Thursday, February 20, 2014

Paroi des Romains - Update

von Chris

Wieder ist ein wenig Zeit vergangen... und die wurde an der Paroi genutzt. So konnte ich die nächste Traumkletterei im grossen Überhang realisieren. Kurz nach Neujahr 2014 richtete ich die Linie von 'Les Arômes des Romains' ein. Mehr oder weniger handelt es sich hier um einen Direktausstieg oder - wenn man will - eine Extension zu 'Perdu dans l'espace'.
Bolting von 'Hysteresis'

Nach dem Abzweiger aus der Traverse und dem Wulst-Crux von 'Perdu...' mit dem heiklen Clip,  reiht sich ein technisch anspruchsvoller und überraschend kräftiger Zug an den nächsten. 'Les arômes...' benutzt die von der Basis der Wand aus gut sichtbare Lochspur. Ein super Linie in besten Fels und natürlich auch wieder in nervenzersetzender Exponiertheit.

Ich konnte während meinen Versuchen bald feststellen, dass die Ausdauerkomponente und der Anspruch an die physischen und psychischen Fähigkeiten viel höher lagen als noch bei 'Perdu...'. Der Climb ist wesentlich länger und anhaltender in der Schwierigkeit, daher es sich bei 'Les arômes...' mindestens um 8a/a+ handelt. Auf jeden Fall ähnlich schwer wie 'Kakmonstret 8a+' am Rappenfels. So gestaltete sich der Durchstieg auch als ein Fight mit Tunnelblick und ziemlich wacklig am Limit. Es gibt eben auf 20 m kein Rastpunkt... Die Spannung steigert sich auch mit der Aussicht auf unbeabsichtigtes Schlittern der Füsse in der ziemlich kompakten Wand.  Löcher müssen gegen das 'Tür-auf-Syndrom' angepiazt oder auf Untergriff blockiert werden. Ganz "amächelig"...

Aufgrund des fusstechnisch heiklen Anspruchs war ich ganz froh, diesen Climb in der kalten Jahreszeit gezogen zu haben. Als Hypothek stellten sich aber die eisigen Abwinde in der grossen Wand heraus. Mehr als nur einmal fühlte ich mich wie in Patagonien. Dann kühle auch ich aus, obwohl meine Freunde ja wissen, wie sehr ich Gefrierschranktemperaturen zum Klettern bevorzuge. Das Problem an diesem aus der Wand springenden Überhang ist, dass der Wind einfach in ungebremster Wucht um die Ecke angerauscht kommt. Kein Witz - im Föhnsturm vor 10 Tagen wurde eine Böe zu meinem Verhängnis in einem vielversprechenden Go, wurde ich doch glatt aus der Wand ins Leere hinausgeweht... auch mal ein interessantes Gefühl und Erlebnis!


Diesen Climb habe ich Tina zu verdanken. Ihrer Geduld beim Sichern - sowohl während des Einbohrens, als auch beim Ausbouldern und den Versuchen. Nebenbei richteten wir noch ein Hammerprojekt in den Überhang ein: 'Hysteresis'. Die letzte mögliche Linie. Mehr Griffe hat es im Surplomb nicht mehr. Aber dieses Projekt wird mich ein paar Monate, wenn nicht Jahre beschäftigen, liegen doch die Boulderstellen noch jenseits meines Limits. On verra! Let's go! Ich freue mich schon... jetzt machen wir aber erst einmal eine Paroi-Pause, um uns zu überzeugen, ob die anderen Felsen im Jura und darüber hinaus überhaupt noch da sind...

Topo Surplomb Paroi des Romains: 1 La Cathèdrale 8b, 2. Hysteresis NR, 3. Les Arômes des Romains 8a+, 4. Perdu dans l'espace 8a, 5. Ils sont fou, ces Romains! 7c+

Friday, January 31, 2014

Perdu dans l'espace – Paroi des Romains

Von Chris

Ein felsiger Strand an einem Meer aus Luft – das Band in der Paroi des Romains. Traumzeit – gelebter Traum.

Mit Julo auf dem Band
Dies ist der Ort, wo sich Träume zu Wünschen formen, dann zu Gedanken, schliesslich zur Tat verwandeln. Zu kletternde Träume natürlich. Sie sind Teil meines Selbst, welches immer wieder nach einem expressiven Ausdruck sucht, das sich nicht nur in der alltäglichen Formensprache verwirklichen will. 

Es ist ein Luxusgut: klettern gehen zu dürfen. Ich bin mir dessen bewusst. Auch dass jede davon gekostete Sekunde Gold wert ist. Es gibt keine Rechtfertigung für das Für und Wider. Es ist meine Kunst – mein gelebter Ausdruck. Die Frage nach Sinn und Zweck ist überflüssig, wenn es sich um Kreativität handelt.

Jedes Mal, wenn ich wieder auf dem Band sitze – schon weit oben über dem Boden und noch einmal hundert Meter über der Strasse, begleiten mich diese Gedanken und sie verlangen nach Tat.
Also habe ich gehandelt – mit dem besten Support, den man sich vorstellen kann: Mit Tina, mit Julo, mit Markus.

Tina zieht die fantastische 'Arbeit macht frei'
Nein, Klettern in der Paroi ist alles andere als à jour.
Es steckt schon Abenteuer darin. Es ist jedes Mal auch ein kleines Unterfangen bis zum Band zu gelangen. Dann ist es auch kein Ort, wo man sich einfach 'mal schnell trifft, gesehen wird, wo Showtime angesagt wäre. Dort ist man alleine und auf sich gestellt.
Das Band ist und bleibt für Träumer.

Und dies wird auch dieses Blog nicht ändern. Es wird nie einen Boom geben. Denn Klettern in der Paroi bedeutet Aufwand, Herzblut, Liebe zum Detail – denn es darf nichts schiefgehen so weit über dem Grund. Es muss viel überlegt werden, wie man sich in dieser Wand bewegt – zum Teil von einer Route zur anderen. Dann, wenn einer ein Projekt ganz links, der andere ganz rechts in diesem felsigen Meer versucht. Begabung und Kreativität in Seiltechnik ist gefragt.

Und doch kenne ich kein Klettergebiet, von welchem ich abends glücklicher nach Hause komme. Wo die Tage erfüllt sind und auch ein Scheitern in einem Projekt nur die Lust auf das nächste Mal steigert.

Julo equipe 'Ils sont fou, ces Romains!'
Unglaublich was Julo Zambetti für ein fantastisches Gebiet mit modernen Routen neben den alten Aid-Climbs aus den sechziger und siebziger Jahren eingerichtet hat. Wie abwechslungsreich die einzelnen Sektoren sind. Wie viel es zu entdecken gibt. Nicht immer ist der Fels der beste. Aber es gibt auch besten Fels. Aussergewöhnlich schönen sogar.

Fassungslos war ich darüber, als ich Anfang Mai 2012 das erste Mal die Paroi besuchte und bald erfuhr, dass die Routen kaum geklettert wurden, viele wahrscheinlich nicht einmal mehr seit der Erstbegehung und auch wie viele Projekte es noch hatte. Up for grabs...

Julo bohrte die meisten Routen im Zeitraum 2000 bis 2004 ein. So manche der schweren Routen konnte er gar nicht klettern – nicht weil er zu schwach wäre, nein, sondern weil niemand an die Paroi mitkam. Seit ich nun regelmässiger an die Paroi gehe, konnte er nun doch noch ein paar Climbs ziehen, die auch für ihn drohten im Dornröschenschlaf zu versinken. So kann ich ihm etwas zurückgeben, durfte ich doch von ihm eingebohrte Projekte befreien.

Perdu dans l'espace
Das grösste Geschenk war sicherlich die erste Rotpunktbegehung der dritten Seillänge von 'La Cathèdrale', einem alten Technohammer aus dem Jahr 1977 von Frésard/Grimm und Brêchet. Selten haben mich ein Kletterproblem und die Moves so begeistert. Hier war es ein gelebter Traum, der insofern an Bedeutung gewann, da es das letzte Projekt vor meiner Schulteroperation und nach meiner Rückkehr an den Fels der erste Climb am persönlichen Limit war. Jetzt, drei Monate nach dem Durchstieg, jagen mir die Erinnerungen immer noch eine Gänsehaut ein, während ich gleichzeitig lächle.

An der kleinen Wand von Al Qaïda zog ich überraschend schnell das offene Projekt der Powertraverse von 'Knock Out Festival', ein Topclimb und in der Linienführung sicherlich speziell.

Noch aussergewöhnlicher, weil doch sehr ausgesetzt, ist die gemeinsam mit Julo mit programmatischem Routennamen eröffnete 'Ils sont fou, ces Romains!". Der Fels sieht von unten nicht gut aus, ist aber sehr fest und daher gut. Mit den überraschenden Henkeln und 50 m Luft unter den Sohlen einzigartig.

Da ich nun die ganze Wand mit Ausnahme von Julos neuer 'Potion Magique' durchklettert habe, blieb mir nichts anderes übrig, als selber zur Hilti zu greifen.

Perdu dans l'espace
Herausgekommen ist 'Perdu dans l'espace'. Auch hier ist der Routen-Nomen est Omen… So was Exponiertes gibt es bei uns kaum. Und an Schönheit auch nicht. Ich glaube, diese gehört zur Top Ten meiner besten Erstbegehungen. Sie verbindet 'Ils sont fou…' mit dem oberen Teil der 3. Länge des Technohammers 'Cactus'. 

Der Fels und die Moves sind aussergewöhnlich edel. Während ich 'Cathèdrale' versuchte, habe ich oft in den glatten Panzer dieses Überhangs geschaut und mir gedacht, dass wohl unter 8c nichts zu holen sei. Die Glätte erscheint aber nur durch die versteckten Fingerklemmer und Incuts. Nun ist auch dieser Traum schon gelebt. Sagte Markus noch, als er mich an Weihnachten in Eiseskälte aufopferungsvoll beim Einbohren sicherte und ich ihm meine Bedenken wegen der grifflos erscheinenden Platte erörterte: "Ich bin mir sicher, dass du die bestimmt bis Februar schon geklettert hast". Er ist ein Prophet. Seine Voraussage hat sich bewahrheitet.

Aber ich bin noch nicht fertig mit der Paroi… nein, nein. Ein nächstes Projekt ist schon eingerichtet.

Der Traum wird weiter gelebt und ich darf wieder auf das Band… mit Julo, Markus und Tina. 
Ich freue mich auf zukünftige Zeiten. Danke euch, dank der Paroi (sofern man ein Stück Fels personifiziert)…

Topo Update:

1. Super Moby 8a (35m)
2. Au-delà du réel 8a (40m!)
3. Potion Magique 7c+
4. Les Orgues 7c
5. La Cathèdrale 8b
6. Les aromes des Romains NL
7. Perdu dans l'espace 8a
8. Ils sont fou, ces Romains! 7c+
8. Fight Club 7c/c+

(Danke Markus für das pic!)

Monday, January 27, 2014

El Gigante und die zwei rauchenden Waden

Von Alex

schon seid ich mit sechs Jahren mit meinen Eltern im Pelzli zum Klettern war, hat mich dieser Ort fasziniert. Strahlt es doch irgendwie so eine tiefe Ruhe aus. Damals standen für uns Kinder Routen wie "Wändle versteckt Händle" oder "MoserKante/Wand" an erster Stelle. Danach gings dann runter zum Mätteli zum grillieren und gemütlich am Feuer sitzen.
Im vorbeigehen sah ich damals Kletterer in unglaublich glatten Wänden klettern. Wie soll das denn gehen ?
Was in all den vergangenen Jahren gleich geblieben ist, wenn ich im Pelzli klettern gehe, ist die Frage: Wie soll das denn gehen ?
Als ich am 24 Dezember das erstemal in El Gigante/7c einstieg war sie sofort da....Wie soll das denn gehen ?Ne, das geht nicht...Ne, da hatts ja keine Griffe.
O.K, vielleicht gehts ja doch....aber wie soll man denn clippen ??? Und dann kam es..das nächste Pelzli Phänomen. Klappt ein Zug.. klappt der nächste...und der Nebel lichtet sich und alles scheint perfekt zusammen zupassen, wie für einander bestimmt.
Tagzuvors hatte ich sie vom zweiten Bolt aus dreimal durchgestiegen. Ich war mir sehr sicher wenn der Anfangsboulder vorüber ist, und ich auf dem Band stehe klappt es.
Da es mein dritter intensiver Klettertag in Folge war, habe ich mir keine grossen Hoffnungen gemacht. Doch plötzlich flogen die ersten beiden Bolts vorbei und ich stand auf dem kleinen, rutschigen Bändchen.Jetzt muss es gehen...ruhen ...ruhen...ruhen...die Waden brannten immer mehr....und noch mehr....Beine ausschütteln....und los ! Zwei Meter weiter, hing ich im Seil. Der Frust sass tief, hat diese Stelle doch immer geklappt.Ich hatte einfach keine Kraft mehr in der linken Wade um den kleinen Tritt richtig zu ziehen.
Mit völlig müden, zittrigen Beinen gings auf den Boden zurück. Nach etwas Mut zuspruch und oh ja,,,,,einer Beinmassage von Noemi (gabs das schonmal im Pelzli??) konnte ich El Gigante knapp zehn Minuten später durchsteigen. Noch nie hat mich eine Route so an die Grenze meiner Konzentrationsfähigkeit gebracht.

Sunday, January 19, 2014

Illusion

von Markus

Die Kurzform dieses Eintrags speziell für Richi: Yes!!

Tag 4: 18. Januar 2014

Bereits die ganze Woche bin ich etwas nervös. Ich weiss, dass ich die „Illusion“ klettern und mir damit einen 35 Jahre währenden Wunsch erfüllen kann. Ich weiss auch, weshalb ich so nervös bin. Diese Route bedeutet mir so extrem viel. Sie bildet für mich die Brücke zwischen meinen beiden Kletterleben und es ist für mich extrem wichtig über diese Brücke zu gehen. Es ist aber auch das Alter, welches mir aufzeigt, dass ich all die aufgeschobenen Projekte nun endlich erledigen muss. Besser werde ich wohl kaum mehr. Heute, am 18. Januar nach vielen Irrungen und Wirrungen in meinem Leben halte ich alle notwendigen Puzzle-Teile in der Hand. Es liegt einzig und allein an mir, die Teile zu einem vollkommenen Ganzen zusammen zu setzen. Für mich ist auch der Zeitpunkt wichtig. Gemäss Fluebible hat Richi die Route am 5. Februar 1979 geklettert, also vor ziemlich genau 35 Jahren! 

Stündlich schaue ich auf die Wettervorhersage. Das Angebot ist breitgefächert und geht von strahlend schön bis Schneefall. Ich brauche lediglich ein Zeitfenster von vielleicht 3 Stunden um alles unter Dach und Fach zu bringen. 

Illusion - Route 12 (Foto aus der Fluebible)
Wir treffen uns spät auf P Angenstein und stehen wenig später unter der Daumen Ostwand. Eine unglaubliche Nervosität überkommt mich und es hämmert immer die gleiche Frage: Klappt es heute? 

Es kommt ein kühler Wind auf, die Sonne mag nicht richtig wärmen. Es ist etwas kühl. Zu kühl? Oh, das wäre doch eine schöne Ausrede, die Route nicht klettern zu müssen! Schon bald hängen die Express in der Wand. Ich entscheide mich, nochmals einen Erkundungsdurchgang durch die Route zu machen. Es ist nachmittags um etwa 14 Uhr und endlich wärmt die Sonne etwas während ich in der Wand hänge. Der Grip ist sensationell, die Wand ist komplett trocken, es herrschen ideale Bedingungen. Ab dem dritten Bolt spüre ich weder meine Finger noch meine Zehen und trotzdem klettere ich weiter. Ich kenne ja die Griffe und Tritte auswendig und ich weiss, wie viel ich halten mag und wie viel Druck ich auf die Füsse bringen muss um nicht abzurutschen. Das ist Klettern auf Sicht in etwas anderer Auslegung des Begriffs. Die Schlüsselstelle geht auf Anhieb, alles kein Problem, alles im grünen Bereich. Und trotzdem werde ich immer nervöser. Mein Hirn findet mindestens 50 Ausreden, heute diese Route nicht zu klettern. Nach einer Pause mit viel heissem Tee ist es soweit. Der Wind wird wieder stärker, die Sonne verschwindet nun definitiv hinter dichten Wolken und die Temperatur sinkt. Ich muss mich sofort entscheiden, sonst erfriert meine Sicherungspartnerin. Ich begebe mich an den Start der „Illusion“, ziehe das Seil ab, binde mich ein, bereite mich für den Vorstieg vor. 

Vor vielen Jahren habe ich von Dominik den Tipp erhalten, beim Klettern sich via Musik zu konzentrieren um der Nervosität Herr zu werden und um die Konzentration zu erhöhen. Ich mag mich noch gut an meine erste 6c+ erinnern. Dabei sicherte mich Dominik und ich summte für mich den Song „Engel“ von Rammstein vor mich hin. Was heisst da summte? Ich sang immer wieder den Refrain „Gott weiss ich will kein Engel sein“. Seither fehlen ein paar Bäume in der Bettlerküche. Aber das ist ein anderes Thema. Der Tipp von Dominik hat genützt und ich konnte die 6c+ in meinem zweiten Versuch klettern. Was vor vielen Jahren genützt hat, wird doch auch dieses Mal etwas bringen, denke ich mir in der Vorbereitungszeit bis zum 18. Januar. Weil ich ja weiss, wie wichtig mir die „Illusion“ ist weiss ich auch, dass ich wohl vor Nervosität zittern werde. Die ganze Woche habe ich mir über einen Song Gedanken gemacht und am Mittwochabend, etwas mitgenommen von viel Champagner, Wein und Bier auf dem Nachhauseweg von Bern, habe ich den richtigen Song gefunden. Es muss Heavy Metal sein, es muss laut sein, es muss hart sein, es muss fordernd sein. Es ist der Song „The Devil Cried“ von Black Sabbath. Der Song ist auf der CD „The Dio Years“ zu finden und natürlich auf Youtube (Andreas: das wäre jetzt der Song, den wir schon mal zusammen gesucht haben).

So stehe ich nun einmal mehr in meinen geliebten, jetzt etwas zu satt gebundenen Five Ten blanco etwas belämmert in die Gegend schauend und nicht wissend was kommen wird am Anfang der „Illusion“. Ein letzter Kontrollblick – Ready, Steady, Go. Song ab:

One fine day in Hell
The master told a story
Someone lied so well
He sent him back to Glory
 

Glory – genau. Das möchte ich auch mal wieder haben. Also muss ich kämpfen. Die ersten Moves gehen überraschend gut. Die Nervosität ist weg. Vor dem dritten Bolt gibt es einen sehr guten No-Hand-Rest. Diesen benutze ich intensiv, währendem Ronnie James Dio die zweite Strophe singt

There are whispers between the screams
That this deed can be done
Even sinners must dream
And I can be the one to make the Devil cry

Die zweite Strophe ist vorbei, ich bin vollkommen konzentriert und ruhig. Die dritte Strophe beginnt.

I can win this game
If all things come together
I know this sounds quite strange
I won't be smart, just clever

Just beim Wort "clever" habe ich die heikle Stelle über den dritten Bolt sauber geschafft und stehe nun etwas verloren in der Wand. Zu einfach ist diese Stelle gegangen, viel zu einfach. Deshalb kann ich die nun folgende Strophe locker angehen und etwas umständlich zum vierten Bolt klettern. Meine Sicherungspartnerin motiviert mich zusätzlich. Sie glaubt an mich und feuert mich zusätzlich an.

It's the law on the other side
Just one tear lets you run
And though many have tried
I know I'll be the one to make the Devil cry

Ich stehe nun exakt unter der Schlüsselstelle. Ich weiss, ich kann diese nächsten für mich sehr schweren Meter klettern. Noch mehr Fokussierung auf die Füsse, die Fingerspitzen werden langsam kalt. Da beginnt auch schon die nächste Strophe in meinem Hirn zu hämmern und lässt mir keine Chance. Ich muss tun, was kommt.

At last my time has come
I must not give him pleasure
I can be the one
One chance or burn forever

Im Gegensatz zum Songtext ist es ein Vergnügen die Schlüsselstelle zu klettern. Die Moves gehen wunderbar, alles geht ganz locker. Diese Chance habe ich genutzt. Es bleibt der allerletzte Move an die Kante. Wie bereits beim Ausbouldern mehr als einmal passiert, rutschen mir die Füsse weg und ich hänge etwas verkrampft am grossen Henkel und sortiere die Füsse.
 
So I told him about my pain
And the life I've been through
He just smiled and the laughter came
Then I told him that I love you, and the Devil cried
 

Ich setze zum letzten etwas wackligen Zug an und schon stehe ich beim Umlenker. Erleichtert klinke ich diesen ein.

Tears from his eyes
Eyes of fire
And the Devil cried
 

Ob nun der Teufel weint, das weiss ich nicht. Ich bin es auf jeden Fall nicht, der weint, sondern sich unendlich freut. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl durchflutet mich. Ich habe die „Illusion“ geklettert, fehlerfrei alle Puzzle-Teile richtig zusammengesetzt. Entgegen meiner allerersten Einschätzung gehöre ich nun doch nicht zur Generation 70+ und werde definitiv auch nicht die Express zum Kilopreis auf ricardo.ch verkaufen. Nein, ich werde mich völlig losgelöst an neue Projekte wagen und wissen – it's all in your mind. 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich richtig erinnere. Der Routenname basiert nicht auf der normalen umgangssprachlichen Illusion,  sondern auf einem Buch(?) von Carlos Castaneda. Ich frage mal Richi, wenn ich ihn dann wieder einmal im B2 sehe. 

Bewertung der Illusion (Foto aus der Fluebible)

Wenn ich mich ins Jahr 1979 zurückversetze und nachdenke, was, wie und warum ich seinerzeit geklettert bin, so stellt für mich heute die „Illusion“ ein wirklicher Meilenstein dar. An dieser Stelle möchte ich Richi für seine Weitsicht im 1979 danken, uns Kletterern ein solches Denkmal zu schaffen und dem seinerzeitigen Establishment schlicht den Vogel zu zeigen! Super.

Herzlichsten Dank auch an meine Mitstreiter Markus, Roland, Jüschi, Heike und Andrea, welche mich mit ihrer unendlichen Geduld diesen Traum haben wahr werden lassen. Und nicht zu vergessen der junge Jura-Saurier, der mich mental bei unseren gemeinsamen Trips an die Parois des Romains wieder auf Vordermann gebracht hat!

Sunday, January 12, 2014

1979 - Teil 2

von Markus


Richi meinte, dass der sicher nach erfolgreichem Durchstieg der "Illusion" zu erwartende etwas lange Blog-Eintrag mit einem „Yes“ genügend dokumentiert wäre. Es kam bzw. es ist alles ganz anders.

1977 war ein für den Klettersport geschichtsträchtiges Jahr. In diesem Jahr kletterten Helmut Kiene und Reinhard Karl durch die „Pumprisse“ im Wilden Kaiser und bewerteten die Route mit VII. Einen wunderbaren Artikel über die Zweitbegehung, der so im September 1977 in der Zeitschrift Alpinismus erschienen ist, kann hier gelesen werden.


Bis zu diesem Zeitpunkt galt 6+ als das Höchste der Gefühle im Klettersport. Die Definition von 6+ liest sich atemberaubend:

„Mit 6+ wird eine Freikletterstelle bezeichnet, deren Überwindung für die besten Felskletterer in Hochform, bei günstigen Verhältnissen (trockener Fels), unter optimaler Ausnutzung der Felsbeschaffenheit (Griffe, Tritte, Reibung) und beim heutigen Ausrüstungsstand (Profilgummisohle) immer einen Gang an der Sturzgrenze bedeutet. Meist nur auf wenige Meter beschränkt. Im Hochgebirge seltener als in Klettergärten. Eine Passage im Schwierigkeitsgrad 6+ ist definitionsgemäss bei winterlichen Verhältnissen ohne zusätzliche Haken als Fortbewegungshilfen unbezwingbar.“ (Danke Jürgen…)

6+ ist immer noch schwer zu klettern, auch wenn heute die Skala viel weiter nach oben geht. Ich selber merke, dass einmal Klettertraining pro Woche zwingend notwendig ist, um 6a halbwegs klettern zu können.

Am 5.2.1979 klettert Richi Signer erfolgreich durch die Illusion und bewertet die Route mit -7. Es ist die erste Route im Basler Jura, welche mit diesem Grad bewertet wird, eine der ersten Routen überhaupt in der Schweiz in diesem Grad.
Pelzli - Daumen
Tag 1: 8. Juni 2013 

An diesem Samstag stehe ich das erste Mal seit 35 Jahren wieder unter der Daumen Ostwand. Sie ist immer noch gleich steil wie in meiner Erinnerung, sie hat immer noch diesen einen markanten Riss und nun hat sie auch wunderschöne Bohrhaken. Eine Linie davon ist die legendäre „Illusion“ von Richi. Es ist ein warmer Tag, fast schon heiss, also das wohl falscheste Wetter für eine Tour im Pelzli. Der Wunsch, diese Tour zu klettern ist aber so gross, dass ich diese Tatsache einfach ignoriere. Nach etwas Kampf hängen meine Express, die ich trotz aller meiner deutlich vernehmbaren Worte immer noch nicht auf ricardo.ch zum Kilopreis versteigert habe, in den Bolts und mir ist klar – wenn ich die Route geschafft habe, dann höre ich mit Klettern auf, denn dann bin sicher schon in der Generation 70+, gehöre also zur Gattung der Uralt-Jura-Saurier. Sollte ich denn die Route je schaffen.

Markus sichert mich bei meinem ersten Top-Rope-Durchgang. Beim ersten Bolt sind Tritte und Griffe in homöopathischen Dosen vorhanden. Beim zweiten Bolt ist dann ganz fertig. Keine Ahnung wie das geht und so bin ich froh, dass das Seil von oben kommt und ich es irgendwie schaffe mich über die schwere Stelle zu würgen. Bolt Nummer 3 geht ganz locker und bis zu Bolt 4 sind keine Probleme sichtbar. Jetzt stehe ich am Anfang der Schlüsselstelle. Richi hat mir seinerzeit genau erklärt, wie die Stelle zu klettern ist. Ich mache genau das, was er mir gesagt hat und kann mich genau 5 Zentimeter bewegen. „Das wird ein Murks der Obermegaklasse“ denke ich mir bitte Markus, mich abzulassen. Markus ist nun an der Reihe. Er findet überall Tritte und Griffe. Er klettert ohne erkennbare Schwierigkeiten bis zur Crux. Ein klein wenig Üben und – zack – schon ist er am grossen Henkel.

Mein entscheidender Fehler an diesem Tag ist, dass ich in der prallen Sonne durch die Route klettere. Es war einmal mehr meine Gier, eine Route „umsveregge“ klettern zu wollen, koste was es wolle, die mich das machen liess. Es kostete mich derart viel Haut an meinen Fingern, dass sie jetzt extrem berührungsempfindlich sind. Wir alle kennen das. Deine Hand geht zum nächsten Griff und du weisst schon vorher, wie dich die Schmerzen peinigen werden. Die Folge ist, dass das Klettern eigentlich eher einem Schmerzverhinderungs-Gang durch die Hölle ähnlich ist, denn einem guten Boulder-Durchgang. Weich gekocht gebe ich nach einem doch überraschend guten Boulder-Durchgang auf und ich konnte erkennen, dass die homöopathischen Dosis an Griffen und Tritten doch nicht stimmt.


Tag 2: 15. Juni 2013

1 Woche später stehe ich wieder unter der Illusion. Markus und Roland klettern in der Illusion, ich aber beherzige einen Tipp von meinem Mental-Trainer Jürgen und begebe mich hoch zur Daumen Westwand um den Normalweg zu klettern. Es ist phänomenal, woran sich das Hirn innerhalb von Sekunden wieder erinnert, obwohl ich vor 35 Jahren das letzte Mal dort oben gestanden bin. Der Normalweg ist mit 4a bewertet und heute bestens abgesichert. Seinerzeit hatte es eine Rostgurke und irgendwann hatte jemand ein Einsehen und platzierte einen wunderschönen Bolt. Den gibt es immer noch und verrichtet still und geduldig seinen Job. Ich schaue die Route an, hänge mir die Express an den Klettergurt und klettere in wenigen Zügen auf den Gipfel. 
Daumen - Normalweg
Ein wunderbares Gefühl durchströmt mich, als ich mich rittlings wie das letzte Mal vor vielen Jahren auf den Gipfel setze. Frei, losgelöst, einzigartig schön, hoch über den Baumwipfeln und in diesem Ausmass nur auf dem Daumen in Pelzli zu haben. Immer wenn ich hier oben sitze verstehe ich alle Base-Jumper bestens. Es muss ein atemberaubendes Gefühl sein, sich nun in die Luft zu werfen und einem Adler gleich der Erde entgegen zu segeln, eins sein mit den Elementen der Natur, Adrenalin pur, höchste Präzision, eine andere Dimension. 
Als weiteres Nebenprojekt zur Illusion klettere ich an diesem Tag durch die Nordwand des Daumen. Vor vielen Jahren habe ich diese Route noch mit Leiterli bewaffnet geklettert. Heute ist das eine nette Route mit einem etwas schwereren Zug in der Routenmitte und ist bestens gesichert. An diesem Tag, es ist wiederum ein schöner warmer und damit viel zu warmer Tag für das Klettern im Pelzli, bouldere ich nochmals durch die Illusion. Bis auf die Schlüsselstelle gehen alle Züge. Nun heisst es, Geduld zu haben und auf kühle Tage warten.


Tag 3: 11. Januar 2014

Die Wettervorhersage meint, es werde 12 Grad. Es wurden nur 8. Der Wetterbericht meinte, es sei den ganzen Tag trocken. War es nicht!

Zusammen mit meiner guten Freundin Heike verabrede ich mich für einen Tag im Pelzli. Ich möchte testen, ob das Training im B2, welches ich nun schon seit einigen Wochen betreibe, schon etwas fruchtet. An Silvester gelang mir die Route "Grauzone, 6b" in der Tüfleten, also sollte ich nun eine bessere Figur in der Illusion abgeben. Wir sind ganz allein im Pelzli, sagenhaft. Offenbar verirren sich wirklich nur noch die wirklichen Jura-Saurier ins Pelzli. Die Bedingungen könnten nicht besser sein. Wir klettern via den Normalweg auf den Daumen und ich hänge beim Ablassen über die Ostwand das Top-Rope in die Route. 
Daumen Ostwand
Bei der Inspektion muss ich konstatieren, dass es definitiv keine weiteren Griffe und Tritte in der Route gegeben hat. Heike steigt als Erste in die Route ein. Fantastisch wie sie auf Anhieb alle richtigen Griffe und Tritte ohne meine Hilfe findet und schon bald steht sie bei der verflixten Schlüsselstelle. Sie probiert dies, sie probiert das und nach 3 Minuten hat sie eine offensichtlich ganz einfache Lösung gefunden. Nun liegt der Ball bei mir. Ich steige ein. Es ist der Hammer. Ich finde überall Griffe, die ich letztes Jahr nicht annähernd halte konnte und an denen ich mich heute ausruhen kann. Auch das Tritt-Training im B2 zeigt seine Wirkung und so finde ich bessere Tritte als bisher und kann diese deutlich besser belasten. Die Moves gehen richtig gut und nach wenigen Minuten bin ich bei der Schlüsselstelle. Das Gebastel geht wieder los. Heike erklärt mir ihre Lösung, welche ich sofort adaptiere. Und – welch Wunder – einem Engel gleich schwebe ich über die Schlüsselstelle. Vielleicht sind aber auch nicht näher erklärbare Mächte zugange und haben ein Einsehen mit einem alten Jura-Saurier. Es beginnt kurz zu regnen und wir wissen nicht, wie nass denn die Route wird. So entscheidet sich Heike nochmals durch die Illusion zu cruisen und kann sie problemlos im Top-Rope klettern. Ich kämpfe mich auch nochmals durch die Route, rutsche auf den nassen Reibungstritten aus und mache den üblichen Fehler an der Schlüsselstelle und hänge im Seil. Als Antwort auf das erneute Scheitern stelle ich die ganze Bewegungssequenz an der Schlüsselstelle einfach um und siehe da, auch ohne ausserirdische Hilfe kann ich die Stelle klettern.

Wir klettern auf den Kleinen Daumen und Heike begutachtet die Anarchia. Auch hier – fantastisch wie sie nach ein klein wenig Üben die richtigen Griffe und Tritte findet. Ich mag mich noch gut an meinen Trip mit dem jungen Jura-Saurier durch die Anarchia erinnern. Ohne Flaschenzug-Hilfe wäre ich vom Überhang nie weggekommen und wäre höchstwahrscheinlich des Hungers verstorben. 
Anarchia an der Südwand des Kleinen Daumens

Ich entscheide mich, einen Vorstiegsversuch in der Illusion zu unternehmen. Aber - da macht mir die einbrechende Dämmerung einen Strich durch die Rechnung. Alte Jura-Saurier sehen in der Dämmerung nicht mehr so scharf und deshalb entscheide ich mich schweren Herzens nochmals für einen Top-Rope-Durchgang. Alles läuft perfekt. Die Unterarme sind vor der Schlüsselstelle schwer gepumpt, trotzdem ziehe ich durch und kann das erste Mal die Route im Top-Rope durchsteigen.

Friday, December 20, 2013

One of these days...

von Markus 

Das sind sie, diese Tage, die nicht so schnell vergessen gehen. 

Der Wetterbericht sagt für die ganze Woche schönes Wetter voraus. Bereits am Dienstag vereinbaren Chris und ich, dass wir am Samstag zusammen klettern gehen werden. Die Sonne scheint die ganze Woche von einem wolkenlosen Himmel, aber nur bis Freitagnachmittag. Dann ziehen die Wolken auf. Das ist ja noch nicht weiter schlimm. Am Samstagmorgen kommt für alle die grosse Bescherung. Regen fällt auf den gefrorenen Boden und vereist sofort. Blitzeis entsteht. Zudem hängen dicke fette dunkelgraue Regenwolken am Himmel. Zu früh gefreut, denke ich mir und bin sehr enttäuscht. Als Alternativprogramm gehen wir zusammen ins B2 um unsere Muskeln zu stählen. Wir vereinbaren nur ganz wenig zu trainieren, damit wir am Sonntag fit sind. Es gibt eine fantastische Session mit ganz viel Spass, interessanten Diskussionen über Gott und die Welt und unbeschwertem Rumhängen an Boulders und an der Reckstange. Nach 2 Stunden verlassen wir das Capitol of Power und wissen, Sonntag wird ein guter Tag. So zumindest war einmal mehr der Plan.

Wir treffen uns um 10:30 wieder auf P Angenstein. Wir spüren das Training vom Tag zuvor. Es war also doch zu viel und auch die Rechnung haben wir ohne Petrus gemacht. Alles ist nass. Die Strasse ist nass, der Wald ist nass, es hängt ganz viel Feuchtigkeit in der Luft. Das sind jetzt nicht gerade die idealen Voraussetzungen für einen gelungenen Klettertag. Sorgenfalten zieren unsere Gesichter. Beim Umladen des Gepäcks in meinen Wagen erschrecke ich fast zu Tode. Was ist passiert? Ich habe mein Seil zu Hause vergessen! So ein Mist, so ein elender Mist, ärgere ich mich. Wir überlegen hin und her was wir tun sollen und übermütig wie ich bin, sage ich: „Das ist kein Problem. Das wird schon irgendwie gehen.“ Unser Ziel ist klar: Gorges du Court. Chris hat dort wieder so ein Megaprojekt und ich klettere einfach gerne dort. Nach rund 50 Minuten Fahrt parkieren wir das Auto, steigen aus und klappern innerhalb von Sekunden mit den Zähnen. Jesses nei, ist das eine Saukälte. Der Wind pfeift uns um die Ohren. Wir ziehen alles an Kleider an, was wir mit dabei haben und tigern hoch an den Fels. Der Vorteil der Kälte der letzten Tage ist der, dass der Schotterweg wunderbar gefroren ist. Das erleichtert das Höhersteigen enorm, aber ich ahne Schlimmes für den Abstieg. Wir gehen in einen mir bekannten Sektor, aber ich habe dort noch keine Route geklettert. Als wir so beim Fels stehen realisieren wir, wie warm es doch ist. Schnell sind die dicken Kleider abgelegt und wir geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen. Es ist der absolute Wahnsinn. Keine Feuchtigkeit in der Luft, Sonne pur, total trockener Fels, wolkenloser Himmel – was begehrt des Kletterers Herz mehr? Klettern im T-Shirt ist heute angesagt. Das ist einfach wahnsinnig toll, super, schlicht genial. Chris zeigt mir die Routen und kennt natürlich auch die Schwierigkeitsgrade. Ich entscheide mich spontan für eine 6a+ und Chris sagt schlicht nein und zeigt mir eine ganz imposante Linie. 

Gorges du Court - oberer Sektor
Space Flake heisst diese faszinierende Linie und die Flake ist wirklich spacey. Werde ich da je hochkommen? Grosse Zweifel. Das gleiche Spiel wie immer beginnt. Nach wenigen Minuten hängen meine Express in der Route und ich kann meinen ersten Top-Rope Umgang durchkämpfen. Gott sei Dank hängen die Express schon und so kann ich mich an der einen oder anderen schweren Stelle genüsslich über diese hochziehen. Aber dann kommt ein ganz schwerer Moment für mich. Wir wechseln zu Chris Projekt und dafür braucht er sein Seil. Nun ist nichts mehr mit Top-Rope für mich. Ui, ui, ui. Das wird ja noch eine ganz spannende Sache! 

Chris klettert einmal mehr in einer ungemein schwierigen Route mit für mich nicht nachvollziehbaren Zügen. Er bereitet die Route für einen Durchstieg vor. Wie er die Schlüsselstelle klettert, bleibt für mich ein Rätsel. Da hat es einen sichtbaren Griff für die rechte Hand und einen Foothook für das rechte Bein und dann ist Schluss und trotzdem kommt er über die Stelle. Phänomenal. Das ist Klettern der Extraklasse und ist auch ungeheuer intensiv für mich als Sicherer. 

Wir wechseln wieder zurück zu Space Flake. Es wird mir bewusst, dass ich meinem Top-Rope-Hobby dieses Mal nicht frönen kann. Ich weiss nicht wie lange es her ist, seit ich meinen letzten Routen-Boulder-Durchgang hingelegt habe. Es müssen wohl Jahre sein. Nun, es bleibt mir nicht anderes übrig, als mich am scharfen Ende des Seiles durch die Route zu kämpfen. Express 1 und 2 stellen kein Problem dar. Bei Express 3 habe ich dann zum ersten Mal Angst und mache Fehler um Fehler. Das ärgert mich ungemein. Trotzdem kämpfe ich mich weiter nach oben bis zur Schlüsselstelle. Das ist aber eine luftige Sache hier oben, muss ich feststellen. Der Bolt ist etwas gar weit weg und wenn ich den guten Griff nicht erwische, dann tut es anschliessend fürchterlich weh. Uuuuuuhhhh! Mit ganz viel Krampf und noch mehr Kampf schaffe ich es dann doch noch, eine Lösung für die Stelle zu finden. Die letzten Meter bis zum Umlenker sind relativ einfach. Nach ein paar wenigen Sekunden stehe ich wieder neben Chris und ich ärgere mich intensiv, dass ich Trottel mein Seil zu Hause vergessen habe. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich unbedingt noch 2 Top-Rope-Durchgänge abhalten müsste um diese Route klettern zu können. 

Szenenwechsel. Chris steigt in sein Projekt ein und kommt gut voran. Ein schwerer Zug reiht sich nahtlos an den nächsten schweren Zug, die Performance stimmt, alles bestens. Jetzt kommt die Schlüsselstelle. Chris hängt ganz komisch in der Wand, gibt Gas und – zack – ich spüre Zug am GriGri. Schade. 

Gorges du Court - oberer Sektor
Wieder Szenenwechsel. Kein Top-Rope in der Space Flake, was muss ich also wieder tun? Genau, ein Routenboulder steht an. Aber dazu habe ich keine rechte Lust und ich denke: "Versuche es doch einfach einmal. Gib alles und vielleicht klappt es ja auch. Wäre doch noch ein brillanter Abschluss von 2013." Die Route liegt jetzt auch im Schatten und ich kann die Griffe und Tritte viel besser sehen. Die Bedingungen könnten nicht besser sein, allerbestes Kletterwetter und das mitten im Dezember. Sensationell! 
 
So stehe ich da in meiner Kampfmontur mit viel zu weiten Trainerhosen und im T-Shirt, meinen heiss geliebten Five Ten blanco, schaue nach oben und kann mich plötzlich extrem gut konzentrieren. Nichts lenkt mich ab. Express 1 und 2 gehen wieder wunderbar einfach. Express 3 – weshalb hatte ich vorher Probleme? Geht doch ganz einfach! Weiter zu Express 4, den ich besser den je anklettere. Mein Körper funktioniert perfekt, nichts schmerzt mich. Wenn ich Kraft brauche, dann ist sie sofort da. Die Performance ist auch gut, ich renne sprichwörtlich die Route hoch bis zur Schlüsselstelle und realisiere erst jetzt, wie gut ich unterwegs bin. Das wird heute noch was, ich weiss das. Die Rastposition ist nicht ganz so ideal, trotzdem kann ich mich gut ausruhen. Ich weiss, dass ich nun alles geben muss, damit ich die Schlüsselstelle klettern kann. Noch einmal konzentriere ich mich und klettere bis zur Ausgangslage unmittelbar vor der schweren Stelle. Mit der linken Hand greife ich an einen grossen und richtig guten Griff. Nun fängt die Bastelei mit den Füssen an. Die einstudierte Lösung wird nicht zum Erfolg führen, merke ich sofort. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als umzustellen. Ich brauche relativ lange dafür, der linke Unterarm ist schon arg gepumpt. Endlich passt alles zusammen und dann springe ich an einen grossen Griffen, den ich gut erreiche. Der ganze Körper schwingt jetzt natürlich nach und so hänge ich fast wie Stefan Glowacz auf seinem berühmten Bild an einer Hand mich haltend in der Luft. Ein Supergefühl! Schnell greife ich mit der linken Hand nach, kontrolliere die Situation und klettere sicher über die Schlüsselstelle. Yes! Das war's. Der Rest der Route geht im Rausch der Endorphine unter. Sensationell. 

Nach dem Einsammeln der Express sitzen wir noch kurz in der langsam untergehenden Sonne und geniessen deren letzte Strahlen. Wir wechseln wieder zu Chris Projekt. Dieses Mal funktioniert alles fehlerfrei. 

Das war wieder einer dieser Tage, an dem man mit flauen Gefühl und ohne Erwartungshaltung an den Fels geht und es sich dann als der perfekte Tag herausstellt. Einfach etwas Mut haben, an den Fels gehen und versuchen. Den Verstand ausschalten und dem Herz gehorchen und schon geht manches besser. 

Wenn mir Mitte Jahr jemand gesagt hätte, dass ich Ende Jahr wieder eine 6b an einem Tag klettere, dem hätte ich schlicht nicht geglaubt. Ich fand im Frühjahr nicht zu meinem Rhythmus, auch hat sich das Fernbleiben von einem regelmässigen Training nicht optimal auf die Performance ausgewirkt. Alles ging ganz langsam aber sicher den Bach runter und das Klettern interessierte mich nicht mehr sonderlich. Es war der Weckruf im Frankenjura, intensive Diskussionen über Sinn und Unsinn des Kletterns und die unglaublich wertvollen, motivierenden und überaus lustigen Trips mit Chris in die Gorges du Court, welche mich wieder hungrig auf mehr gemacht haben. Es macht wieder unendlich viel Spass im B2 hart zu trainieren und fit zu werden. Deshalb freue ich mich sehr auf das kommende Jahr und es geistern wieder viele, wohl wieder viel zu viele Projekte in meinem Hirn herum.

An dieser Stelle möchte ich mich bei all meinen Mitstreitern und Mitkämpfern für ihre wertvolle Unterstützung bedanken. Ohne euch wäre es mir nicht möglich gewesen, 2013 so positiv abschliessen zu können. Danke.
Allen Blog-Leserinnen und Blog-Lesern wünsche ich frohe Festtage und einen guten Start ins 2014!

Sunday, October 27, 2013

Jura-Saurier in der Gorges du Court

von Markus


Drrrr. Was war denn das? Ich schaue auf mein Büropult und sehe nichts. Drrrr hat es aber klar und deutlich vernehmbar gemacht. Wenn der Laptop durchzudrehen droht, dann dreht zunächst nur der Ventilator in ungeahnte Drehzahlen und macht nicht Drrrr. Was war denn dieses Drrrr? Ach ja, das könnte ja auch mein Handy gewesen sein, fällt es mir ein. Ich nehme es in die Hand und tatsächlich, ein SMS ist eingetroffen. Es ist die Anfrage zum gemeinsamen Klettertag in der Gorges du Court. Unschwer errate ich den Absender der SMS, es ist der junge Jura-Saurier.

Sofort ist klar worum es geht und ich freue mich unglaublich, nach über einem Jahr wieder zusammen mit Chris klettern gehen zu können. Begeistert sage ich zu und auf der Zugfahrt von Bern zurück nach Basel überlege ich, wann wir zum letzten Mal zusammen klettern waren und im ganz Speziellen, wo wir das letzte Mal zusammen am Fels unterwegs waren.

Der Leser dieses Blog erinnert sich vielleicht noch an meinen Eintrag von letztem Jahr mit dem Titel Update - April bis Juni 2012, welchen ich anfangs Juli 2012 ins Netz stellte. Damals notierte ich, dass der junge Jura-Saurier repariert werden müsse. Dies ist schon lange geschehen und die etwas an der lokalen Kletterszene interessierten Mitkämpfer wissen natürlich längst, dass der junge Jura-Saurier zu alter Stärke zurückgefunden hat. Ein Blick auf den Liveticker lässt dies unschwer erkennen.

Es ist kein Zufall, dass wir wieder zusammen an den Ort unseres letzten Abenteuers zurückkehren, zu schön ist die Kletterei in der Gorges du Court und unglaublich hart das Projekt von Chris. Es verschlägt mir wirklich jedes Mal den Atem, wenn ich am Standplatz stehe und Chris seine perfektionierten Kletterzüge absolviert.

Paroi des Romains
So sensationell gut die Routen in der Gorges du Court sind, für mich hat es dort nicht so unheimlich viel zu tun. Gut, es gibt einige elegante und schöne Routen im 6b/6c-Bereich, aber 6b ist halt schwer und ich bin noch schwerer. Allerdings, das gebe ich offen zu, der Trip in den Frankenjura hat mich schon wieder hungrig auf mehr gemacht. In der Fränkischen war ich wieder knapp an 6b dran und vielleicht liegt ja mit etwas mehr Training auch wieder eine 6b+ oder gar 6c drin.

Die Wettervorhersage für den 12. Oktober 2013 ist alles andere als gut. Es soll ein Gut-Wetter-Fenster zwischen 12 Uhr und 18 Uhr geben. Wir treffen uns um 11:15 Uhr auf P Angenstein und wenige Sekunden später führt uns der Weg in die Gorges du Court. Auf dem Weg wischen die Scheibenwischer literweise Regen von der Windschutzscheibe. Wir fahren einfach weiter und tun so, als ob uns der Regen überhaupt nichts angeht. Die Fahrt vergeht in gefühlten 10 Sekunden. Wir haben uns viel zu erzählen und speziell die Geschichten die Chris über seine Trips nach Flatanger zum Besten gibt sind so faszinierend, ich könnte stundenlang zuhören.

Farbenpracht im Herbst (Danke Chris)
Just in dem Moment als Chris das Auto parkiert, hört es auf zu regnen und die Sonne lacht vom Himmel. Schnell packen wir trotzdem unsere ganz warmen Sachen in den Rucksack und machen uns auf den Weg. Ein erster Blick hoch zu den Felsen lässt das Herz tanzen. Zumindest die projektierte Linie von Chris ist absolut trocken. Es gibt nicht eine nasse Stelle in der ganzen Wand. Aber das ist leider nur ein Teil des heutigen Plans und wir hoffen einfach, dass im auch für mich kletterbaren Teil des Klettergebietes alles ok ist. Bald schwitzen wir in unseren warmen Kleidern, denn die Regenwolken sind alle verschwunden und die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel. Plötzlich ist es fast schon heiss, denn angenehm kühl. Nach 10 Minuten stehen wir beim Pilier Le Grec. An diesem Pfeiler befindet sich eine 6a+, welche ich schon einmal im Top-Rope geklettert habe. Die Hakenabstände erfordern doch etwas Mut und ich fühle mich mental noch nicht bereit, diese Schwäche anzugehen. Gerade links davon gibt es laut Chris eine schöne 6b+. Von unten sehe ich, dass es jura-untypisch in regelmässigen Abständen Bohrhaken in der Route hat. Wenn ich mich also entscheiden sollte, diese Route zu projektieren, dann müsste ich mental nicht ans Limit gehen. Chris steigt die Route in seiner gewohnt souveränen und ruhigen Art vor und schon bald hängt das Top-Rope für mich. Das ist das grosse Problem, wenn ich mit derart guten Kletterern unterwegs bin. Ich erkenne nicht, wo die Schlüsselstelle in einer Route ist. Bei Spitzen-Kletterern wie Chris sehen die Bewegungen in einer 8b exakt gleich ruhig, überlegt und konzentriert aus wie einer 5b. Das wird ja noch eine spannende Sache werden, so denke ich mir.

Marc sichert - Jurasaurier bastelt (Danke Chris)
Nun gut, ich binde mich ins Seil ein und Chris meint, dass ich beim ersten Durchgang keine grosse Freude an der Route haben werde. So kam es dann auch, denn schon nach wenigen Metern wusste ich weder ein noch aus. Aber mit der puren Freude im Herzen überwand ich auch diese erste für mich komplexe Stelle auf irgendeine Art und schon bald stand ich vor der Abschluss-Wand. Die Moves gehen gut, bis auf den mutigen Griff in einen patschnassen Griff und entsprechend flauem Gefühl im Magen. Wenige Sekunden später stehe ich wieder am Anfang von der Route und sage: "Das ist jetzt mein Projekt". Endlich, nach vielen Monaten habe ich mich durchgerungen und für mich ein Projektziel definiert. Chris ist überglücklich, denn er weiss nun, dass er jemanden hat, den ihn in die Gorges du Court begleitet.

Chris klettert standesgemäss durch "Smoke and Fly" und anschliessend bin ich mit einem weiteren Besichtigungs-Rundgang an der Reihe. Ein paar Fragen bleiben noch, aber es bleibt dabei: Ja, diese Route werde ich bald klettern können, dafür brauche ich nicht 5 Tage!

Wir wechseln hinüber zur Paroi des Romains und damit zu Chris Projekt. Einmal mehr klettere ich diese etwas spezielle 5b-Seillänge und hangle mich anschliessend am Seilgeländer zum Stand. Schon wenige Minuten später ist Chris für einen weiteren Versuch in La Cathédrale L3 bereit. Ready, Steady, Go. Was ich dann sehe, verschlägt mir den Atem und die Sprache. Statt auf irgendwelchen mit viel Aufwand produzierten HD-Filmli den Protagonisten unseres Sport zusehen zu müssen, sehe ich echtes und ehrliches Hochleistungs-Klettern in Reinkultur. Sensationell! Chris erreicht einen neuen Höhenrekord in der Route, doch leider stürzt er am allerletzten aber unglaublich schweren Zug. 

Perfektes Klettern in perfektem Fels

Eine lange Pause wird gut tun, also seilen wir uns wieder mitten aus der Wand ab und wechseln zu meinem Projekt. Ich bin zwar schon etwas müde, kann aber die Route im Top-Rope mit einem Hänger klettern. Ein gutes Gefühl überkommt mich. Ja, die Route geht. Noch einmal darf ich Sportklettern der Extraklasse, vorgeführt in einer grandiosen Umgebung, geniessen und schon bricht langsam die Nacht herein. Im letzten Tageslicht erreichen wir das Auto und es beginnt wieder zu regnen. Diesen Tag haben wir optimal ausgenützt.

Für Samstag, den 19. Oktober ist schönes Herbstwetter und bestes Kletterwetter angesagt. Wir treffen uns wieder auf P Angenstein. Dieses Mal begleitet uns Marc in die Gorges du Court. Es wird ein guter Tag werden, beste Bedingungen. Ich hege die Hoffnung, zumindest einen guten Versuch in meiner Route hinzulegen. Nach 45 Minuten Fahrt parkiert Chris seinen Wagen und wenige Minuten später sind wir am Fels. Einmal mehr darf ich vorzüglichen Formel-1 Service der Extraklasse geniessen, denn Marc klettert, wie sich das für ein Balmchopf-Triologist gehört, onsight durch meine Route und schon hängt das Top-Rope.

Der Balmchopf-Triologist in Action (Danke Chris)
Schnell bereite ich mich für einen letzten Sightseeing-Durchgang vor und los gehts. Das Alter schlägt zu und so habe ich doch meines Erachtens zuviele ausgeboulderte Stellen schlicht vergessen. Chris surft durch die Route und ich kann mir noch ein paar bessere Lösungen für meine Problemzonen ansehen und merken. Dann geht es Schlag auf Schlag. Marc erlebt Türkische Wochen im Jura und ich stürze beim allerletzten Move im ersten Go. Ich bin schon etwas enttäuscht, gleichzeitig aber auch stolz. Denn zum ersten Mal seit 15 Monaten klettere ich wieder 6b+ und zum ersten Mal seit Jahren fliege ich aus einer Route. Ich bin nun motiviert und weiss, dass ich diese Route klettern kann, noch am gleichen Tag! Nach einer guten Pause bin ich wieder an der Reihe. Ich steige ein, aber die Nervösität hat mich schwer im Griff. Alles zittert ein klein wenig und ich bin unkonzentriert. Es kommt natürlich genau so, wie es kommen muss bei solchen Voraussetzungen. In der Mitte der Route ist alles aufgebraucht, die Moral, die Kraft, das Wollen. Ich greife mit der falschen Hand an einen guten Griff, realisiere diesen Fehler und kann ihn nicht mehr korrigieren. Es geht einfach nicht. Oder will ich einfach nicht? Enttäuscht von mir selber setze ich mich ins Seil und Marc lässt mich wieder zurück auf den Boden. Ja, etwas sehr viel Motivation hat dieser Fehlversuch schon gekostet.

Unmittelbar vor der Abschlusswand (Danke Chris)
Nach einer weiteren guten Pause binde ich mich zum dritten Mal ins Seil für einen Vorstiegsversuch ein. Alles ist wieder ok. Die Batterien sind wieder etwas aufgeladen, das Wollen ist wieder zurück und die Route liegt jetzt auch im Schatten. Langsam mache mich mich auf den Weg. Die ersten 3 Bohrhaken klippe ich ohne grosse Anstrengung. Jetzt kommt die schwierige und unübersichtliche Stelle, meine ganz persönliche Problemzone. Etwas mulmig ist mir schon, als ich den ersten Move hinlege, doch dann plötzlich läuft es wie von selbst. Die ganzen einstudierten Sequenzen reihen sich erfolgreich aneinander. Das Klettern macht höllisch Spass. Seit Monaten habe ich mich nicht mehr so wohl am Fels gefühlt. Super. Schon bald bin ich bei der Abschlusswand. Ich weiss, da muss ich nochmals tüchtig Gas geben. Wie von meinem Trainer vor über 10 Jahren gelernt, nehme ich die bestmögliche Ruheposition ein und warte so lange, bis mein Puls wieder ok ist und ich nicht mehr keuche wie ein Ochse auf dem Feld.

Nach geschätzten 5 Minuten fühle ich mich für den Gipfelsturm bereit. Die Konzentration ist da, der Wille, die Route zu schaffen ist da. Das einstudierte Programm läuft ab. Zuerst mit der rechten Hand ein 2-Finger-Loch blockieren. Sauber hinstehen, Gewicht auf die Füsse bringen. Express klippen. Mit dem Mittelfinger der linken Hand ein scharfes 2-Finger-Loch und mit dem Ringfinger "auffüllen". Belastung halten. Mit der rechten Hand nun an einen etwas abschüssigen Griff. Mit dem linken Fuss auf einen kleinen Tritt, mit rechts auf einen noch kleineren Tritt. Nun mutig mit der linken Hand hoch an einen weiteren abschüssigen aber guten Griff. Gewichtsverlagerung einleiten, damit das Gewicht sauber auf beide Füsse weggestanden wird. Mit der rechten Hand hoch zur linken Hand. Mit der linken Hand weiter an einen runden Griff. Mit der rechten Hand nun hochgreifen an einen Griff für das erste Fingerglied. Körperspannung halten. Nicht mit den Armen ziehen. Mit den Beinen hochdrücken. Nun mit rechts über Kreuz an sehr guten Griff, anschliessend mit der linken Hand an nicht ganz so guten Griff knapp oberhalb der rechten Hand. Die Füsse auf bessere Tritte etwas weiter oben stellen, Körperspannung halten und doch flexibel bleiben, Körper durchdrücken und nun mit rechter Hand an Abschlussgriff. Umlenker klippen. YES! Das war für mich eine der besten Routen seit sehr langer Zeit.

Ohne die so positive Aura, den Formel-1 Support und die selbstlose Art von Chris und Marc wäre aber dieser Erfolg nie möglich gewesen. Daran erkennt man die wahren Freunde. Euch beiden herzlichsten Dank!