5a - 5c+
Richi in Seillänge 1
Seillänge 1: 

Im Kletterführer ist notiert, dass die Route "malheureusement patinée" sei. Und tatsächlich - an den schwierigen Stellen ist es unüberseh- und auch spürbar, dass wir nicht die ersten Kletterer in der Tour sind. Da gilt es dann einfach, sich ganz auf das Klettern zu konzentrieren und keine groben Schnitzer zu machen. Wobei es im Pelzli oder am Bärenfels Routen gibt, die bedeutend mehr "patinée" sind. Es ist keinesfalls ein Grund, diese Route nicht zu klettern. Die Bohrhaken sind gut gesetzt, die Seillänge kann mit "gut" gesichert bewertet werden.









Seillänge 2 - phantastische Moves in bestem Fels. Herrlich!
Seillänge 2:

Der Traum eines jeden Kletterers. Wunderbare Moves, gut gesichert, viel Luft unter den Sohlen, gute Griffe, gute Tritte - schlicht alles, was des Kletterers Herz begehrt. Diese Seillänge lässt das "patinée" der ersten Seillänge vergessen. Es ist eine traumhaft schöne Seillänge - exzellent!

Aufstieg zum Gipfel
Seillänge 3:

Schönste und steile Kletterei exakt auf des Pfeilers Kante mit noch mehr Luft unter den Sohlen. Klettern der Extraklasse. 

Der Abstieg ist einfach zu finden und nun auch mit Ketten gesichert. Das entschärft den steilen und rund 15 minütigen Abstieg zum Einstieg enorm. 

Idee: Wenn noch genügend Zeit und noch mehr Lust zum Klettern vorhanden ist, so kann ich die Route "Petit Pilier" wärmstens empfehlen. Ich habe noch nie eine derart schöne 6a geklettert. Es wartet verdonesquer Fels!


Arête spéciale, Moutier

Von Markus

Arête spéciale in Moutier
Karfreitag 2017. Was mache ich bloss an Karfreitag. Klettern? Eigentlich schon. Nichtstun? Noch besser. Doch der Wetterbericht sagt trockenes Wetter für Karfreitag vorher. Etwas tun? Doch nichts tun? Oder doch etwas? Und wenn etwas – was?

Frisch gewagt ist halb gewonnen! Auf eine Anfrage zum gemeinsamen Klettern kommt ein riesengrosses "JA!" zurück und ich freue mich sehr für die Zusage.

Route: Arête spéciale in Moutier, erstbegangen 1945 von Willy Zimmermann und Otto Gerecht

Schwierigkeit: 5c+
Team: Lia, Tobias (mein Neuveux) und ich

Für Lia ist es die erste Mehrseillängen-Tour und sie weiss nicht so recht, worauf sie sich einlässt. Doch – so meine tiefe Überzeugung – Tobias wird ihr schon zu ihrem Glück verhelfen!

Lia in Seillänge 3
Tobias hat mich schon einmal durch die Route begleitet. Das war schätzungsweise vor 17 Jahren.
Tobias konnte mich seinerzeit noch nicht sichern, er brachte definitiv zu wenig Gewicht auf die Waage und wie das mit dem Sichern ging - nun ja - das ist ein anderes Thema. Bei der Repetition der Tour fühlte ich mich jederzeit bestens gesichert und versorgt!

Der Plan geht auf. Wir haben den "Spez" für uns alleine und können uns alle Zeit der Welt nehmen. Keine Hektik, kein Stress, Spass pur. Das Wetter ist bestens, die Bedingungen sind unschlagbar gut. Das wissen auch die Motorrad-Fahrer zu schätzen, die uns mit dem wohligen Klang ihrer Auspuff-Rohre bis ganz hoch zum Ausstieg mit Sound versorgen. 

Ein herrlicher Tag, ein herrliches Erlebnis, eine herrliche Route und unübertroffen liebe Freunde begleiten mich über diesen edlen und immer wieder schönen Grat.

Das Karfreitag-Arête-spéciale-Dream Team (Tobias, Lia, Markus)

Monday, April 17, 2017

Face de Plagne, Plagne

von Markus
Zweite Seillänge - fantastische 5b+
Es ist Samstag, 1. April 2017. Wohin des Weges? Bereits am Freitagabend telefonieren Richi und ich und haben nicht den Hauch einer Idee, wohin wir am nächsten Tag klettern gehen sollen. Richis pragmatischer Ansatz grenzt denn auch schon an Genialität. Er meint: "Wenn die alten Männer schon nicht wissen, wohin sie klettern gehen wollen, dann sollen sie doch einfach mal das ganze Material mitnehmen!“

So packe ich am Samstagmorgen mein 70-Meter Seil ein. Ich packe mein 80-Meter Seil ein. Ich packe alle Express und alle Sicherungsgeräte ein. Ich packe die warmen Kleider ein. Wie ich so auf den Rucksack schaue, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich nun nicht den Rucksack für eine viermonatige Reise ans Ende der Welt gepackt habe oder nicht. Und schwer ist das Teil auch noch, und wie.

Pünktlich um 11 Uhr treffen wir uns auf P Angenstein und wissen exakt nicht, wohin wir klettern gehen sollen. Richi hat auch noch ein
Seillänge 3 - exzellente Kletterei in bestem Fels
Seil mit dabei - 50 Meter lang, 8,5 Millimeter im Durchmesser – ein geniales Stück Ausrüstung! Aus Sicht des Materials könnten wir nun doch 5 Monate nach Patagonien gehen - oder noch länger. Die Frage bleibt: wohin des Weges?

Plötzlich - wie ein Blitz aus heiterem Himmel - die zündende Idee: Bielerwand in Plagne. Im ersten Moment sagt mir das nicht so viel. Auf dem Weg nach Plagne dämmert es mir langsam. Das ist doch die Wand, durch die ich mit allergrösster Mühe und hilfreicher und sehr starker Hand von Chris "geklettert" bzw. hochgezogen worden bin?

Die Erinnerung an die Wand ist gut, damals stand das Abenteuer ganz oben auf der Liste. Mit zunehmendem Alter nehme ich etwas Abstand von den sehr wilden Abenteuern und verlagere den Sinn meines Tuns hin zu Genuss.

Wir parkieren das Auto, steigen aus und die Sonne wärmt herrlich. Soll man überhaupt eine
Zeitzeuge von 1955 - selbst geschmiedet!
Jacke mitnehmen? Der eiskalte Windstoss Sekunden später lässt die Entscheidung leicht fällen und der aufkommende bissige Wind lässt es nicht zu, dass sich während des Marsches zum Ausgangspunkt Schweiss bildet.

Der Wind frischt noch etwas mehr auf und nach einem letzten Becher heissem Tee heisst es  „Action“! Und siehe da – der Abstieg zum Einstieg lässt gute Erinnerungen an einen wunderbaren Tag zusammen mit Chris wach werden und nach wenigen Minuten stehen wir bereits am Einstieg von „Face de Plagne“. Die Wand präsentiert sich in bestem Zustand, kein Wunder, hat es doch seit Wochen nicht mehr geregnet.

Die Route wurde 1955 von Paul-Henri Girardin erstbegangen und ein halbes Jahr später kletterte er solo durch die Wand. Chapeau. Es ist die erste Route, welche an den Rochers de Plagne eröffnet wurde, ein Ultraklassiker also. Geboten und gefordert wird in der Route alles: Athletik, Technik, Steilheit und ganz viel Luft unter den Sohlen. Herrlich!

Prädikat: sehr lohnend

Für mich ist klar, dass ich sicher noch manches Mal an die Face de Plagne kommen werde um all die Klassiker zu klettern. Das wird eine wunderschöne Zeit werden....

Sunday, January 8, 2017

Meister Franz, Brüggler

von Markus

Der Brüggler
Weihnachten 2016 sind vorbei. Für mich ist es klar, dass ich im Alten Jahr zur Arbeit gehe. So ist es geplant, so möchte das mein Arbeitgeber und so ziehe ich es auch durch. So ist der Plan. Am Dienstag, 27. Dezember fahre ich denn auch artig mit dem Zug nach Bern und treffe 2 Leute im Grossraum-Büro. Nach ca. 1 Stunde sind wir dann schon genügend Leute um einen Jass klopfen zu können. Draussen ist herrliches Wetter. Eigentlich müsste ich draussen klettern. Eigentlich. Am 28. Dezember fahre ich wieder ins Büro nach Bern. Etwas stimmt einfach nicht und ich weiss auch genau was.

Am Donnerstag, 29. Dezember um 9 Uhr treffe ich Richi in Oberwil. Zusammen fahren wir an den Brüggler. 1980 war ich das letzte Mal zusammen mit Roland S, Olivier T. und Peter R. am Brüggler. Wir kletterten seinerzeit durch die „Kleine Verschneidung“. Diejenigen, welche sich die Mühen des Lesens meiner etwas lang geratenen Blog-Einträge auf sich nehmen wissen, welche Bedeutung dieser Tag hat. Unbeschreiblich viel! Richi. Brüggler. Etwa 1976. Der Blog-Eintrag heisst: In die Vergangenheit und zurück

Das Thermometer im Auto zeigt minus 2 Grad. Es ist kalt, auch ich ziehe die langen Unterhosen an. Einmal mehr ist am Himmel keine Wolke zu sehen, die Sonne lacht von einem stahlblauen Himmel. Wir packen die Rucksäcke und starten mit dem Aufstieg. Eine Stunde wird dieser dauern. Das hat mir Richi versprochen. Der Aufstieg dauert exakt eine Stunde. Das geübte Auge von Richi erkennt schon von Weitem, dass auch viele andere Leute das prachtvolle Wetter für eine Tour am Brüggler nützen.

Richi hat sich für den Klassiker "Meister Franz" entschieden, eine Route, welche von Franz Anderrüthi erschlossen wurde. Auf Wikipedia steht folgendes zu Franz:

Pionier des Extremkletterns in der Schweiz
Legendär sind seine Haken mit dem Initial FA, die man noch heute auf klassischen Routen findet.

Eine dieser wunderschönen Seillängen!
Und tatsächlich. Während der fantastischen Kletterei durch "Meister Franz" finden sich solche Originale! Irgendwie macht es mich stolz und glücklich, dass ich auf den Pfaden von Franz klettern kann. Und immer wieder erinnere ich mich an 1976. Ich habe es nie zu erträumen gewagt, auch nur einmal mit meinem Idol aus jungen Jahren am Brüggler zu klettern. When a dream comes true! 
















An Silvester gehen wir zusammen an Les Sommêtres bei Le Noirmont klettern. Bestes Wetter, bester Fels, beste Bedingungen, beste Klettereien und eine Fahrt durch den wunderschönen Jura runden das Jahr 2016 vollkommen ab.

Saturday, January 7, 2017

Eulengrat, Solothurner Jura

von Markus

Es ist schon eine Weile her, seit ich über den Eulengrat im Solothurner Jura geklettert bin. Geblieben ist mir: unerträglich heiss, unerträglich schwerer Rucksack, nicht enden wollender Abstieg quer durch den Wald. Schweissnass. Ein schreckliches Mühsal. Was der Eulengrat sonst noch zu bieten hat, ist im Dunkel des Vergessens verschwunden.

Es ist der 10. Dezember 2016. Zusammen mit dem jungen Jura-Saurier möchte ich nach dem Abenteuer an der Roggenfluh und der Egerkinger Platte nochmals eine Mehrseillängen-Tour im Jura unternehmen. Mir sind schon lange die Ideen ausgegangen, umso glücklicher bin ich, dass Chris die Lösung kennt und sich für den Eulengrat entscheidet. Euphorie ist anders, doch bin ich der Meinung, dass jeder eine zweite Chance verdient - auch der Eulengrat.

Auf der Nordseite des Jura scheint die Sonne von einem stahlblauen und wolkenlosen Himmel. Es wird ein guter Klettertag werden. Glücklich und zufrieden fahren wir von Basel in Richtung Belchen-Tunnel. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Wir fahren durch den
Beim Parkplatz
Tunnel und erschrecken - dichter Nebel. Sollen wir es trotzdem wagen? Die grauen Hirnzellen werden angestrengt und es wird gerechnet. Der Einstieg zum Eulengrat liegt bei knapp 900 Meter über Meer. Die vom Wetterdienst angesagte Nebelobergrenze liegt bei knapp 900 Meter. Eigentlich sollte es gehen. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt! Die Nebel liegt dick und zäh über dem Mittelland. Wird unsere Rechnung aufgehen?

Auf dem Weg zum Parkplatz wird der Nebel noch dichter, wir sehen kaum die Hand vor den Augen. Wir parkieren das Auto, steigen aus und klirrende Kälte empfängt uns. Doch – was sehen wir da? Wir sind offenbar an der Nebelobergrenze angekommen, die Rechnung ist aufgegangen. Zusammen mit Chris verbringe ich einen wunderbaren Tag im Solothurner Jura. Es ist niemand weit und breit zu sehen, es ist herrlich ruhig. Bevor wir den Eulengrat angehen, klettern viele kurze und gut abgesicherte Routen. Die Sonne wärmt angenehm. Es ist der herrliche Tag hoch über dem Nebel, den wir uns erhofft haben. Der Eulengrat selber gibt sein Bestes und nutzt seine zweite Chance.

Einklettern vor dem Abenteuer am Eulengrat (Danke Chris)

Freude herrscht.... (Danke Chris)







Schönheit, wie sie nur die Natur zustande bekommt (Danke Chris)

Monday, January 2, 2017

Trilogie + 1: Dritter Streich

von Markus

Es ist der 8. Oktober 2016, zwei Streiche haben Richi und ich bereits hinter uns. Wird es einen dritten Streich geben? Ich lasse mich überraschen.

Treffpunkt ist wiederum Oberwil. Die Regenwolken hängen nicht ganz so tief wie in der vorherigen Woche. Sie sind aber da und sie sind nicht zu übersehen. Das Auto fährt einmal mehr Richtung Courrendlin. In Delémont hellt sich der Himmel auf. Der Plan ist sofort klar: Arête Speciale. Juhui! Nachdem es die Woche vorher nicht geklappt hat, wird es dieses Mal klappen. Bestimmt! Wir fahren nach Moutier, parkieren das Auto und ziehen die Kletterausrüstung und die warmen Kleider an.

Der Arête Spéciale von Moutier aus gesehen
Seit vielen Jahren bin ich nicht mehr am „Spez“ geklettert, ich freue mich riesig. Der Weg zum Einstieg hat sich ziemlich verändert seit ich das letzte Mal Anfang der Nuller-Jahre hier war. Eine neu gebaute Via Ferrata bietet eine gute Einstimmung auf die kommende Kletterei. Wieselflink klettern wir über den Klettersteig zum Einstieg und machen uns bereit. Es vergehen wenige Minuten und Richi klettert die erste Seillänge hoch. Bald höre ich den „Ich habe Stand“-Pfiff und lege los. Der Kamin hat es in sich. Ich erinnere mich noch gut an meine Jugendzeit. Da bin ich diese Strecke kaum hochgekommen. Stemmen, drücken, keuchen, schwitzen, Angst haben – das war seinerzeit die Losung. Und heute? Mit fast schon guter Technik klettere ich den Kamin hoch. Am Stand angekommen fällt die Entscheidung ganz leicht: unverzüglich abseilen! Kurz vor einem heftigen Regenguss sind wir zurück beim Auto, verstauen alles und haben grosse Fragezeichen.

Was ist zu tun? Rochers du Midi? Staub? Nicht unbedingt. Plagne? Geht nicht, von daher kommt der Regen. Grandval? Geht nicht, es wird auch dort regnen. Plan B: via Gänsbrunnen und Welschenrohr ins Mittelland fahren. Vielleicht klappt es mit dem Wetter wie eine Woche zuvor? Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Wir fahren durch eine wunderschöne Gegend Richtung Balsthal. Tatsächlich: das Wetter ist deutlich besser, es wird nicht regnen. Aber – wohin des Weges? Kingway haben wir bereits geklettert. Kluser Roggen-Pfeiler? Nun ja – dazu fühle ich mich körperlich noch nicht bereit. Einmal mehr kennt Richi die Lösung: „Rumpelstilzchen“ an der Roggenfluh. Im ersten Moment kann ich mit dieser Information gar nichts anfangen, kenne ich doch weder die Route noch die Roggenfluh. Das bedeutet für mich: Abenteuer. Yes! Das ist doch genau das, worauf ich aus bin. Abenteuer - das Leben spannend machen. Was wird mir das „Rumpelstilzchen“ bringen?

Ausblick ins Mittelland
Mit etwas Glück und etlichen Umwegen finden wir den Weg zum Parkplatz. Von dort geht es in 15 Minuten Fussmarsch an den Einstieg. Einmal mehr muss ich keuchen. Bin ich derart ausser Form? Oder ist der Rucksack so schwer? Bin ich derart schlecht geworden? Oder gehen wir einfach zu schnell? Ich tippe auf das Zweite.

Wir stehen vor dem Einstieg und der sieht jetzt im ersten Moment für mich nicht gerade so wahnsinnig einladend aus. 5c steht bei der Bewertung. Das sollte eigentlich schon gehen, irgendwie. Richi bindet sich ein und steigt die erste Seillänge vor. Die Schlüsselstelle wird wohl nicht nach meinem Geschmack sein. Da muss auf Reibung gestanden werden! Und der Fels wurde schon des Öfteren dafür benutzt. Abrutschgefahr! Nach wenigen Minuten steht Richi am ersten Standplatz und gibt das inzwischen wohl bekannte Zeichen. Rasch mache ich mich fertig und mit einem grimmigen Gefühl im Magen steige ich in die Route ein. Langsam und völlig ungelenk komme ich zur Schlüsselstelle der ersten Seillänge.

Es dauert so seine Zeit, bis ich die richtige Kombination von Griffen und Tritten entschlüsselt habe. Wider Erwarten segle ich nicht dem Boden entgegen - doch nicht abgerutscht! Die folgenden Meter bis zum Standplatz lassen mein Herz höher schlagen. Ist das eine tolle Seillänge, Tritte und Griffe wohin das Auge sieht. Richi steigt die zweite Seillänge vor. Nach wenigen Minuten verschwindet er aus meinem Blickfeld. Gewohnt gebe ich im gleichbleibenden Rhythmus das Seil aus und höre schon bald seinen „Stand“-Ruf. Ich freue mich auf die zweite Seillänge. Und wirklich – wunderbare Moves mit einem nun bestens durchblutendem Körper darf ich klettern. Viel zu kurz ist die Seillänge, ich könnte noch stundenlang derart schöne Kletterei geniessen. Die dritte Seillänge beginnt mit einem wunderschönen Quergang nach links und endet in bester Kletterei auf dem Gipfel. Wir geniessen den Ausblick auf das Mittelland, hören das immerwährende Meeresrauschen der A1 und nach wenigen Minuten machen wir uns auf den Weg zurück an den Wandfuss

Am Wandfuss angekommen sehen wir uns die Felsen etwas genauer an und entdecken eine schöne Wand, die zu einem unübersehbaren Kamin führt. Dorthin führt ziemlich direkt auch eine Reihe von Bohrhaken. Jedoch ist es für mich so: die Trilogie ist beendet. An 3 Tagen innerhalb von 3 Wochen konnte ich 3 neue mir unbekannte Routen in 3 unterschiedlichen Klettergebieten klettern. Ein herrliches und tief befriedigendes Gefühl durchströmt mich - nie geplant und doch erreicht! Meine allererste Trilogie!

Ich sehe das Leuchten in Richis Augen und hoffe inständig, dass der Herrgott ein Einsehen mit mir haben möge. Ich möchte nicht durch diesen Kamin dort oben klettern müssen! Der untere Teil der Route gefällt auch mir, doch so ein Kamin kann einem schon die Lust am Klettern nehmen. Meine Kamin-Klettertechnik gehört nun wirklich nicht zum edelsten Kletterstil auf dieser Welt – will heissen – es ist immer ein totaler Murks und endet nicht selten in Grundsatzfragen über das Sein und das Tun. Doch es kommt genau so, wie ich es befürchtet habe. Schon Lemmy Kilmister von Motörhead singt: God was never on your side. Richi bindet sich ein und macht sich auf den Weg. Es sind spannende Klettermeter und es ist offensichtlich – Richi hat Freude an der Route. Bald steht er vor dem Kamin und klettert durch diesen ereignislos hoch und schon bald höre ich einmal mehr „Stand“.

Wieder mache ich mich schnell bereit. Das Seil spannt sich vor meinem dicken Bauch, es ist das Signal mit dem Klettern zu beginnen. Fast schon locker klettere ich die ersten Meter hoch, überwinde eine übel abdrängende Stelle um nur wenig später vor diesem Kamin zu stehen. Oh Mann… Weshalb… Weshalb ich… War ich in diesem Leben bisher wirklich so böse… Was muss ich mit dem Klettern dieses Kamins abdienen… Strafe wofür? Nun gut – es gibt kein Wenn und Aber, es muss sein. Mit der mir üblichen schlechten Technik würge ich mich die ersten Zentimeter hoch. Es hat Griffe, jedoch am falschen Ort. Irgendwie klemme ich jetzt im Kamin fest. Ich falle nicht runter, denn ich klemme. Ich komme nicht hoch, denn ich klemme. Ich stecke fest. Es geht weder rauf noch runter. Behutsames Zureden von Richi gibt mir Mut, dass es doch noch einen Weg aus dem Schlamassel gibt. Irgendwie schaffe ich es, meinen linken Fuss auf einen Tritt zu platzieren und drücke voll durch. Und dann - ist der Kamin auch schon hinter mir. Das war doch gar nicht schwer! Ich klettere weiter und gelange zum Standplatz. Es ist ein wunderbarer… Schlingenstandplatz. Das wird ja jetzt wieder eine ganz tolle Zeit, denke ich mir. Nach dem Gewürge mit dem Kamin nun noch zur Strafe einen Schlingenstand. In Anlehnung des grossen Meisters der Deutschen Sprache, Johann Wolfgang von Goethe:

„Da häng' ich nun, ich armer Tor,
und bin so klug als wie zuvor.“

Richi startet mit der zweiten Seillänge und bald höre ich einmal mehr an diesem Tag „Stand“. Gott sei Dank – endlich kann ich mich aus diesem Schlingenstand befreien und mit dem Klettern beginnen. Auf der linken Seite lädt nun ein Faustriss zu einem Faustklemmer ein. Herrlich. Und was mache ich mit der rechten Hand? Da gibt es nichts. Ja – und jetzt? Wie soll das jetzt gehen? Ich erkenne, dass Risskletterei nun auch nicht meine Spezialität ist. Ja, was ist denn eigentlich konkret meine Spezialität beim Klettern? Diese Antwort ist sehr schwierig! Ich gebe mir alle erdenkliche Mühe und finde eine gute Position für einen besonders guten Handklemmer, stehe konzentriert etwas höher und komme so gut an einen Griff mit der rechten Hand. Der erste Teil dieses Risses ist nun bereits geschafft. Der zweite Teil ist nicht mehr so schwierig und wenig später stehe ich neben Richi wieder auf dem Gipfel der Roggenfluh! Eine herrliche 2 Seillängen-Route liegt hinter uns. Nach „Joe Brown“, „Kingway“ und „Rumpelstilzchen“ haben wir soeben die wunderschöne Route „Ricchi è Poveri“ geklettert – eine astreine Trilogie + 1.

Dieses war der dritte Streich
Doch der vierte folgt zugleich

Den vierten Streich habe ich bereits mit dem Eintrag „Unverhofft – kommt oft“ beschrieben.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei Richi für die unbeschreiblich schönen und intensiven gemeinsamen Momente während der Trilogie bedanken! Diese erste Trilogie wird immer einen sehr wichtigen Moment in meinem Kletter-Leben einnehmen. Danke!

3 Wochen nach meinem Riss-Kletter-Desaster bin ich mit dem jungen Jura-Saurier Chris bereits wieder an der Roggenfluh. Es ist eiskalt, das Thermometer zeigt 2 Grad an. Das ist so richtiges Saurier-Wetter! Zusammen klettern wir mit eiskalten Fingern und Zehen durch „Rumpelstilzchen“ und erfrieren beinahe in „Ricchi è Poveri“. Bei „Ricchi è Poveri“ muss ich lernen, dass der Kamin äusserst elegant links umgangen werden kann. Trotzdem bin ich froh, dass ich diesen Kamin geklettert habe, denn ich habe eine Strafe abgeklettert und nun ist mein Leben noch etwas leichter. Der Schlingenstand ist einfach ein Schlingenstand und da muss man einfach durch. Auf dem Nachhauseweg von der Roggenfluh durch das Mittelland auf der immerwährend rauschenden A1 lacht uns die Egerkinger Platte an. Chris sagt: "Eigentlich könnten wir ja jetzt noch eine Route an der Egerkinger Platte klettern". Und ich antworte sofort: "Ja, dann fahren wir jetzt dorthin und machen das jetzt". Wir klettern kurzerhand noch die „Gelbe“, zusätzliche 160 Klettermeter. Fun pur und eine astreine One-Day-Trilogie! Einmal mehr durfte ich unglaublich viel Spass und Freude zusammen mit Chris an einem grauen und sehr kalten Samstagnachmittag erleben. Es wird wahrscheinlich der einzige Moment im ganzen Leben der Jura-Saurier bleiben, an dem alles für eine gemeinsame Kletterei an der Egerkinger Platte zusammenpasste. Chris, herzlichen Dank für dieses ganz spezielle Abenteuer!


Dieses war der fünfte Streich
Doch der sechste folgt zugleich