Saturday, November 29, 2014

Coup d'éclat am Chuenisberg

von Markus

Roland und mir wurde es an der Schauenburgerfluh nach dem erfolgreichen Durchstieg von "Es raschelt im Blätterwald" deutlich zu warm und so suchten wir ein neues, schattiges Klettergebiet. Bald waren wir uns einig: Chuenisberg. Anlässlich meines Besuches des Chuenisbergs im Februar, hatte mir Chris für seine beiden von ihm eingerichteten Routen „Coup d'éclat“ (in der Fluebible mit „L’état, c’est moi“ und von mir „Coup d'Etat" benannt) und die rechts davon mit fantastischem Bewegungen zu kletternde „Sonne im Herzen“ die Augen geöffnet. Es war die Bewertung von „Coup d'État, 6c“, die mich interessierte und natürlich der Umstand, nach 4 Jahren Projekt-Abstinenz wieder den Chuenisberg geniessen zu dürfen. Die Ruhe, das Alleinsein, keine Hektik – herrliche Momente, ich sehnte mich danach. 
Das kann doch einen Roland nicht erschüttern...
Es interessierte mich, ob sich denn nun endlich minimale Fortschritte in meiner Bewegungstechnik am Fels eingeschlichen haben könnten (Stichwort: Bewegungsschule) oder ob mein grobmotorischer Kletterstil weiterhin zu interessanten Fragestellungen führen würde. Am Chuenisberg klettern bedeutet immer viel Aufwand, aber es macht Spass nach einem erfolgreichen Durchstieg die ersten Versuche in der Route mit der ganz zum Schluss erfolgreichen Version der Kletterbewegungen zu vergleichen. Da tun sich, zumindest bei mir, Gräben auf. 

Zusammen mit Roland verbrachte ich nun, wie eigentlich immer, herrliche Stunden am ruhigen Chuenisberg und es gelang mir die Route „Coup d'État“ über den leichteren Einstieg von rechts. Dann ist die Route mit 6b/6b+ richtig bewertet. Die Originalroute checkt bei 6c ein und im Hinterkopf hatte ich die Idee, dass ich doch nach langer Zeit wieder einmal eine 6c versuchen könnte. Aber zwischen Idee und Wirklichkeit sind immer grosse Differenzen und 6c ist halt schon unheimlich hart - zu hart für mich. Deshalb konzentrierte ich mich auf die Route „Sonne im Herzen, 6b“ und „Rêve d’hiver, 6b“ (in der Fluebible „Angie“). Beide Routen konnte ich überraschend schnell klettern und so stand ich vor dem Problem, dass Roland „Sonne im Herzen“ noch nicht im Vorstieg klettern konnte, aber sehr nahe dran war und ich bereits alle Projekte geklettert hatte. Was tun? Gebietswechsel? Das wäre Roland gegenüber nicht fair gewesen und ich fühlte mich wirklich sehr wohl am Chuenisberg. Soll ich doch die Originalroute versuchen? An diesem Tag fand ich geschätzte 200 Ausreden, weshalb ich keine 6c klettern kann. Roland fand alle Lösungen zu seinem Projekt und deshalb war klar, dass wir ein weiteres Mal an den Chuenisberg gehen, damit Roland sein Projekt klettern kann. Und was mache ich? 

War ein schlauer Kerl, der Walt Disney
Da erinnerte ich mich an eine Situation mit Chris. Wochen zuvor habe ich ihm vorgejammert, dass es für mich schon sehr schön wäre, wieder einmal eine 6c zu klettern. Aber ich könne das einfach nicht. Ich sei zu dick, zu schwer, zu unbeweglich, zu untrainiert, kurzsichtig und in der Zwischenzeit zu alt und eine 6c im Basler Jura komme ich sowieso nie mehr hoch. Chris schaute mich seinerzeit verständnisvoll an und sagte ganz cool: „Markus. Weisst du weshalb du keine 6c klettern kannst?“ Ich antwortete: „Nein?“ und erhoffte mir insgeheim eine Bestätigung meiner vorgebrachten Argumente. Chris antwortete noch cooler: „Weil du es nie versuchst“. Boing! Chris hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Da der junge Jura-Saurier ein sehr interessantes Palmarès aufweist, warf ich alle meine Argumente über Bord und glaubte ihm sofort. Sein Wort hat sehr viel Gewicht bei mir und so hängte ich das Top-Rope einmal mehr in die Route "Coup d'État" um den Originaleinstieg zu klettern. Und es kam so, wie es kommen musste. Diese Moves bekomme ich nie hin, nie im Leben. Ich habe es doch gewusst, dass das nicht geht. Wie ich so etwas verzweifelt und konsterniert im Top-Rope hänge sagt Roland: „Weshalb stellst du die Bewegungen nicht etwas um? Dann kommst du besser an die guten Griffe.“ Aha, denke ich mir, da könnte was dran sein. Unter gütiger Zuhilfenahme von Rolands Kreativität stelle ich die Bewegungssequenz um und komme tatsächlich bedeutend besser an die guten Griffe. Einmal mehr hat mir Roland geholfen. Der Rest der Route ist klar und geht wunderbar auf. Könnte es mit der 6c also doch klappen? 

Da war mir noch zum Lachen... (Danke Chris)
Am 3. Juli 2014 tigern Roland und ich einmal mehr an den Chuenisberg. Zu unserer Überraschung sind wir nicht alleine vor Ort, sondern 2 bärenstarke Jungs arbeiten sich in „Ravage“ hoch. Das gibt uns zusätzlich Motivation, die Projekte erfolgreich abzuschliessen. Schon bald hängen die Express in den Routen und kurz darauf haben wir unsere Top-Rope Refresh-Durchgänge problemlos absolviert. Alles ist perfekt vorbereitet, die Bedingungen absolut ideal. Wer wagt den Go zuerst? Roland möchte als Zweiter starten. Im gleichen Augenblick steigt die Nervosität. Ich spüre die Aufregung, die Anspannung. Ich binde mich ins Seil ein, der Chalk-Bag wird richtig positioniert, das T-Shirt diesen einen Millimeter hochgezogen, binde meine brettharten Five-Ten. Ready. Erster Move, zweiter Move, Express klippen, Griff in den Magnesium-Beutel und die einstudierte Bewegungssequenz abrufen. Alles klappt wie am Schnürchen. Präzis wie selten stelle ich die Füsse auf die richtigen Tritte, die Griffe kralle ich mit der notwendigen Härte. Ich richte mich auf und klippe den zweiten Express. „Yes“ strömt es mir durch den Kopf, ich habe den Originaleinstieg geschafft. Nun geht es darum, cool zu bleiben und dieses Geschenk nicht aus der Hand zu geben. Schnell bin ich beim dritten Bolt angekommen und kann mich sehr gut für die kommenden verflixt komplizierten und harten Moves erholen. Wenige Minuten später hänge ich den Umlenker ein und bin überglücklich. 

Jetzt habe ich natürlich für Roland vorgelegt. Roland ist nun noch etwas nervöser als vorher. Wir besprechen seine Route nochmals und dann gilt es auch für ihn: Ready, Steady, Go! Roland klettert problemlos bis zur Schlüsselstelle. Dort, so weiss ich, hatte er bisher immer mit der Griffabfolge etwas Mühe. Doch was passiert? Er klettert einfach weiter und anschliessend fehlerfrei bis zum Umlenker. Normalerweise sage ich ihm in schwierigen Passagen die Tritte und Griffe vor. Dieses Mal musste ich das nicht tun und ich werde es auch den ganz Sommer nicht mehr tun müssen. Es sollte der Anfang einer wunderbaren Saison im Basler Jura werden.

Tuesday, November 18, 2014

OJD's Sommermonate im Basler Jura

von Markus

Die vergangenen Wochen und Monate waren sehr arbeitsintensiv und so konnte ich mich leider sehr lange Zeit nicht dem Blog widmen. Doch das Warten hat ein Ende und hier folgt nun ein kurzer Update über meine Kletter-Tätigkeit während der vergangenen Sommermonate. Und - ja - es ist halt so und es ist auch die wirklich harte Erkenntnis von diesem Sommer: Ich brauche in der Zwischenzeit schon relativ lange um Routen im Bereich 6a bis 6b klettern zu können. 6c liegt schon gar nicht mehr drin. Die Anzahl Routen, wofür ich einen ganzen Sommer gebraucht habe, kletttert heute ein motivierter Kletterer an einem Nachmittag in 3 Stunden. Höchstens 3 Stunden...

Nachdem ich bereits im Winter die wunderschöne Linie „Illusion“ klettern konnte, fiel es mir schwer, neue Ziele anzugehen. Ich war und ich bin weiterhin unvorstellbar glücklich die „Illusion“ geklettert zu haben. Das ist einfach der Meilenstein in meinem Kletterleben!

Aussicht von der Schauenburgerfluh (Danke Marc)
Wiederum verbrachte ich viele wunderbare Kletter-Tage zusammen mit Roland an der Schauenburg und ich konnte viele meiner zum Teil Jahrzehnte alten Projekte klettern. Hier eine kleine Auswahl:


17. Mai 2014: Gogolina, 6a+

"Gogolina" ist gleich rechts vom Klassiker „Dornröschen“, welcher mir letztes Jahr gelungen ist. Es ist wie immer: vor 12 Jahren als unkletterbare Murks-Route (UMR) eingestuft, ist diese Route heute eine Perle. Nach einer etwas kleingriffigen Passage wird athletische Kletterei über einen kleinen Überhang verlangt. Die anschliessenden Moves in bestem Fels sind einfach grandios.


5. Juni 2014: Es raschelt im Blätterwald, 6a+

In dieser Route hing ich ebenfalls vor 12 Jahren völlig hilflos herum. Es war mir schleierhaft, wie man da überhaupt je hochklettern kann. Am 5. Juni war es extrem schwül, der Grip war katastrophal. Aber ich hatte alle Stellen sauber ausgebouldert und ich fühlte mich fit für diese Route. Es ist ja jedes Mal das gleiche: weil die Route bei mir als UMR abgespeichert ist, ist es weniger eine Frage der Kraft und der Technik als viel mehr des Geistes, die schwierigen Stellen zu klettern. Während dem Durchstieg ärgere ich mich etwas über mich selber, die Route nicht schon früher geklettert zu haben. Es gibt Stellen, da sind die Griffe und Tritte schon arg gebraucht. Dies tut aber der Route keinen Abbruch. Es ist und bleibt eine wunderbare Felsfahrt.


23. Juli 2014: Vista Diaboli, 6a+

Da soll mal einer sagen, dass Internet belastet die heutige Gesellschaft - ganz im Gegenteil. Da arbeite ich vom Home-Office aus und dann verflüchtigt sich meine ganze Arbeit in der Weitläufigkeit des Inter- bzw. Intranets. Roland hat Zeit für eine spontane Kletter-Action an der Schauenburgerfluh. Die UMR Vista Diaboli steht heute auf dem Programm. Herrliche Ruhe, beste Bedingungen und gleich beim ersten Go passen alle Puzzle-Stücke zusammen.


9. August 2014: Emanzipation, 6a

1981 wurde diese Route von Jügge Meyer und Christian Jäggi geklettert. Ich kann da nur sagen: „Chapeau“. Diese 6a ist meines Erachtens bretthart und sie verlangte alles von uns ab. Rohe Kraft reicht nicht. Es muss alles passen, Fuss- und Piaz-Technik, Fingerspitzengefühl, gute Grob- und ausgefeilte Feinmotorik. Diese Route war für uns beide Neuland und deshalb hatten wir ungeheuren Spass daran, die notwendigen Kletterbewegungen zusammen zusammenzutragen - wobei Roland eindeutig der Kreativere von uns beiden ist.


23. August 2014: Take it easy (Hüttechäs), 6a+

Roland kannte die Route schon und ich meinte, sie nicht zu kennen. Doch als ich den dritten Move kletterte, da erinnerte ich mich an mein Desaster vor vielen Jahren und – ja, jetzt kommt es wieder (Sorry) – die Route war als UMR abgespeichert. 

Zusammen mit Roland übte ich die Route ein, fand Mal um Mal Vereinfachungen und bald passten auch in dieser Route alle Griffe und Tritte zusammen. Die Route ging gleich im ersten Go. Es sind 25 herrliche Klettermeter über kompakten Fels. Wunderschön.

Roland beim Einwärmen
30. August 2014: Teufelsriss 1. SL, 5b

Bereits  im zarten Alter von 16 Jahren kletterte ich an diesem Riss – und kam nicht hoch. Wir kletterten seinerzeit noch mit Leiterli und hängten diese in die verrosteten Haken ein und in diesen einen Holzkeil. Beim Holzkeil wollte ich nie weiter und so liessen mich meine Kameraden immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wo ich dann auf sie wartete. Nicht nur deshalb ist der Teufelsriss 1. SL als UMR abgespeichert. Auch viele Jahre später kam ich eher schlecht als recht diesen Riss im Top-Rope hoch. Mit Bohrhaken-Abständen von gefühlt 80 Centimetern ist dies heute eine perfekt gesicherte Aufwärm-Route. Prädikat: empfehlenswert


18. Oktober 2014: Siebenschläfer 1. SL, 5b

Ab sofort ist dies auch keine UMR mehr, sondern eine fantastische und perfekt gesicherte Klettertour.

...und dann war ich ab September bis November intensiv mit einem ganz "gspässige" Vogel beschäftigt. Details sind demnächst auf diesem Blog zu finden. Langsam aber sicher gehen mir die jahrealten Projekte an der Schauen aus. Im Jahr 2015 sehe ich mich allerdings bereits wieder viele Male auf dem Weg hoch zur Schauenburg.

Die Gastlosen von Norden
Gastlosen

Ja, ich weiss, die Gastlosen gehören nicht zum Basler Jura. Aber ich war trotzdem dort. Junge und alte Jura-Saurier können das Reisen halt nicht lassen.

Zum ersten und hoffentlich nicht zum letzten Mal war ich zusammen mit Chris am 13./14. Juli 2014 in den Gastlosen. Das war das heisseste Wochenende des ganzen Jahres 2014. Anschliessend kam der grosse Regen, der sich erst im September wieder von dannen machte. An der Gastlosen gelangen mir „La Bleue, 6a+“ und „Chouette, 6a“. Der bombenfeste Fels und die perfekte Absicherung lassen nichts zu wünschen übrig. Sensationell!

Viele werden sich fragen, was es denn mit diesen 12 Jahren auf sich hat. Nun, die Erklärung ist ganz einfach. Nach einer Pause ab 1981 begann ich erst wieder 1999 mit dem Klettern. Zunächst weigerte ich mich standhaft, in die Kletterhalle zu gehen, denn geklettert wird draussen und nicht drinnen. Nun gut, ich liess mich dann doch ab dem Jahr 2000 auf dieses Abenteuer ein. Neben vielem sehr schlechtem Hallenklettern, kletterte ich natürlich auch draussen. Natürlich gingen wir auch an die Schauenburgerfluh, weil es da "viel einfache Routen" hat. Aus der Sicht eines 7b-Kletterers ist 6a+ nicht gerade schwer. Aus der Sicht des 5b-Kletterers ist es aber ein kaum erreichbarer Schwierigkeitsgrad. Und so kam es, dass ich bis 2002 mit ganz viel Einsatz, Lust und Freude Klettern ging, aber nicht eine einzige Route hoch kam. Es musste also eine Lösung her. Darüber habe ich vor vielen Jahren bereits einen Aufsatz geschrieben, ihn jedoch bis jetzt nicht veröffentlicht. Vielleicht hole ich dies noch nach. Wer weiss...