Monday, September 26, 2016

Round up - Up to magic climbs!

by Chris

Ha, ha – no blog from me in a long time…

Too lazy, too busy – so many weak excuses.

So what I have to do now is a short round up of what happened in the last 10 month. Ouff!

From time to time it can't get any better. For years I ran from one cliff to the next, just to bang my head against their walls. I often wondered why it felt so hard. Frustration first - but a very precious experience at least. And suddenly everything clicks together. Pure joy and a memory for the rest of your life.Here is what has happened:


Gimmelwald

Last fall I spend some time in Gimmelwald to test out the wonderful Truemmelbach 8b+, in my opinion one of the nicest climbs ever in its grade.
Portrait of Truemmelbach/Gimmelwald... look at the amazing features!
It consists of a weird boulder problem in the beginning and after a half-comfortable knee-bar-rest you have to fire the afterburner for the resistant upper part. There you face an interestingly slippery open pinch and some shaky and hard drop-knees. You can almost hear the meniscus aching. 
Ambiance of Gimmelwald
Being not that good in bouldering I had - guess what - some trouble in that boulder. But I know for myself, that I only need to be patient to find my personal beta. With my fat fingers and relatively short arms I often create new beta – good for me, but not useful for others. There is one good hold that you get right hand with all the 'official betas'. I take it left hand. At least I can say, that I believe in individuality.
The beautiful hike to the cliff
The second last or even last move has spit me off about seven times. It felt close, but two days not being able to link the boulder brought me back to earth… and then I sent, when I should not. Usually there is an unwritten rule, that climbing in Gimmelwald two days in a row is a no go. But exactly this I did – to find myself on the tophold on the first try of the second day. It was a result from a mix of dedication and luck. Boum, lucky man I am!

Pioneering and bolting - always a part of the game. This is an new open project in Gimmel around 8c+/9a...

St. Lèger

One month later I headed down to South France only to find myself again in the beautiful valley of the river Toulorenc with its great cliffs on both sides – St. Lèger is one of my all-time favorites, although it's powerful style reveals relatively quick my limits. Somehow I had good vibes and sent the enormous roof of Collection Automne Hiver 8b/b+ in an epic battle.
'Collection Automne Hiver' leads in a direct line and straight through the left big hole
 The first and very physical part at 8b was so strenuous that - after I linked it for the first time - I feared to continue in the technical moves of the second part at 8a. There is a very good rest – still not a no hand – so I prayed almost 40 minutes for a good end. It paid off and I managed the awkward moves on little edges. It was really overwhelming to clip the chains. 

Great moments! I am so grateful to see and feel those. It's still an exciting experience to be in a process and keep it together. When everything fits and it clicks...


Letting flow

The winter got a bit too wet. But still I had a nice sending spree of some beautiful 8a+ to name St. Linya Dreams, a good training combi at Muggeberg close to Basel and Melodie pour un ami ardechois on a short christmas trip to St. Lèger. The latter is excellent and consists of three parts with different climbing styles. Physical, technical and committing.
Jacoterie in the late autumn mist
Not to forget the fabulous Jakodur 2015, a route bolted by the incomparable Julo Zambetti at Jacoterie, one of the superbeautiful little limestone cliffs in the hidden valleys of the Jura around Moutier and Delémont. 
Julo tries 'Jacodur 2015' 8a+ at Jacoterie

Unexpected...

After sending Les épinards aux violettes on a short trip again to St. Lèger - is there any other crag? - and as a preparation for the big easter trip, my whole climbing came to an abrupt halt with a severe flu that hold a long time. Positive or negative – a sickness means time out and watch what has happened. Again time to identify some of these terrible enery absorbers in life - as so often in work when there is more to do than you should for your health. A challenge to deal with. No whining - one must solve the problem. Solution is the key. Don't wait. Only myself can change it!

After a slow recovery I travelled around a bit, having short visits of new areas to get some inspiration for future projects. Really annoying was the terrible weather and the seeping cliffs everywhere. This forced me to practice more indoor bouldering than I usually wish to do. My motivation was a bit low. But in the end this was my luck for an incredible week that came in August.

Thursday, August 18, 2016

Handeck

von Markus

Entgegen der ersten Annahme, ist die Bräune der Unterarme einem satten rot gewichen. Der Handflächen grosse blaue Fleck auf der linken Fudibacke  ist klar und deutlich spürbar. Die Sonne wärmt auch Tage später noch meinen Nacken. Die Fingerkuppen sind dran. Definitiv. Denn bei jedem Tippen auf der Tastatur trifft ein kleiner Schmerzindikator im Hirn ein. Die Zehen – wie nicht anders zu erwarten – auch die Zehen schmerzen und geben unmissverständlich bekannt, dass ein einzigartig schönes und wunderbares Wochenende in den Bergen hinter mir liegt.

Vorbereitung und Anreise

Am Freitagmorgen packe ich mein Kletterzeug zusammen. Das Auto füllt sich bis unters Dach. Doch bevor es an den Fels geht, darf ich am Sommer Team-Event unserer Firma teilnehmen. Pünktlich um 09:45 Uhr treffe ich in Sarnen ein. Es ist kalt, neblig und es regnet ganz leicht. Doch der Wetterbericht ist einzigartig gut für das Wochenende. Es wird klappen und ich werde nach 5 Jahren wieder einmal die Motorräder auf der Grimselpass-Strasse geniessen können. Zu allem Überdruss ist der Team-Event ein richtig guter Event und ich lerne die Vor- und Nachteile der agilen Softwareentwicklung kennen. Mit diesem Vorgehen wird auch in der  Informatik alles gut. Oder zumindest  - anders. Die Wettervorhersage stimmt und um 16:30 Uhr, pünktlich zum Meeting-Ende, lacht die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Es wird deutlich wärmer. Abends wird uns im Jugendstil-Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft ein wunderbares mehrgängiges Menü serviert. Mann, geht es mir gut, alles ist bestens und der Ausblick auf eine tolle Klettertour lässt das Herz höher schlagen.

Am nächsten Morgen sitze ich um 9 Uhr (endlich mehr als 6 Stunden Schlaf) am Frühstückstisch und geniesse den wunderschönen kühlen Morgen. Alle um mich herum bibbern vor lauter Kälte, ich fühle mich pudelwohl in meinem Biopren-Anzug. Um 09:55 Uhr „sharp“ verabschiede ich mich mit quietschenden Reifen Richtung Grimsel. Ich habe mich um 11 Uhr zum Kaffee mit Jürgen im Hotel Handeck verabredet. Zusammen planen wir an diesem Wochenende für uns Grosses zu vollbringen. Vor ein paar Monaten habe ich das Topo der Route „Schiefer Traum“ an der Spiegelwand am Handeck auf Filidor gefunden. Saniert sei die Route und toll. Den „Schiefen Traum“ wollte ich 1980 klettern, kurz nachdem die Route eröffnet wurde. Doch fand ich keinen Kletterpartner, der dieses ambitionierte Vorhaben mit mir angehen wollte. So blieb es beim Wollen und jedes Mal, wenn ich an der Handeck unterwegs war, jedes Mal schaute ich sehnsüchtig die Spiegelwand hoch. Das Alter macht neben mir auch an den Bohrhaken nicht halt und so wurde aus dem Traum ein ewiger Traum, ein verpasstes Ziel. Deshalb freute ich mich umso mehr, als ich mit Jürgen einen mir lieben Freund fand, der mich durch die Linie begleiten wollte. Der Sonntag sollte der grosse Tag sein!

Doch zunächst geht es darum, den Samstag optimal zu nutzen. Wir beiden sind noch nie durch die Handeckverschneidung geklettert und so war sofort klar, dass diese Tour das Tagesziel sein sollte. Auch mussten wir uns wieder an die Kletterei im Granit gewöhnen und ganz speziell ich ans Klettern in Mehrseillängen-Routen. Das ist halt schon anders, als nach einem ultimativen Go in einer harten Route im Basler Jura mit müden Armen im kühlen Wald zu sitzen und dumme Sprüche zu klopfen. In einer Mehrseillängen-Route darf die Konzentration nie abreissen, Körper und Geist sind immer auf „On“. Diese Anspannung braucht viel Energie. Etwas Sorgen bereitet mir der Umstand, dass die Route vollständig von der Sonne beschienen wird und es definitiv keinen Schatten hat. Ich kenne meine Kletterschwäche bei warmen Temperaturen nur zu gut. Doch an diesem Tag muss die Sonne unbedingt in die Route scheinen, denn ein breiter Wasserstreifen verläuft ganz knapp neben der Route über die Wand. Werden wir die Route klettern können?

Anstieg

Es gibt nur einen Weg dies herauszufinden. Wir schultern die Rucksäcke und nehmen den Aufstieg unter Schusters Rappen. Schon bald sind wir beim Einstieg zum „Engeliweg“ und sind schweissnass. Kein Wind weht und die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. Zu allem Überdruss liegt der Einstieg zur Route nochmals rund 50 Meter höher und etwa 200 Meter weiter rechts. Jürgen pflügt sich locker durch das mannshohe Gras und bei mir meldet sich die übliche Schwierigkeit mit meiner Fehlsichtigkeit. Ich kann relativ schlecht einschätzen, ob der Fuss nun auf dem richtigen Tritt ist und so kann es immer wieder vorkommen, dass das Auge und das Gefühl sagen „Ja, alles ok“ und die Wahrheit heisst „Abrutschen“. Jeder Brillenträger kennt dieses Problem, welches ganz speziell bei Gleitsichtgläsern auftritt. Aber ohne die Teile auf meiner Nase geht es halt nicht mehr. Nach gefühlt 1 Stunde Kampf mit den Elementen (es waren in Tat und Wahrheit 15 Minuten) komme ich endlich auf dem Band gleich unterhalb des Einstieges an. Der Schweiss tropft von der Stirn, die Augenbrauen vermögen das Wasser nicht aufzuhalten und so läuft mir der Saft direkt in die Augen. Kampfpause. Der Wind frischt auf und nach 10 Minuten fühle ich mich wieder fit. Ein Blick in die Route zeigt, dass die Chance für einen Durchstieg bei 50:50 liegt. In der dritten Seillänge reicht das Wasser bis auf wenige Zentimeter verdächtig nah an die Route. Was tun? Wir entscheiden uns, eine lange Pause einzulegen und die Sonne ihren Job machen zu lassen. Will heissen, sie soll das Wasser aus der Route dampfen.

Eine Familie aus Tschechien startet in ihr Vergnügen im gleich neben der Handeckverschneidung liegenden Quarzriss. Wobei ich dann doch ganz verdutzt bin, dass der Vater und die Mutter eine Seilschaft bilden und die beiden Jungs die andere. „Chapeau“ denke ich und „hoffentlich kommt das alles gut“. Denn aus Erfahrung kenne ich den Quarzriss und weiss, dass da der eine oder andere Runout lauert.

Wir losen aus, wer mit der Route beginnen soll. Ich darf wählen und so entscheide ich mich sofort für die erste Seillänge. Über meine Entscheidungsschnelligkeit bin ich noch heute überrascht.
 
Blick in die Handeckverschneidung
Die Route

1. Seillänge, 4c

Da stehe ich nun, fully loaded mit high professional gear an meinem Gurt, angeseilt, der Chalkbag offen, den ersten Bolt habe ich auch schon im Blickwinkel, ready to go. Es gibt eine klitzekleine und unbedeutende Anfangsschwierigkeit: wie bekomme ich es fertig, meine Kletterschuhe so anzuziehen, dass ich nicht grad im Schlamm versinke? Ich wähle die Saurier-Version, d.h. einfach mal direkt los. Nach langem Hin und Her sind dann die Schuhe an den Füssen und der Gummi total nass. Das kann ja noch heiter werden…. Etwas hilflos versuche ich den Gummi irgendwie trocken zu bekommen – geht einfach nicht. Dann hilft halt nur noch eines: Mut. Mit pitschnassen Sohlen stehe ich nun auf dem ersten Tritt. Mit noch etwas mehr Mut setze ich mich in Gang und komme beim ersten Bolt an. Endlich kann ich die Sohle trocknen und unbeschwert weiterklettern. Die Seillänge ist herrlich zu klettern, das Herz jubelt. Nach 40 Metern komme ich an einen bequemen Stand und sichere Jürgen.

2. Seillänge, 5a

Jürgen klettert locker durch die Seillänge, die an Genialität kaum zu überbieten ist. Es ist grossartige und wunderschöne Verschneidungskletterei, die es zu bewältigen gilt.



3. Seillänge, 5c

Bewährungsprobe! Das Wasser läuft ganz nah an der Verschneidung über die Platten. Hhmmm….. das wird nun ganz spannend! Am Stand flachsen wir rum und Jürgen meint, dass wir mit unseren dicken Bäuchen nun absolut im Vorteil seien. Denn Gewicht bringt Reibung und davon bräuchte es hier nun umso mehr. So starte ich wohlgemut in die Seillänge und kämpfe mich in fast schon perfekter Verschneidungstechnik immer höher. Geniale Züge reihen sich nahtlos aneinander. Wie immer suche ich den nächsten Bolt, finde ihn auch und frage mich ernsthaft, ob ich nun jetzt einen „Buck in der Linse“ habe. Anstatt eines Bohrhaken-Plättli sehe ich einfach eine kleine Schlinge im Wind baumeln. „Aha“, denke ich mir so, „ja wenn es nur so eine Schlinge gibt, dann gibt es halt nur so eine Schlinge und die wird schon halten“. Sie muss mich aber nicht halten, denn das Klettern macht derart viel Freude, ich fühle mich absolut sicher. Aus einer guten Kletterposition heraus sehe ich, dass exakt dort, wo eigentlich der Kletterschuh für die notwendige Reibung stehen sollte, exakt dort läuft das Wasser über die Platten. Das lässt nun die Sache nicht einfacher werden. Ich weiche dem Wasser so gut es geht aus, bis zum dem einen Tritt. Den rechten Fuss platziere ich so, dass das Wasser exakt 1 cm rechts und links vom Schuh herunterläuft, denn es gibt wider Erwarten eine kleine Stelle ohne Wasser. Ich suche nach Griffen, es hat aber keine. Nun ja, der Bolt ist auch etwa 3 Meter weiter unten, das lässt das Herz höher schlagen. Sofort erinnere ich mich an Jürgens Satz und dann gilt es. Beherzt positioniere ich mein etwas erhöhtes Gewicht auf den Fuss, mit dem Körper lehne ich mich stark an die Wand links von mir und erhöhe die Reibung enorm. Ich erhöhe sie so sehr, dass ich weder runterfliege, noch dass ich höher komme. Irgendwo finde ich einen winzigen Griff und kann mich aus dieser etwas unbequemen Situation befreien. Herrlich! Am Stand freue ich mich riesig, diese super Seillänge fehlerfrei begangen zu haben.

4. Seillänge, 4a

Wo Wasser ist, ist auch Leben. Wo Wasser ist, gedeiht auch Gras. Jürgen hat das etwas spezielle Vergnügen, sich durch das Gras zu kämpfen. Das ist nicht lustig und zu allem Übel ist der Standplatz auch nicht angenehm. Nun denn, ist halt so.

5. Seillänge, 5c+

Ich stehe am Beginn der letzten Seillänge der Handeckverschneidung. Der zweite Bolt gibt die Richtung vor: nach rechts auf die Platte ohne Griffe und Tritte. Langsam und konzentriert gehe ich die Seillänge an. Alles ist bestens, die Konzentration ist da, die Power ist da. Ich fühle mich wirklich gut und stark. Ich klinke den zweiten Bolt und weiss, dass jetzt eine wirklich schwierige Stelle kommt. Schnell finde ich die Lösung. Es gilt, mit dem rechten Fuss in die Platte zu stehen und den Körper ganz langsam gegen rechts zu verlagern um zu einem hoffentlich guten Griff zu kommen. Sofort beginne ich mit der Umsetzung meines Planes. Der Griff ist doch etwas weiter weg, als was ich geschätzt habe! Mit der linken Hand finde ich einen winzig kleinen runden Griff, eher eine Unebenheit. Konzentration! Der rechten Fuss steht perfekt, der linke Fuss ist in der Luft, mit der linken Hand ziehe ich den Körper etwas nach rechts und gelange mit der rechten Hand zu einem recht guten Griff. Mann, das war ein super Move. Yes! Konzentriert klettere ich weiter und gelange in die Schlussverschneidung. Es warten schwarzer, griffiger Granit mit guter Reibung und für die Hände der perfekte Riss auf mich! Ein Blick nach rechts zum Stand des Quarzrisses lässt mir ein „oh Jesses“ entfahren. Ein Seilpuff der Güteklasse 1a sehe ich dort. Ich klettere weiter in der Verschneidung bis ich nach rechts zum Stand abzweigen muss. Es gilt nochmals eine heikle Stelle zu meistern und dann stehe ich am Stand des Quarzrisses! Yes! Geschafft! Genial! Schnell hole ich Jürgen an den Stand hoch. Eine geniale Route liegt hinter uns!

Abstieg

Das Seilpuff beschäftigt uns sicher 20 Minuten und die Mutter ist froh, dass wir ihr helfen. Bevor die Kids sich abseilen, kontrolliere ich alles etwa 5x um sicher zu sein, dass auch alles ok ist. Endlich wird es ruhiger und bequemer am Standplatz. Natürlich trage ich den Durchstieg ins Routenbuch ein. So etwas muss notiert werden! Das Abseilen geht flott vonstatten und schon bald stehen wir wieder am Wandfuss.

Abspann

37 Jahren Warten. 37 Jahre hat es gedauert, bis ich diese wunderschöne Route klettern konnte, bis alle Puzzleteile perfekt zueinander gepasst haben. Den mühsamen Abstieg durch das mannshohe Gras realisiere ich nicht mehr. Ich kann das Glück kaum fassen, dass mir/uns die Route gelungen ist. Zur Krönung gibt es das beste Abendessen und die beste Flasche Wein, die man sich vorstellen kann. Glücklich, zufrieden und müde gehe ich ins Bett und schlafe tief und fest.

Jürgen, erst du hast mir dieses Abenteuer ermöglicht und mich einen meiner grössten Träume verwirklichen lassen. Dafür möchte ich mich bei dir aufs Herzlichste bedanken. Danke!

Wednesday, April 20, 2016

Top-Rope

von Markus

Eine unwahrscheinlich harte Arbeitswoche liegt hinter mir. Als ich im Zug sitzend in Basel ankomme, freue ich mich jedoch sehr auf das nun kommende Fest. Es ist der 1. April (kein Scherz), Freitagabend und kurz vor halb acht Uhr treffe ich in der Wohnung von Marc ein. Er feiert seinen Gebrutstag und ich darf sein Gast sein. Es kommt exakt so, wie es nicht anders zu erwarten war. Es wird ein durch und durch fröhliches und gelungenes Fest und hier nochmals ein herzliches Dankeschön, dass ich diesen wunderbaren Abend zusammen mit dir und deinen Freunden verbringen durfte.

Entgegen den Erwartungen komme ich am Samstagmorgen gut aus den Federn und ich freue mich auf einen Klettertag an der Falkenfluh. Die Falkenfluh gehört nun nicht zu meinen Lieblingsgebieten. Zu oft hat mir der Fels sprichwörtlich die Krallen gezeigt und mich auch in einfachen Routen abblitzen lassen. Doch allein die Aussicht nach einer Woche ohne Fels- oder Plastikberührung endlich wieder Klettern gehen zu können, löst in mir Glücksgefühle aus.

Der Fels ist trocken, beste Bedingungen. Ich habe nicht den Hauch einer Idee, was ich denn nun an der Falkenfluh unternehmen will. Der Kopf ist leer und es ist kaum Energie vorhanden, in irgendeine schwere Route einzusteigen. Ich bin einfach nur glücklich hier zu sein und es braucht nicht einmal Felskontakt um vollkommen zufrieden zu sein. Doch einfach nur hier sein und nichts machen - das ist nun auch nicht mein Ding. Wenn schon - denn schon. Ideen müssen her und schon bald werde ich fündig: „Feierabendriss“ - in der Fluebible mit 5a bewertet. Diesen Riss habe ich schon vor Jahrzehnten geklettert, ich muss mich aber sehr anstrengen um herauszufinden wann das war. Ich mag mich noch an folgende Kombination erinnern:

- Rotes Karohemd der Marke Ultradick (es musste ja lange halten!)
- Beigefarbene Manchester-Kniebundhose Marke „Eigenbau“ (es durfte nicht teuer sein)
- Schwarze und äusserst schwere Bergschuhe (die mussten ewig halten)
- Schwarz-rote Socken (definitiv nicht rote!)
- Ein grauenhaft langer Anstieg (von Duggingen hoch...)
- Schweissnass
- Sonne, Hitze
- Höllenrespekt
- 2-Gang Töffli der Marke Condor Puch, Farbe blau
- Roland S. (Töffli Marke Ciao, Farbe Orange), Peter (Velo) und Olivier (Velo)
- grünes 40 Meter Seil, 11 Millimeter dick
- Sonntag

Voller Freude tigere ich zum „Feierabendriss“ und werde allein schon beim Anblick des Risses einmal mehr sehr ehrfürchtig. Da bin ich hochgeklettert? Sagenhaft! Ich war seinerzeit schon ein mutiger Kerl! Und heute? Bin auch mutig?

Ich bin sehr glücklich, dass Jüschi mir in seiner gewohnt lockeren und souveränen Art die Express in die Route hängt und ich mich mit einem Seil von oben in die Route wagen kann. Top-Rope, herrlich, angenehm! Herrliche Kletterei erwartet mich bis....exakt bis zu diesem einen nun umgebogenen Hartstahl-Haken, an dem ich seinerzeit mit meinen Leiterli gehangen bin und von dort auch in perfekter A1-Manier mich bis zum Ausstieg hochgezittert habe.

Mich fasziniert immer und immer wieder die Fähigkeit unseres Gehirns. Da stehe ich nun auf einem heutzutage richtig grossen Tritt (seinerzeit muss das eine äusserst schmale Leiste gewesen sein) und erinnere mich innert Millisekunden an die Zeit von vor 40 Jahren. Da ich in der Computer-Industrie arbeite und mir die Leute immer wieder erzählen, dass die Computer sehr bald so gut sind wie unser Gehirn (Stichwort: autonomes Fahren) ziehe ich in solchen Momenten immer Vergleiche – leider mit dem Computer immer als grossem Verlierer. In solchen Momenten stelle ich mir immer wieder vor, wie viel Aufwand es wäre, solche Erinnerungen, auf irgendeinem Medium aufgezeichnet, wieder abzurufen. Die Antwort ist ganz einfach: Schlicht unmöglich. Es geht ja noch weiter. Ich stehe so auf dem Band und erinnere mich an die Hitze, ich spüre die Wärme der Sonne auf dem viel zu dicken Hemd, ich spüre wie die Füsse in den Wollsocken im Schweiss ertrinken, ich spüre, wie der Durst die Kehle austrocknet und ich spüre auch die Angst, die ich seinerzeit hatte. Unser rund 1500 Gramm schweres hochentwickeltes Organ im Kopf wird noch über Jahrhunderte jedem Computer dramatisch überlegen sein. Das ist zumindest zu hoffen.

Es gelingt mir, die Rätsel der Route zu entschlüsseln um sie rotpunkt klettern zu können. Doch ein zweiter Top-Rope-Durchgang muss zwingend sein, um die gefundenen Lösungen nochmals überprüfen zu können. Für die für mich nicht ganz so einfache Schlüsselstelle (Risskletterei – meine „Spezialität“) finde ich eine mir passende Lösung mit einem traditionellen Beinklemmer. Das gibt Sicherheit. Noch im zweiten Top-Rope-Durchgang entscheide ich mich, dass ich einen Vorstieg in dieser Route definitiv vertagen werde um mit einem dritten sehr guten Top-Rope-Durchgang die Erkenntnisse zu sichern und um zufrieden nach Hause gehen zu können.

Wie ich so mit Jüschi rede und das Seil so im Top-Rope hängen sehe, erinnere ich mich an eine klare Aussage von Marc. Ich als Top-Rope Fanatiker kann der Aussage zwar zustimmen, aber wo Marc recht hat, da hat er recht. Die Aussage erinnert mich irgendwie an die Emotionslosigkeit des Terminators von 1984. Der sagte nicht viel. Doch was er sagte, das war dann schon sehr relevant. Wir alle kennen den Satz "I'll be back" und was danach geschah. So verhält es sich auch mit den zwei Sätzen. Die sind ganz einfach, kompromisslos und glasklar

Es gibt keine guten Top-Rope-Versuche. Top-Rope ist immer eine Niederlage.

Oha! Was ist zu tun? Mit einer Niederlage nach Hause gehen? Irgendwie regt sich nur ganz schwacher Widerstand gegen die sich abzeichnende Niederlage. Eine solche Niederlage ist jederzeit problemlos verkraftbar. Oder doch nicht? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich dem ersten Satz zustimmen. Es kann wirklich keine gute Top-Rope Versuche geben. Es kann nur gute richtige Versuche geben! Ich überprüfe nochmals die Sicherheits-Situation in der Route und entscheide mich für einen Vorstieg. Noch beim Gang zum „Feierabendriss“ wird mir mulmig im Magen. Doch da kommt aus einer anderen Ecke des gleichen Gehirns der Satz „sei doch nicht immer so ein elender Schisshas“

Ein letzter Sicherheits-Check, die Schuhe machen sich angenehm schmerzhaft bemerkbar und los geht die Reise. Ja, und es kam, wie es kommen musste. Ich konnte alle neu gelernten Bewegungen erfolgreich und fehlerfrei aneinandersetzen und den „Feierabendriss“ nach rund 40 Jahren auch rotpunkt klettern. Beim Durchstieg wird mir bewusst, welch wunderschöne Linie der „Feierabendriss“ ist - um Jüschi zu zitieren: eine echte „King Line“

Wie immer, war Richi der Erste, welcher diese Route rotpunkt durchsteigen konnte. Dies war im Jahr 1976 und er bewertete die Route richtig mit 5a. Weshalb 5a oder besser mit V? Seinerzeit war klar, dass ein Riss nie mehr als V sein kann. Und aus V wurde dann 5a. Aber dieses 5a aus dem Jahre 1976 hat nicht viel mit dem 5a aus dem Jahre 2016 gemeinsam.

1 Woche später bin ich wieder mit meinen Freunden an der Falkenfluh unterwegs. Immer noch hallt der Satz „Top-Rope ist immer eine Niederlage“ nach und so entscheide ich mich nach über 40 Jahren auch den Santa-Maria-Riss direkt im Vorstieg ohne vorheriges Top-Rope zu klettern. Einmal mehr schwappen die Erinnerungen aus längst vergessener Zeit zurück in mein Leben, als ich bei der Schlüsselstelle statt in einem Leiterli stehend, diese grossen Tritte und Griffe für das Weiterkommen benütze. Es ist herrlich, durch den Santa-Maria-Riss zu surfen und einfach nur geniessen zu können.

So hat die Saison 2016 für mich bestens begonnen und ich freue mich auf ein paar interessante und spannende Abenteuer. Der Pläne und Ideen sind viele… 

Und vielleicht gibt es ein paar gute Top-Rope Durchgänge weniger. Ich arbeite daran. Versprochen.

Saturday, April 16, 2016

Salamander

von Markus

Der alte Jurasaurier an der Schlüsselstelle (Danke Richi)
...und jetzt mit der rechten Hand weiter zu gutem Griff, mit links an das offensichtliche Einfinger-Loch, den Körper näher an die Wand ziehen und es fällt mir nur noch ein literarisches Meisterwerk ein:

Hier steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.

Faust. Eine Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe. Eine andere Tragödie wiederholt sich bei mir ein weiteres Mal. Planlos hänge ich an der Schlüsselstelle und wünsche mir sehnlichst mein Leiterli zurück. Leiterli zählen seit 1977 in dieser Route nicht mehr! Die vorausgesagten Regentage werden mir helfen, im B2 die notwendige Fingerkraft für diesen Zug anzutrainieren. Aber – was ist passiert?

Ja, es ist eine nicht zu unterschätzende Crux. Soll ich nun über das Erlebte etwas schreiben? Ist es  nur für mich spannend? Ist es für die Allgemeinheit spannend? Soll ich einfach dieses Abenteuer für mich behalten? Jedoch ist es so, dass sich verticalsoul immer mehr zu meinen Memoiren entwickelt und die Geschichte vom "Salamander" gehört nun einfach einmal dazu, zu intensiv ist die Beziehung zu dieser Route.

Es ist Samstag, der 6. Februar 2016 um ca. 12 Uhr. Roland U. und ich stehen unter der Route "Salamander" an der Ingelstein. Bereits im Herbst 2015 hatte ich die Idee, nach Jahrzehnten wieder die Route anzuschauen um meinem seinerzeitigen Scheitern noch tiefer in die Augen sehen zu können. Aber – so frage ich mich – war die Route immer schon so hoch? Da habe ich mir aber wieder ein schönes Projekt angelacht...

Salamander an der Ingelstein
Auf meine eigentümliche Art wird das Top-Rope installiert. Erst beim Ablassen wird mir bewusst, dass das 70-Meter-Seil eventuell nicht reichen könnte - eine neue Dimension der Herausforderung. Bis dato hatte ich immer das Vergnügen, mit meinen Gspänli auf einem bequemen Band mitten in der Route einen wohlverdienten Standplatz zu geniessen und mich zu verpflegen, bevor die zweite Seillänge in Angriff genommen wurde. Ich hatte immer den Job gefasst, den Rucksack mit an den Stand zu bringen.

Der "Salamander" hat für mich eine unglaublich intensive Geschichte. 1978 – Richi hatte die Route bereits rotpunkt geklettert und den damals üblichen roten Punkt an der Wand angebracht - wollten Roland S., Peter, Olivier und ich auch die Route klettern. Rotpunkt – natürlich. State of the Art! Meine Freunde waren mir in Sachen Klettern deutlich überlegen. Jetzt weiss ich einfach nicht mehr, ob sie die Route je rotpunkt klettern konnten oder nicht. Jedoch weiss ich ziemlich genau, dass ich nie, aber auch überhaupt nie irgendwas in der Route zustande brachte. Ich kletterte sie immer im Nachstieg, mit ganz viel Seilzug und immer mit Leiterli bewaffnet. Das gab mir ein gutes und sicheres Gefühl, machte mich zum Favoriten des Rucksacktragens (aka Sherpa) und ich kam auch immer bis ganz oben.

So stehen Roland U. und ich unter der Route und fragen uns, wie denn überhaupt in die Route eingestiegen werden soll. Gemäss meinen Erinnerungen geht die Post gleich ganz unten ab. Heute jedoch sehe ich die Route mit andern Augen. Getreu der Information von Richi – "wir wollten einfach hochkommen, die Schwierigkeit war uns egal" – sehe ich links den offensichtlichen Einstieg. So klettern wir locker flockig bis zum 3. Bolt und dann ist für beide erst mal Schluss. Irgendwie wursteln wir uns über die Schlüsselstelle um den oberen Teil dieser wunderschönen Route klettern zu können. Es wird Rissklettern verlangt – meine absolute Spezialität. Einmal mehr bleibe ich mitten in diesem vermaledeiten Riss stecken und komme weder hoch noch fliege ich raus. Blockade total. Irgendwie gelingt es mir dann doch der Befreiungsschlag und ich kann weiterklettern. Kurz vor dem Umlenker kommt eine knackige aber faszinierend schöne Stelle. Beim Ablassen ist für mich klar: diese Route ist absolut genial, da bleibe ich auf jeden Fall dran.

Aus free climbs im Basler Jura 1979 (Danke Richi)
In der Zwischenzeit ist auch Richi bei uns und erzählt die ganze spannende Geschichte der ersten freien Begehung der Route. Fasziniert höre ich ihm zu. Er erzählt so lebendig und lustig, sodass ich mich ganz einfach in diese längst vergangene Zeit zurückversetzen kann. Wir lachen viel. Er nimmt die Fluebible in die Hand und liest aus Seite 261 vor:

Erster Nachtrag: Bei der ersten Freibegehung wurde tatsächlich irgendwie "beschissen": Um den entscheidenden Tritt an der Schlüsselstelle besser fassen zu können, entledigte sich der Begeher eines Schuhs, um mit dem grossen Zeh...

Richi bestätigt, dass der Schuh einfach zu gross war und die einzige Lösung tatsächlich darin bestand, den Schuh nicht zu gebrauchen. Er meint auch, dass es sehr schmerzhaft gewesen sei. Seeehr schmerzhaft. Äusserst schmerzhaft. Ich schaue mir den Tritt genauer an und allein schon der Gedanke, mit dem blossen Zeh.....Jesses nei....!

Ich steige ein weiteres Mal im Top-Rope in die Route ein und finde für alle schwierigen Stellen gute Lösungen. Auch bleibe ich nicht mehr im Riss stecken, sondern klettere – wie sich das eigentlich immer schon angeboten hat – ausserhalb des Risses hoch. Einzig die Schlüsselstelle will mir nicht sauber gelingen, da fehlt es schlicht und einfach an roher Kraft.

Ein wunderbarer Tag mit vielen Eindrücken und weit über 100 Klettermeter in den Knochen geht zu Ende und ich freue mich jetzt schon riesig, bis ich wieder an der Route arbeiten kann.

Thursday, March 24, 2016

Donna Corazon – a little four pitch adventure

written by Chris

Donna Corazon / Gorges du Court
Imagine a challenging mulitpitch climb almost without an access hike. For those living in the northwestern part of Switzerland this means on one of your days off work or possibly without work you can allow yourself a long sleep, celebrate an extended breakfast and then take the little journey into the heart of the Jura-Range inbetween Saignelegier, Biel and Basel to arrive around noon. There is such one route in the Gorge du Court close to Moutier.


In 2015 Tina and me bolted the 120 m line of Donna Corazon, taking 4 pitches in the range from 7a+ up to 7c on the obvious and prominent pillar leading up right of the classic 'Grande dièdre' and directly to the top of the Paroi des Romains. The 15 minutes hike in is pretty well survivable for weak legs.

Taking into account that the typical Jura-type of rock on the Romains wall isn’t always the best, we decided to bolt it perfectly as a sports route. That doesn’t mean the climb is brittle everywhere – most parts of the route offer excellent limestone – but there is a possibility of snapping little flakes. Take 15 quickdraws and you can go full power and risk. The route isn’t dangerous (depending on what you do in your own responsibility) and the climbing full fun.

Donna Corazon L1 - 7c
The type of climbing itself is technical and surprisingly resistant. Not to forget the exposure and steepness but with the luxury of comfortable belays. So you don’t have to deal with hanging fatigue. A bit tricky is the rope handling and you face intermediate pitches.

So an unusual day out with a bit of adventure is guaranteed.

The best is to explain the single pitches and with a correct use of this manual you shouldn’t encounter severe problems.

Donna Corazon L2 - 7a+
Pitch 1 – 7c: The first 8 m of 6c-ish will not be ones favorite. Then the fun starts: from the little ledge you start into the bulge on (reinforced) underclings as for the crux with some violent moves. Some tricky and technical moves lead you to easier terrain along a crack wich you exit on the left when you opt for better rock. 

Once you’ve reached the belay, you can either lower off as for a ‘normal’ sports climb or you continue up along the fixed rope over the ‘jardin’ until a tree, from where you belay the second (Intermediate-Pitch 1A – dotted line in the topo). Then follow the fixed rope up to left to a perfect belay on a sweet ledge and under a roof. Bolted by Tina, I like to mention that this pitch is one of the rares in the Jura and elsewhere that has been entirely equipped by a woman!

Donna Corazon L3 - 7b+
Pitch 2 – 7a+: This is a Fontainebleau-Pitch, meaning you have to compete with bouldery moves on incredible slopey rock. Don’t cheat and climb into the dirt on the left, which is neither fun nor safe. The rest of the pitch is easy beezzy…

Pitch 3 – 7b+: Okay, the first 4 meters are really brittle. But I guarantee all bolts are in solid rock and all the correct and important hand- and footholds are good quality. So open your eyes! The following dihedral is climbed via it’s left hand side until you reach a good stance. The following slab with the crux is excellent! When you reach the golden chain with a carabiner take a right- and downward traverse (5b) till the obvious arrete with a perfect belay around the corner. 

Donna Corazon L4 - 7b
Now the trick: the follower let the rope in the carabiner on the golden chain and clips a long quickdraw into his/her harness and the rope leading to the belay on the right. In doing so you stay safe and in a case of a fall you avoid a big pendulum swing and crash into the big dihedral on the left. Once both leader and second have reached the belay, the second has to tie off and pull the ropey and then tie in again. Now traverse easy terrain 10 m to the right for another good belay (Intermediate-Pitch 3A – dotted line in the topo).

Pitch 4 – 7b: Up and slightly right of the arrete in crazy exposure and good rock over delicate and technical moves until easy climbing to the very top. On the right you see old pitons of a last century adventure techno climb.

In May 2015 and together with Tina I completed the route in doing all pitches on lead and redpoint on a cloudy afternoon after a good sleep in the morning and an extended breakfast before heading into this nice little adventure.

Saturday, January 23, 2016

Ein Weihnachtsgeschenk - Reise in die Vergangenheit

von Markus

Es war schon immer mein Traum, just am 24. Dezember bei uns in der Gegend klettern gehen zu können. Vor vielen Jahren traf ich knapp daneben. Zusammen mit Christof war ich am 23. Dezember an den Felsen von Todtnau unterwegs. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Tag.

Das Auto parkten wir auf dem Parkplatz beim Schwimmbad. Das Thermometer zeigte stolze -2 Grad an. Vom wolkenlosen Himmel schien die Sonne auf die Felsen und liess den Granit einzigartig leuchten. Es war schon etwas seltsam, den Weg unter die Füsse zu nehmen. Wir kleideten uns ein, als unternähmen wir eine Expedition an den Nordpol. Kurz nachdem der Weg einen steilen Schwenker nach rechts macht, standen wir vor dicken Eiszapfen, ein ideales Trainingsgebiet für den modernen Eiskletterer. Der ganze Weg war mit dickem Eis überzogen. Jeder normale Mensch hätte daraufhin die logische Entscheidung getroffen wieder umzukehren. Christof und ich gehören aber nicht zu den normalen Menschen und so rutschten und schlingerten wir den Weg hoch, immer kurz vor dem ultimativen Abgang hinunter in den noch jungen Bach mit Namen Wiese. Endlich gelangten wir in die Sonne und die Nordpol-Expeditions-Klamotten brachten uns zum Schwitzen. Wir kämpften uns hoch bis zum Fels, wo warme Luft, strahlende Sonne und angenehm temperierter Fels uns empfingen. An diesem Tag kletterten wir viele Routen und ich konnte es nicht lassen, nur mit einem T-Shirt bekleidet ein paar harte Moves zu unternehmen. Es war ein unvergesslicher Tag und voller Freude denken wir heute noch an jenen Tag zurück, wenn wir unsere gemeinsamen wilden Tage Revue passieren lassen und in der Kiste der gemeinsamen Abenteuern herumkramen.

Der schöne Herbst 2015 liess in mir diesen Wunsch wieder erwachen. Klappt es? Klappt es nicht? Die Zeichen stehen plötzlich sehr gut. Doch einfach nur draussen klettern, das ist das eine. Welche Route sollte es denn sein? Im Herbst war ich mit Roland nach langer Zeit wieder am Gempen unterwegs. Dabei wurde mir wieder bewusst, welch schönes Schmuckstück uns Mutter Natur vor die Haustüre gestellt hat! Lange Zeit war ich nicht mehr in der Ostgruppe unterwegs, da es für mich dort nur unkletterbare Routen gibt. Wobei – die leichten Routen habe ich alle geklettert! Zum Teil in „Adidas Rom“-Turnschuhen (ich konnte mir keine EB leisten und sie waren gar nicht so einfach zu bekommen), free solo, hoch und runter. Es hatte ja keine Haken in den Routen und Angst hatte ich auch keine. Das hat sich in der Zwischenzeit alles geändert. Alles! An den ersten Felsen ganz vorne sind die Routen „Acte sans parole“, „Casse pied“, „Scritti Politti“ und „M3“.
 
Die Route „Casse pied“ liegt mir seit den späten 70er Jahren schwer auf dem Magen. Was habe ich mich da abgemüht. Mit Bollerschuhen an den Füssen habe ich versucht, den Einstieg zu klettern. Gott sei Dank gab es diesen – in der Zwischenzeit etwas zurückgeschlagenen – Haken, an dem ich mein Leiterli einhängen konnte. So konnte ich im Top-Rope um den heute nicht mehr existierenden morschen Baum herum mit ganz viel Zug von Peter und Roland diese Route klettern. Am Samstag, 19. Dezember 2015 war ich nach über 35 Jahren endlich erfolgreich. Rotpunkt – wie es sich gehört und ohne Bollerschuhen, dafür mit in der Zwischenzeit sich zu Clown-Schuhen vergrösserten 5.10. Beim Durchstieg habe ich mich allerdings etwas über mich selber geärgert. Wenn ich die Route früher geklettert hätte, dann hätte ich mich nicht mit den bis auf Stufe „Marmor“ polierten Griffen und Tritten auseinandersetzen müssen. Es ist die übliche Story über das Wenn, Dann, Wäre. Konjunktiv. Nun denn, ist halt so. 

Es war dieser Tag im Dezember, der mir diesen einen lang gehegten Wunsch plötzlich in den Bereich aller Möglichkeiten rücken sollte. Die Route ist gleich links von „Casse pied“, heisst „Scritti Politti“ - benannt nach einer 1978 in Liverpool gegründeten New Wave Band - und wurde 1980 von Richi erstbegangen. Auch hier mag ich mich an meine ersten Versuche in der Route erinnern. Ganz weit oben war eine Schlinge als Sicherung angebracht. Bis dorthin gab es keine Sicherungspunkte - und weiter oben auch nicht. Natürlich wollten Peter, Roland und ich die Route 1980 auch klettern. Peter und Roland hatten bereits EB und waren nach absolvierter Panzergrenadier-RS topfit. Irgendwann schafften die beiden die Route im Top-Rope und im Vorstieg. Mir blieb es versagt, überhaupt die ersten 20 Zentimeter klettern zu können. So blieb die Route immer ein Projekt für mich. Auch in den 00er-Jahren, nachdem ich nach langer Pause wieder mit dem Klettern begonnen hatte, versuchte ich diese Route, kam aber nie über den ersten Meter hinaus. Seither habe ich die Route nicht mehr versucht und doch jedes Mal beim Vorbeigehen sehnsüchtig angeschaut und gedacht: „Ach, das wäre schon super, diese Route zu klettern. Aber ich schaffe das wohl einfach nie.“

Die Frage steht im Raum: ist es möglich, dass ich „Scritti Politti“ am 24. Dezember werde klettern können? Die Schwierigkeit ist mit 5c+ angegeben. Eine 5c+ aus den 80er Jahren hat so seine Tücken. Nach erfolgreichem Durchstieg von „Casse pied“ stand ich unter der Route, sah mir diese genauer an und wusste: „Ja, das kann ich“.

Es ist Donnerstag, der 24. Dezember 2015, Heiligabend. Morgens arbeite ich noch von 7 bis 10:45. Um 11 Uhr hole ich Roland ab. Um 11:30 stehen wir unter den Routen „Floh“, „Block links“ und „Block mitte“. Die Sonne scheint angenehm warm. Wir klettern uns in diesen 3 Routen ein. Alles ist bestens, alles ist gut. Um ca. 12:30 stehen wir unter „Scritti Politti“. Kurz darauf hängt das Top-Rope in der Route. Eigentlich sollte die Route gleich auf den ersten Go gehen, das Hirn spielt aber wieder einmal mehr verrückt. Mind over Machine! Roland checkt die Route aus, wir finden Lösungen. Nun bin ich dran. Ich steige in diese in meiner Erinnerung grauenhaften ersten Moves ein und wider Erwarten kann ich alle diese ganz schweren Züge auf den ersten 2 Metern auf Anhieb klettern. Etwas gepumpt aber überglücklich hänge ich im Seil. Ich weiss, ich kann diese für mich brettharten Züge klettern, keine Frage. Just in dem Augenblick kommt Richi um die Ecke geflitzt und ruft zu mir: „Klettere doch den Original-Einstieg! Der ist 1 Meter weiter links“. Völlig verdutzt über diese Information checke ich noch den oberen Teil der Route aus. Sollte alles plötzlich ganz viel einfacher gehen, jagt es mir durch den Kopf. Hätte ich die Route vielleicht schon viel früher klettern können?

Kaum auf dem Boden realisiere ich die Einmaligkeit der Situation. Da steht der Erstbegeher vor mir, gibt mir Tipps und erzählt die ganze spannende Story der Route und seiner damaligen Zeit. Erinnerungen! Einmal mehr werde ich mir bewusst, wie wertvoll Richi für das Klettern im Basler Jura war, ist und noch ganz lange bleiben wird und welches Glück ich habe, ihn zu kennen. Gibt es ein schöneres Weihnachtsgeschenk, als am 24. Dezember bei besten Bedingungen ein über 35 Jahre altes Projekt erfolgreich mit der Unterstützung des Erstbegehers abzuschliessen?

Ich checke den Original-Einstieg aus und tatsächlich wird die Route nun zum wunderbaren 5c+-Juwel. Herrliche Züge an grossen Griffen, genauso wie ich es mag. Richi verlässt uns und anschliessend klettern Roland und ich fehlerfrei durch die Route. Ein lang gehegter Wunsch wurde Wirklichkeit und es durchströmt mich nach erfolgreichem Durchstieg einmal mehr Glück und Zufriedenheit.

Wir packen die Rucksäcke und bringen das Material zum Auto. Für mich ist es obligatorisch, den wunderbaren Ausblick vom Gempen hinunter ins Laufental zu geniessen. Die Sonne trägt ihren Teil zu einem wunderschönen Klettertag bei. Mit einem herrlichen Sonnenuntergang verabschiedet sich der Tag an dem ich mir selber ein einmaliges Weihnachtsgeschenk selber schenken durfte. 

Und noch etwas lerne ich an diesem Tag. Die Route „Floh“ heisst deshalb „Floh“, weil dies der Name der Katze war, welche seinerzeit bei Richi an der Feldbergstrasse wohnte und – so meine ich mich richtig zu erinnern – von den Nachbarn vergiftet wurde. Früher war also auch nicht alles besser…

Thursday, December 31, 2015

Goldener Herbst

von Markus

Phänomenal. Einfach phänomenal. Besser geht nicht. Es kann nicht besser werden, nein. Damit meine ich natürlich nicht meine Leistungen beim Klettern. Beim Klettern gibt es bei mir noch ganz viel Steigerungspotenzial. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und so hege ich die leise Hoffnung, dass bis ganz zum Schluss doch noch etwas aus mir wird. Das B2-Abo habe ich in der Zwischenzeit auch wieder verlängert. So schnell gebe ich nicht auf.
 
Falkenfluh
Phänomenal ist das Wetter, sind die Bedingungen am Fels. Trocken, sehr angenehm und ganz viel Grip. Ich erinnere mich noch gut an meine Ferien von Anfang Oktober. Nass, kalt, windig, der Herbst kündigte sich an und ich hatte schon den Trainingsplan fertig entwickelt. Normalerweise feiere ich meinen Geburtstag anfangs Dezember bei Regen, Schnee oder sonstigem Sauwetter und das Training dauert von Mitte Oktober bis zu dem Moment, an dem ich dann definitiv überhaupt keine Lust mehr für ein Training entwickeln kann. Das ist irgendwann im Februar, spätestens jedoch im März. Dann treibt es mich auch bei Regenwetter raus. Das ist die gute Sache, wenn man sein eigener Trainer ist. Da kann der Trainer ganz spontan entscheiden, was sein Schüler zu tun hat und kann noch spontaner den Trainingsplan umgestalten. Der Trainer hört sehr gerne auf seinen Schützling.

Und just zu dem Tag, als ich mich wieder mit der Arbeit beschäftigen durfte, startet der Herbst sein Feuerwerk.

So gibt es von mir nicht viel zu berichten, die grossen Projekte habe ich vor einiger Zeit abgeschlossen. Jetzt geht es darum, das Leben und das Klettern in seiner ganzen Fülle und Einmaligkeit zu geniessen. 

Wenn der 5b-Kletterer dem 8b-Kletterer...
Ich verbrachte manch schönen Nachmittag in der von mir nicht gerade bevorzugten Falkenfluh, durfte Simon unterstützen und zusammen mit ihm einmal mehr die unglaubliche Faszination Sportklettern in Reinkultur erleben. Zusammen mit Roland ging ich ein paar Herausforderungen an, die nun auf dem Scheiterhaufen der gescheiterten Projekte vor sich hinbrennen. Erfolgreich war ich bei ein paar Uralt-Projekten aus meiner Anfängerzeit. An den Südwänden der Santelhöchi konnte ich bei schönstem Wetter und prächtigsten Herbstfarben unter anderem die wunderschöne Route „Traumtanz“ klettern. Am Gempen, an einem strahlend schönen Mittwochnachmittag, konnte ich endlich die Route „Rock shames“ gleich rechts von „Sen“ durchsteigen. Ein Geburtstagsgeschenk, welches ich mir selber machen konnte.

Faszination Sportklettern. Simon in "Le paradis sur terre"
 
Farbenflash auf dem Nachhauseweg von der Santelhöchi

La Jacoterie - Sektor Marco
Einen weiteren wunderbaren und fast schon sommerlich warmen Tag in „La Jacoterie“ (oder doch Charcuterie?) konnte ich mit „Ici et maintenant“ abschliessen. Das ist eine traumhaft schöne Route mit dem richtigen Namen. Es wird immer gesagt, man soll das Hier und Jetzt leben. An diesem super Tag zusammen mit Chris gelang mir dies vorzüglich.
 
Auch der Muggeberg war ein Ziel in diesem Herbst. Zusammen mit Martina und Chris durfte ich einmal mehr herrliche Stunden verbringen und mein Projekt – die leichteste Route am Mugge – weiter bearbeiten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf – diese 6a werde ich dann auch noch irgendwann schaffen. Und sei es nach einem stahlharten Training und monatelangem Extrem-Stretching. Diesbezüglich müssten sich der Trainer und der zu Trainierende endlich einmal an einen Tisch setzen und sich einigen.

Ich könnte jetzt noch lange über das schöne Wetter, super Trainingspläne, gekletterte Routen und Projekte schreiben, interessieren tut das ja eigentlich niemanden. 

Doch dann begann eine für mich wunderbare Geschichte ihren einzigartig schönen Lauf zu nehmen. Dazu demnächst mehr...