Sunday, January 8, 2017

"Meister Franz" am Brüggler

von Markus

Der Brüggler
Weihnachten 2016 sind vorbei. Für mich ist es klar, dass ich im Alten Jahr zur Arbeit gehe. So ist es geplant, so möchte das mein Arbeitgeber und so ziehe ich es auch durch. So ist der Plan. Am Dienstag, 27. Dezember fahre ich denn auch artig mit dem Zug nach Bern und treffe 2 Leute im Grossraum-Büro. Nach ca. 1 Stunde sind wir dann schon genügend Leute um einen Jass klopfen zu können. Draussen ist herrliches Wetter. Eigentlich müsste ich draussen klettern. Eigentlich. Am 28. Dezember fahre ich wieder ins Büro nach Bern. Etwas stimmt einfach nicht und ich weiss auch genau was.

Am Donnerstag, 29. Dezember um 9 Uhr treffe ich Richi in Oberwil. Zusammen fahren wir an den Brüggler. 1980 war ich das letzte Mal zusammen mit Roland S, Olivier T. und Peter R. am Brüggler. Wir kletterten seinerzeit durch die „Kleine Verschneidung“. Diejenigen, welche sich die Mühen des Lesens meiner etwas lang geratenen Blog-Einträge auf sich nehmen wissen, welche Bedeutung dieser Tag hat. Unbeschreiblich viel! Richi. Brüggler. Etwa 1976. Der Blog-Eintrag heisst: In die Vergangenheit und zurück

Das Thermometer im Auto zeigt minus 2 Grad. Es ist kalt, auch ich ziehe die langen Unterhosen an. Einmal mehr ist am Himmel keine Wolke zu sehen, die Sonne lacht von einem stahlblauen Himmel. Wir packen die Rucksäcke und starten mit dem Aufstieg. Eine Stunde wird dieser dauern. Das hat mir Richi versprochen. Der Aufstieg dauert exakt eine Stunde. Das geübte Auge von Richi erkennt schon von Weitem, dass auch viele andere Leute das prachtvolle Wetter für eine Tour am Brüggler nützen.

Richi hat sich für den Klassiker "Meister Franz" entschieden, eine Route, welche von Franz Anderrüthi erschlossen wurde. Auf Wikipedia steht folgendes zu Franz:

Pionier des Extremkletterns in der Schweiz
Legendär sind seine Haken mit dem Initial FA, die man noch heute auf klassischen Routen findet.

Eine dieser wunderschönen Seillängen!
Vor dem "must have climbed once in a lifetime" Quergang in der 5. Seillänge (Danke Richi)
Und tatsächlich. Während der fantastischen Kletterei durch "Meister Franz" finden sich solche Originale! Irgendwie macht es mich stolz und glücklich, dass ich auf den Pfaden von Franz klettern kann. Und immer wieder erinnere ich mich an 1976. Ich habe es nie zu erträumen gewagt, auch nur einmal mit meinem Idol aus jungen Jahren am Brüggler zu klettern. When a dream comes true! 

Les Sommêtres


An Silvester gehen wir zusammen an Les Sommêtres bei Le Noirmont klettern. Bestes Wetter, bester Fels, beste Bedingungen, beste Klettereien und eine Fahrt durch den wunderschönen Jura runden das Jahr 2016 vollkommen ab-


Saturday, January 7, 2017

Eulengrat

von Markus

Es ist schon eine Weile her, seit ich über den Eulengrat im Solothurner Jura geklettert bin. Geblieben ist mir: unerträglich heiss, unerträglich schwerer Rucksack, nicht enden wollender Abstieg quer durch den Wald. Schweissnass. Ein schreckliches Mühsal. Was der Eulengrat sonst noch zu bieten hat, ist im Dunkel des Vergessens verschwunden.

Es ist der 10. Dezember 2016. Zusammen mit dem jungen Jura-Saurier möchte ich nach dem Abenteuer an der Roggenfluh und der Egerkinger Platte nochmals eine Mehrseillängen-Tour im Jura unternehmen. Mir sind schon lange die Ideen ausgegangen, umso glücklicher bin ich, dass Chris die Lösung kennt und sich für den Eulengrat entscheidet. Euphorie ist anders, doch bin ich der Meinung, dass jeder eine zweite Chance verdient - auch der Eulengrat.

Auf der Nordseite des Jura scheint die Sonne von einem stahlblauen und wolkenlosen Himmel. Es wird ein guter Klettertag werden. Glücklich und zufrieden fahren wir von Basel in Richtung Belchen-Tunnel. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Wir fahren durch den
Beim Parkplatz
Tunnel und erschrecken - dichter Nebel. Sollen wir es trotzdem wagen? Die grauen Hirnzellen werden angestrengt und es wird gerechnet. Der Einstieg zum Eulengrat liegt bei knapp 900 Meter über Meer. Die vom Wetterdienst angesagte Nebelobergrenze liegt bei knapp 900 Meter. Eigentlich sollte es gehen. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt! Die Nebel liegt dick und zäh über dem Mittelland. Wird unsere Rechnung aufgehen?

Auf dem Weg zum Parkplatz wird der Nebel noch dichter, wir sehen kaum die Hand vor den Augen. Wir parkieren das Auto, steigen aus und klirrende Kälte empfängt uns. Doch – was sehen wir da? Wir sind offenbar an der Nebelobergrenze angekommen, die Rechnung ist aufgegangen. Zusammen mit Chris verbringe ich einen wunderbaren Tag im Solothurner Jura. Es ist niemand weit und breit zu sehen, es ist herrlich ruhig. Bevor wir den Eulengrat angehen, klettern viele kurze und gut abgesicherte Routen. Die Sonne wärmt angenehm. Es ist der herrliche Tag hoch über dem Nebel, den wir uns erhofft haben. Der Eulengrat selber gibt sein Bestes und nutzt seine zweite Chance.

Einklettern vor dem Abenteuer am Eulengrat (Danke Chris)

Freude herrscht.... (Danke Chris)







Schönheit, wie sie nur die Natur zustande bekommt (Danke Chris)

Monday, January 2, 2017

Trilogie + 1: Dritter Streich

von Markus

Es ist der 8. Oktober 2016, zwei Streiche haben Richi und ich bereits hinter uns. Wird es einen dritten Streich geben? Ich lasse mich überraschen.

Treffpunkt ist wiederum Oberwil. Die Regenwolken hängen nicht ganz so tief wie in der vorherigen Woche. Sie sind aber da und sie sind nicht zu übersehen. Das Auto fährt einmal mehr Richtung Courrendlin. In Delémont hellt sich der Himmel auf. Der Plan ist sofort klar: Arête Speciale. Juhui! Nachdem es die Woche vorher nicht geklappt hat, wird es dieses Mal klappen. Bestimmt! Wir fahren nach Moutier, parkieren das Auto und ziehen die Kletterausrüstung und die warmen Kleider an.

Der Arête Spéciale von Moutier aus gesehen
Seit vielen Jahren bin ich nicht mehr am „Spez“ geklettert, ich freue mich riesig. Der Weg zum Einstieg hat sich ziemlich verändert seit ich das letzte Mal Anfang der Nuller-Jahre hier war. Eine neu gebaute Via Ferrata bietet eine gute Einstimmung auf die kommende Kletterei. Wieselflink klettern wir über den Klettersteig zum Einstieg und machen uns bereit. Es vergehen wenige Minuten und Richi klettert die erste Seillänge hoch. Bald höre ich den „Ich habe Stand“-Pfiff und lege los. Der Kamin hat es in sich. Ich erinnere mich noch gut an meine Jugendzeit. Da bin ich diese Strecke kaum hochgekommen. Stemmen, drücken, keuchen, schwitzen, Angst haben – das war seinerzeit die Losung. Und heute? Mit fast schon guter Technik klettere ich den Kamin hoch. Am Stand angekommen fällt die Entscheidung ganz leicht: unverzüglich abseilen! Kurz vor einem heftigen Regenguss sind wir zurück beim Auto, verstauen alles und haben grosse Fragezeichen.

Was ist zu tun? Rochers du Midi? Staub? Nicht unbedingt. Plagne? Geht nicht, von daher kommt der Regen. Grandval? Geht nicht, es wird auch dort regnen. Plan B: via Gänsbrunnen und Welschenrohr ins Mittelland fahren. Vielleicht klappt es mit dem Wetter wie eine Woche zuvor? Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Wir fahren durch eine wunderschöne Gegend Richtung Balsthal. Tatsächlich: das Wetter ist deutlich besser, es wird nicht regnen. Aber – wohin des Weges? Kingway haben wir bereits geklettert. Kluser Roggen-Pfeiler? Nun ja – dazu fühle ich mich körperlich noch nicht bereit. Einmal mehr kennt Richi die Lösung: „Rumpelstilzchen“ an der Roggenfluh. Im ersten Moment kann ich mit dieser Information gar nichts anfangen, kenne ich doch weder die Route noch die Roggenfluh. Das bedeutet für mich: Abenteuer. Yes! Das ist doch genau das, worauf ich aus bin. Abenteuer - das Leben spannend machen. Was wird mir das „Rumpelstilzchen“ bringen?

Ausblick ins Mittelland
Mit etwas Glück und etlichen Umwegen finden wir den Weg zum Parkplatz. Von dort geht es in 15 Minuten Fussmarsch an den Einstieg. Einmal mehr muss ich keuchen. Bin ich derart ausser Form? Oder ist der Rucksack so schwer? Bin ich derart schlecht geworden? Oder gehen wir einfach zu schnell? Ich tippe auf das Zweite.

Wir stehen vor dem Einstieg und der sieht jetzt im ersten Moment für mich nicht gerade so wahnsinnig einladend aus. 5c steht bei der Bewertung. Das sollte eigentlich schon gehen, irgendwie. Richi bindet sich ein und steigt die erste Seillänge vor. Die Schlüsselstelle wird wohl nicht nach meinem Geschmack sein. Da muss auf Reibung gestanden werden! Und der Fels wurde schon des Öfteren dafür benutzt. Abrutschgefahr! Nach wenigen Minuten steht Richi am ersten Standplatz und gibt das inzwischen wohl bekannte Zeichen. Rasch mache ich mich fertig und mit einem grimmigen Gefühl im Magen steige ich in die Route ein. Langsam und völlig ungelenk komme ich zur Schlüsselstelle der ersten Seillänge.

Es dauert so seine Zeit, bis ich die richtige Kombination von Griffen und Tritten entschlüsselt habe. Wider Erwarten segle ich nicht dem Boden entgegen - doch nicht abgerutscht! Die folgenden Meter bis zum Standplatz lassen mein Herz höher schlagen. Ist das eine tolle Seillänge, Tritte und Griffe wohin das Auge sieht. Richi steigt die zweite Seillänge vor. Nach wenigen Minuten verschwindet er aus meinem Blickfeld. Gewohnt gebe ich im gleichbleibenden Rhythmus das Seil aus und höre schon bald seinen „Stand“-Ruf. Ich freue mich auf die zweite Seillänge. Und wirklich – wunderbare Moves mit einem nun bestens durchblutendem Körper darf ich klettern. Viel zu kurz ist die Seillänge, ich könnte noch stundenlang derart schöne Kletterei geniessen. Die dritte Seillänge beginnt mit einem wunderschönen Quergang nach links und endet in bester Kletterei auf dem Gipfel. Wir geniessen den Ausblick auf das Mittelland, hören das immerwährende Meeresrauschen der A1 und nach wenigen Minuten machen wir uns auf den Weg zurück an den Wandfuss

Am Wandfuss angekommen sehen wir uns die Felsen etwas genauer an und entdecken eine schöne Wand, die zu einem unübersehbaren Kamin führt. Dorthin führt ziemlich direkt auch eine Reihe von Bohrhaken. Jedoch ist es für mich so: die Trilogie ist beendet. An 3 Tagen innerhalb von 3 Wochen konnte ich 3 neue mir unbekannte Routen in 3 unterschiedlichen Klettergebieten klettern. Ein herrliches und tief befriedigendes Gefühl durchströmt mich - nie geplant und doch erreicht! Meine allererste Trilogie!

Ich sehe das Leuchten in Richis Augen und hoffe inständig, dass der Herrgott ein Einsehen mit mir haben möge. Ich möchte nicht durch diesen Kamin dort oben klettern müssen! Der untere Teil der Route gefällt auch mir, doch so ein Kamin kann einem schon die Lust am Klettern nehmen. Meine Kamin-Klettertechnik gehört nun wirklich nicht zum edelsten Kletterstil auf dieser Welt – will heissen – es ist immer ein totaler Murks und endet nicht selten in Grundsatzfragen über das Sein und das Tun. Doch es kommt genau so, wie ich es befürchtet habe. Schon Lemmy Kilmister von Motörhead singt: God was never on your side. Richi bindet sich ein und macht sich auf den Weg. Es sind spannende Klettermeter und es ist offensichtlich – Richi hat Freude an der Route. Bald steht er vor dem Kamin und klettert durch diesen ereignislos hoch und schon bald höre ich einmal mehr „Stand“.

Wieder mache ich mich schnell bereit. Das Seil spannt sich vor meinem dicken Bauch, es ist das Signal mit dem Klettern zu beginnen. Fast schon locker klettere ich die ersten Meter hoch, überwinde eine übel abdrängende Stelle um nur wenig später vor diesem Kamin zu stehen. Oh Mann… Weshalb… Weshalb ich… War ich in diesem Leben bisher wirklich so böse… Was muss ich mit dem Klettern dieses Kamins abdienen… Strafe wofür? Nun gut – es gibt kein Wenn und Aber, es muss sein. Mit der mir üblichen schlechten Technik würge ich mich die ersten Zentimeter hoch. Es hat Griffe, jedoch am falschen Ort. Irgendwie klemme ich jetzt im Kamin fest. Ich falle nicht runter, denn ich klemme. Ich komme nicht hoch, denn ich klemme. Ich stecke fest. Es geht weder rauf noch runter. Behutsames Zureden von Richi gibt mir Mut, dass es doch noch einen Weg aus dem Schlamassel gibt. Irgendwie schaffe ich es, meinen linken Fuss auf einen Tritt zu platzieren und drücke voll durch. Und dann - ist der Kamin auch schon hinter mir. Das war doch gar nicht schwer! Ich klettere weiter und gelange zum Standplatz. Es ist ein wunderbarer… Schlingenstandplatz. Das wird ja jetzt wieder eine ganz tolle Zeit, denke ich mir. Nach dem Gewürge mit dem Kamin nun noch zur Strafe einen Schlingenstand. In Anlehnung des grossen Meisters der Deutschen Sprache, Johann Wolfgang von Goethe:

„Da häng' ich nun, ich armer Tor,
und bin so klug als wie zuvor.“

Richi startet mit der zweiten Seillänge und bald höre ich einmal mehr an diesem Tag „Stand“. Gott sei Dank – endlich kann ich mich aus diesem Schlingenstand befreien und mit dem Klettern beginnen. Auf der linken Seite lädt nun ein Faustriss zu einem Faustklemmer ein. Herrlich. Und was mache ich mit der rechten Hand? Da gibt es nichts. Ja – und jetzt? Wie soll das jetzt gehen? Ich erkenne, dass Risskletterei nun auch nicht meine Spezialität ist. Ja, was ist denn eigentlich konkret meine Spezialität beim Klettern? Diese Antwort ist sehr schwierig! Ich gebe mir alle erdenkliche Mühe und finde eine gute Position für einen besonders guten Handklemmer, stehe konzentriert etwas höher und komme so gut an einen Griff mit der rechten Hand. Der erste Teil dieses Risses ist nun bereits geschafft. Der zweite Teil ist nicht mehr so schwierig und wenig später stehe ich neben Richi wieder auf dem Gipfel der Roggenfluh! Eine herrliche 2 Seillängen-Route liegt hinter uns. Nach „Joe Brown“, „Kingway“ und „Rumpelstilzchen“ haben wir soeben die wunderschöne Route „Ricchi è Poveri“ geklettert – eine astreine Trilogie + 1.

Dieses war der dritte Streich
Doch der vierte folgt zugleich

Den vierten Streich habe ich bereits mit dem Eintrag „Unverhofft – kommt oft“ beschrieben.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei Richi für die unbeschreiblich schönen und intensiven gemeinsamen Momente während der Trilogie bedanken! Diese erste Trilogie wird immer einen sehr wichtigen Moment in meinem Kletter-Leben einnehmen. Danke!

3 Wochen nach meinem Riss-Kletter-Desaster bin ich mit dem jungen Jura-Saurier Chris bereits wieder an der Roggenfluh. Es ist eiskalt, das Thermometer zeigt 2 Grad an. Das ist so richtiges Saurier-Wetter! Zusammen klettern wir mit eiskalten Fingern und Zehen durch „Rumpelstilzchen“ und erfrieren beinahe in „Ricchi è Poveri“. Bei „Ricchi è Poveri“ muss ich lernen, dass der Kamin äusserst elegant links umgangen werden kann. Trotzdem bin ich froh, dass ich diesen Kamin geklettert habe, denn ich habe eine Strafe abgeklettert und nun ist mein Leben noch etwas leichter. Der Schlingenstand ist einfach ein Schlingenstand und da muss man einfach durch. Auf dem Nachhauseweg von der Roggenfluh durch das Mittelland auf der immerwährend rauschenden A1 lacht uns die Egerkinger Platte an. Chris sagt: "Eigentlich könnten wir ja jetzt noch eine Route an der Egerkinger Platte klettern". Und ich antworte sofort: "Ja, dann fahren wir jetzt dorthin und machen das jetzt". Wir klettern kurzerhand noch die „Gelbe“, zusätzliche 160 Klettermeter. Fun pur und eine astreine One-Day-Trilogie! Einmal mehr durfte ich unglaublich viel Spass und Freude zusammen mit Chris an einem grauen und sehr kalten Samstagnachmittag erleben. Es wird wahrscheinlich der einzige Moment im ganzen Leben der Jura-Saurier bleiben, an dem alles für eine gemeinsame Kletterei an der Egerkinger Platte zusammenpasste. Chris, herzlichen Dank für dieses ganz spezielle Abenteuer!


Dieses war der fünfte Streich
Doch der sechste folgt zugleich

Tuesday, December 20, 2016

Trilogie + 1: Zweiter Streich

von Markus

Der Wetterbericht kündigt Regen für den 1. Oktober 2016 an. Das ist mein samstäglicher Klettertag. Was ist zu tun? Ein Plan muss her! Es gibt einen Sektor an den Rochers du Midi, an dem auch bei starkem Regen geklettert werden kann. Der Sektor ist von einem grossen Dach geschützt und so fällt seit vielen Jahren kein Wasser über die Felsen. Es ist ein etwas staubiger Sektor.

Nun gut, besser sich an staubigen Felsen bewegen, als in der Magnesia-Hölle zu schmoren. Ich gehe sehr gerne ins B2, doch an einem Samstag versuche ich den Gang in eine Kletter-Halle so gut wie nur irgendwie möglich zu vermeiden. Am Samstag kann das Training warten.  Während der ganzen Woche sitze ich viel im Zug und im Büro. Einmal pro Woche tut auch mir frische Luft gut.

Wie vereinbart, treffe ich Richi in Oberwil und wir machen uns auf den Weg zu den Rochers du Midi. Das Auto kennt den Weg in der Zwischenzeit ganz von alleine, es fährt ruhig vor sich hin. Das Wetterradar verheisst nichts Gutes, es kündigt eine grosse Wolke auf 12 Uhr im Bereich Courrendlin an. Das ist mir jedoch völlig egal, denn es gibt ja diesen einen immer trockenen und staubigen Sektor. Kurz vor Courrendlin meint es Petrus sehr gut und öffnet die Schleusen. Es ist könnte ein lokaler Schauer sein - oder auch nicht. Es regnet so heftig, dass Klettern im Staub-Sektor auch nicht wirklich Freude machen wird. Kurzentschlossen sagt Richi: „Arête spéciale!“ „Oh ja! Das ist eine sehr gute Idee“ entgegne ich Richi. „Den Spez habe ich vor über 10 Jahren das letzte Mal geklettert. Juhui.“ Die Fahrt geht zügig weiter und schon bald sind wir in Moutier. Ein kritischer Blick an den Himmel verheisst weiter nichts Gutes und wir lassen den Spez links liegen. Wir fahren weiter Richtung Plagne. Es ist immer wieder schön, durch den Jura zu fahren, wären nur nicht diese dunklen Wolken am Himmel. Hmm... In Plagne angekommen beginnt es auch dort zu regnen. Oh Jesses! Mental mache ich mich auf eine lange Rückreise nach Pratteln ins B2 gefasst. Offenbar hat es nicht sein sollen, dass wir an diesem Samstag draussen klettern. Richi sieht sicher meinen etwas enttäuschten und verzweifelten Gesichtsausdruck. Er überlegt 5 Minuten, dann ist der Entscheid gefasst. Wenn wir schon ins B2 gehen, dann können wir von Plagne aus auch durchs Mittelland via Härkinger-Dreieck nach Pratteln fahren. Vielleicht ist das Wetter im Mittelland besser. You never know. No Risk – No Fun.

Und tatsächlich ist es so. Das Wetter im Mittelland ist deutlich besser. Es ist trocken, die Wolken hängen tief, sehr tief. Es wird jedoch sicher nicht in den nächsten 2 Stunden regnen. Plötzlich sagt Richi: „King Way!“ Und ich frage: „King Way?“ Richi antwortet: „King Way!“

Und dann rattert es ganz gehörig meinem Hirn. Ich grabe alle Informationen über die Route aus. Viel Gutes habe ich gehört und sehr viel Schlechtes. Das Schlechte zuerst: brüchig, brüchig, brüchig. Schwierig zu lesen, nicht gut gesichert, blöde Quergänge, unlohnend. Das Gute: traumhafte Route in gutem Fels, manchmal nicht ganz so kompakt, fantastische Linie hoch über Oensingen, sehr gut gesichert, sehr lohnend. Ich glaube an das Gute.

Wir parkieren das Auto und tigern zum Einstieg hoch. Ach, muss ich keuchen bis ich am Einstieg bin. Und dann sehe ich endlich den Bränten und erschrecke. Jesses – einen solchen  Bruchhaufen habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen geschweige denn daran geklettert. Wird der Fels mein Gewicht überhaupt tragen? Und dann der Einstieg, da komme ich nicht mal den ersten Meter hoch. Oh wei, da habe ich mich aber auf ein grosses und spezielles Abenteuer eingelassen.

Nach einer kurzen Stärkung schreiten wir zur Tat. Richi steigt vor und nach kurzer Zeit höre ich von weit oben „Stand“. Schnell binde ich mich ins Seil ein, rücke den Klettergurt zurecht, öffne das Säckchen mit dem Lügenpulver und ärgere mich einmal mehr über meine Kletterschuhe. Bis ich die jedes Mal geschnürt habe... Ich weiss, es gibt Alternativen. Die liegen zu Hause im Schrank und warten auf den Einsatz. Ein letzter Check, alles perfekt und los geht die Reise. Der erste Meter ist jetzt doch nicht so schwer, wie ich mir das vorgestellt habe. Und entgegen des ersten Eindrucks finde ich nicht einen losen Griff oder Tritt. Sollte das Gute tatsächlich siegen? Das Klettern macht richtig Freude, alles passt perfekt und nach gefühlt 30 Sekunden stehe ich am ersten Stand, einem sehr bequemen Standplatz. Eine wunderbare Seillänge liegt hinter mir. Was wird die zweite Seillänge bringen? Nach einem kurzen Quergang nach links stehe ich unter einer fantastischen Wand. Ich klettere wie in Trance über bombenfesten Fels und - shame on me - benutze die von einem engagierten Kletterer üppig verteilten Tickmarks. Das erleichtert das Leben ungemein. Wobei – die Tickmarks würde es gar nicht brauchen, so gross und ideal verteilt sind die Griffe. Gegen Ende der Seillänge treffe ich ein Kuriosum aus längst vergangener Kletterzeit an. Es ist eine grosse Schrauben-Mutter, durch deren Loch eine Schlinge gefädelt ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich im Solothurner Jura eine Keilkonstruktion aus der frühesten Zeit des Freikletterns entdecken würde. Richi erklärt mir anschliessend, was es mit dieser Konstruktion auf sich hat. Und einmal mehr bewundere ich die Genialität des menschlichen Geistes Dinge zu erfinden, um dem liebsten Hobby nachgehen zu können. 

Richi im Quergang der 3. Seillänge (Danke Richi für das typähnliche Bild)
Seillänge 3 steht an. Das ist nun dieser legendäre Quergang. Ich bin sehr gespannt, was mich erwartet. Richi verschwindet nach wenigen Metern Querung aus meinem Blickfeld. Im gleich bleibenden Rhythmus gebe ich das Seil aus und geniesse den Ausblick ins Mittelland. Dunkle Wolken türmen sich immer höher auf. Das Meeresrauschen der Mittelland-Autobahn ist unüberhörbar. Ein stetes Rauschen, tagein und tagaus. Immerwährend...

Ein Pfiff signalisiert, dass Richi den Standplatz erreicht hat. Sofort mache ich mich bereit und freue mich auf das Klettern. Das Seil vor meinem Bauch spannt sich. Los geht’s. Der Quergang liegt nach einem etwas mutigen Handwechsel nach wenigen Sekunden hinter mir. Jetzt kommt die Schlüsselstelle. Wie klettert sich die? Keine Tickmarks weit und breit. Dann müssen halt wieder die Erfahrung und das Können herhalten. „Aha“ sage ich zu mir, „dort oben ist der Zielgriff“. Das wäre mal geklärt. Nur – wie komme ich dorthin? Ich sehe kleine Griffe und Tritte vor mir und dann plötzlich diesen Henkel! „Wow“ – so eine super Kletterstelle habe ich schon lange nicht mehr gelöst. Der Fels ist herrlich kompakt, Griffe und Tritte wohin das Auge reicht! Sensationell! Aha. Und nun kommt der zweite Quergang wiederum durch bombenfesten Fels. Hei, macht das Spass, diesen Quergang zu klettern. Die Griffe und die Tritte passen perfekt aufeinander. Die Erstbegeher hatten schon ein sehr gutes Näschen für die beste Routenführung am Bränten. Die letzten Meter lassen mich ganz vorsichtig klettern. Im Gegensatz zu den vorherigen Metern, ist die Brüchigkeit des Felsens nun real. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die vielen Bolts zur Absicherung dienen oder ob sie den Fels zusammenhalten sollen. Nun denn – 7 Meter etwas nicht ganz so stabiles Gelände tun dieser fantastischen Linie keinen Abbruch. Über Grasstufen erreichen wir den „Gipfel“ des Bränten. Von ganz oben geniessen wir die Aussicht über das Mittelland, das Meeresrauschen und den Blick auf die mittlerweile dunkelschwarzen Wolken. Wir steigen ab und kaum sind wir bei unseren Rucksäcken, beginnt es auch schon zu regnen. Perfektes Timing.

Dieses war der zweite Streich
Doch der dritte folgt sogleich

Wednesday, December 7, 2016

Trilogie + 1: Erster Streich

von Markus

Ich klettere sehr gerne in Mehrseillängen-Routen. Das gibt mir das Gefühl, etwas für mich Bedeutsames zu bewirken. Es ist wirklich wunderschön, gut gesichert an einem bequemen Stand zu stehen und den Kletterpartner entweder im Nachstieg zu sichern oder ihm im Vorstieg die volle Konzentration zuteilwerden zu lassen. Das Abenteuer ist allgegenwärtig, im Vorstieg ist alles onsight und immer ist Rechenschaft darüber abzugeben, ob alles okay und sicher ist. Es ist entscheidend zu erkennen, wie sich die Gesamtsituation darstellt.

In meinen bevorzugten Klettergebieten im Basler Jura gibt es nun nicht die Art von Mehrseillängen-Routen, die ich bisher suchte. Über Jahrzehnte war es klar für mich, dass es so etwas in unserer Gegend nicht gibt. Das sollte sich ändern, als ich mit Chris häufig in der Gorge du Court kletterte und er mir die Augen für tolle Anstiege öffnete. Ganz schnell türmten sich meine Kletterwünsche zu einem riesigen Berg, doch hatte ich keine Ahnung, nicht den Hauch einer Idee, wie ich denn diese Ziele je erreichen sollte. Alle Kletterer, die ich kenne, die klettern in einem Bereich, der im positiven Sinne so weit weg von mir ist, dass ich mich nicht traue, sie auf meine Pläne anzusprechen. Vielleicht ist das auch nur eine falsche Scheu von mir? Ich weiss es nicht. Ich liess die Zeit gewähren im vollen Vertrauen darauf, dass irgendwie und irgendwann sich alles ohne mein Zutun ergeben würde. Mein Vertrauen sollte sich auszahlen.

Am 24. September 2016 passte zum ersten und definitiv nicht zum letzten Mal alles zusammen. Mein erster Traum sollte in Erfüllung gehen.

Ein herrlicher Samstag sollte es werden, ein prächtiger Klettertag. Richi und ich verabreden uns für die „Joe Brown“ an den Rochers du Midi. Schon vor vielen Jahren wollte ich diese Route klettern, aber es passte einfach nie und so vergass ich sie einfach.

Wir treffen uns in Oberwil und auf der Fahrt nach Courrendlin unterhält mich Richi mit vielen Geschichten und Erlebnissen aus seinem ereignisreichen Leben. Die Fahrt vergeht im Nu und schon bald stehen wir auf dem Parkplatz unterhalb der Felsen. Wir packen die notwendigen Sachen und nehmen den Weg zur Route in Angriff. Dort angekommen sehen wir, wie bereits eine Seilschaft in der Route klettert. Wir können uns also alle Zeit der Welt nehmen. Wir diskutieren über Gott und die Welt und natürlich über das Klettern. Mich interessiert es brennend, wie denn die Geschichte des Kletterns im Basler Jura geht. Ich war seinerzeit aussen vor, Richi mittendrin. So erfahre ich viele spannende Einzelheiten aus der Anfangszeit des Freikletterns im Basler Jura. Eigentlich ist dies eine derart spannende Geschichte, dass darüber unbedingt ein Buch geschrieben werden sollte.

Doch irgendwann ist auch die schönste Geschichts-Stunde zu Ende und wir gehen die „Joe Brown“ an. Locker, leichtfüssig und elegant klettert Richi die erste Seillänge hoch. Ich kann keine Anstrengung erkennen, Richi ist in Top-Form. Ich binde mich ins Seil ein, schnüre die Schuhe und ab geht es. Herrliche Kletterei in einem für mich idealen Schwierigkeitsgrad darf ich erleben. Es macht derart viel Spass diese Route zu klettern, es ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Beim ersten Stand angekommen ahne ich, dass nun ein richtig schwieriger Move das weitere Vorwärtskommen arg in Frage stellt.

Offenbar sieht Richi, wie ich diesen ersten Move mit Argwohn beäuge. Es sieht wirklich nicht einfach aus. Aber wie Richi halt so ist, erklärt er mir, wie die Situation zu lösen ist und demonstriert das gleich vor. Richi klettert weiter und immer wieder höre ich nur begeisternde Worte. Es müssen top Bedingungen herrschen. So stehe ich gut gesichert an einem sehr bequemen Stand, es ist herrlich ruhig, unter mir kreist geräuschlos ein Bussard und von oben höre und spüre ich reines Klettervergnügen. Richi beendet die zweite Seillänge und nun ist die Reihe wieder an mir. Gleich zu Beginn kopiere ich die mir gezeigte Bewegungsabfolge und siehe da, ich löse dieses Problem ohne irgendwelche Mühe. Meine Herangehensweise an das Problem hätte mich sehr viel Kraft gekostet und so richtig super wäre es auch nicht gewesen. Und wieder habe ich etwas gelernt! Die zweite Seillänge ist von unbeschreiblicher Schönheit. Mein Kletterkönnen passt wieder perfekt zum Schwierigkeitsgrad und ich geniesse jeden Zug der Seillänge. Schritt um Schritt klettere ich höher in bestem Fels mit Griffen wie ich es mag und Tritten wie ich sie nötig habe. Ein Move besser als der andere, tatsächlich herrschen beste Bedingungen mit trockenem Fels und idealen Temperaturen. Ich durchlebe ein einmaliges Klettererlebnis, ein wunderschönes Abenteuer.

Am Stand angekommen will ich mich festbinden. Doch Richi meint, dass ich sicher die letzte Seillänge im Vorstieg klettern könne. So mache ich mich auf den Weg. 1. Bolt, 2. Bolt, herrliche Kletterei im Bereich 5a. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich nicht so hetzen sollte, denn wenn ich oben angekommen bin, geht mein Traum in Erfüllung. Und eigentlich möchte ich doch noch lange träumen dürfen. Es führt jedoch kein Weg an der Wirklichkeit vorbei und schon bald stehe ich am Ende der „Joe Brown“. Wenige Minuten später steht Richi neben mir. Geschafft! Unsere erste gemeinsame Mehrseillängen-Tour ist damit Wirklichkeit geworden.


Dieses war der erste Streich,
Doch der zweite folgt sogleich.

Sunday, November 27, 2016

Unverhofft - kommt oft

von Markus

Es geht alles ganz schnell, viel zu schnell. Ich bin mitten in einem Strudel von Kletterabenteuern! 

Samstag, 26. November. Wettervorhersage: es könnte Sonne geben. Treffpunkt: 11 Uhr in Oberwil. Kletterpartner: Richi. Plan: Rochers du Midi, Projekte abschliessen und beginnen

Die fantastisch schöne vierte Seillänge
Doch dann kam es anders. Als wir so auf dem Parkplatz bei den Rochers du Midi stehen und die Kälte und Feuchtigkeit des Nebels sich etwas unangenehm bemerkbar machen, erblickt Richi den Kletterführer "Berner Jura" im Auto liegen und schlägt zufälligerweise die Seite 274 auf. Auf der Seite 274 befindet sich das Topo vom "Pic de Grandval". "Oh!", sage ich. "Dahin wollte ich schon lange einmal gehen. Es muss ein tolles Gebiet mit einer tollen Mehrseillängen-Route sein". Richi antwortet spontan: "Dort war ich noch nie. Gehen wir dorthin".

2 Sekunden später fährt das Auto weiter in Richtung "Pic du Grandval". Schon bald parkieren wir das Auto und gelangen, nachdem wir noch einen grossen Schluck heissen Tee zu uns genommen und die etwas wärmere Kletterkleidung angezogen haben, auf einem bequemen Weg zum Einstieg der Route. Es ist uns nicht wichtig, wie schwer die Route ist.

Für uns ist es wichtig draussen in der Natur zu sein und eine schöne Mehrseillängen-Tour zu klettern. Wir klettern einfach die logische und damit leichteste Route. Das ergibt eine Kombination aus "La Balade", "Variante" und "Voie des Fourmis". Das sind 6 Seillängen herrliche und unschwierige Kletterei. Fantastisch! Erst auf der Heimfahrt realisieren wir, dass wir den oberen Teil der "Voie des Fourmis" geklettert haben, eine Route, die 1963 vom legendären Maurice Brandt zusammen mit R. Theytaz eröffnet wurde. 1963: da war ich gerade auf dem Weg, 3 Jahre alt zu werden... 

Ich liebe den Blick über die Jurahöhen. Es ist ein schönes Geschenk des Lebens, in dieser Gegend der Welt sein Dasein verbringen und die Schönheiten der Natur geniessen zu dürfen. Auf dem Pic de Grandval stehend, darf ich einmal mehr den Blick in die Weite schweifen und die unbeschreibliche Schönheit dieser Welt auf mich wirken lassen. Vielleicht ist das auch der tiefe Grund, weshalb ich gerne Klettern gehe. Raus aus dem Keller der Dörfer und Städte - hinauf in die Höhe, wo es keine Hindernisse für den Blick gibt, wo der Horizont das Ende bildet.

Ausblick vom Pic du Grandval über den Jura
Der Abstieg durch den Wald auf einem gut ausgebauten Wanderweg ist einfach und schon bald sind wir zurück beim Auto und stärken uns. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass wir noch etwas unternehmen können. Wir schauen uns an und es ist klar: Arête Spécial zu gut deutsch "dr Spez". Das letzte Mal habe ich diesen Grat vor etwa 15 Jahren geklettert und seither schlummert dieses Stück Fels in der Kammer "Abgehakt". Doch "dr Spez" hat eine lange Geschichte für mich. Diese zu erzählen, braucht wiederum gefühlt 400 Seiten. Darauf verzichte ich (im Moment).
Am Stand der letzten Seillänge
In wenigen Minuten fahren wir nach Moutier, parkieren das Auto und einmal mehr sehe ich diesen einzigartig schönen Grat. Anschauen ist das eine, daran klettern ist das andere. Innerlich werde ich etwas nervös, denn ich weiss, dass mir eine wunderschöne Klettertour bevorsteht . 5 Minuten später spazieren wir in voller Kletterausrüstung Richtung Einstieg zum "Spez". Als ich das (vor)letzte Mal hier war, durften wir noch auf den Gleisen zum Einstieg laufen. Häufig sahen wir die etwas aufgeregten Augen der Lokomotivführer, als sie uns auf dem Seitenkanal Richtung Einstieg laufend, viel zu spät für eine Bremsaktion sahen. Das gibt es nun nicht mehr. Ist vielleicht für beide Parteien besser. Es gibt eine herrlich und gut ausgebaute Via Ferrata zum Einstieg und lässt das Abenteuer "Spez" einen Tick intensiver werden. Wir geniessen das Klettern, die Natur gibt ihr Bestes mit einem knalligen Sonnenuntergang, und von ganz oben geniessen wir den Ausblick über die hell beleuchtete Stadt Moutier. Der Abstieg ist einfach und es ist schon Nacht, als wir beim Auto ankommen. 

Ich hätte es beim morgendlichen Kaffee nie und nimmer gedacht, dass ich noch am gleichen Tag 10 Seillängen klettern und dabei eine neue Route kennenlernen und die alte Liebe "Spez" wieder entdecken würde.

Unverhofft – kommt oft. Gott sei Dank ist das so!

Tuesday, November 22, 2016

Eiger – Deep Blue Sea

written by Chris

I don’t dig too deep in multipitching.

Why is it? I don’t really know. 

Although a day out in the mountains does promise satisfying and memorable experiences on interesting rock spiced with fantastic views, I’d rather take a session on a fantastic single pitch crag if I’d have the choice. It springs to my mind that I’am a real project climber instead of being an onsight climber. And onsighting seems to be a fundamental basic for long, big routes.

But sometimes I get this feeling of adventure.

This can be blamed on one mountain with five letters: E-i-g-e-r…
Geneva pillar from the side, left Eiger North-Pillar and First Pillar North-Face and left again Wetterhorn
Being a climber on little crags by heart it’s funny enough that I began climbing 34 years ago at the tender age of 14 years because of reading books about the Eiger and its infamous north face. Still on I feel connected to this face and the stories about. It also looks appealing in its entity. You can see it from atop the Jura Mountains hosting my home crags. It’s always there – the magical triangle.

This led to the adventures by doing Spit Verdonesque édenté with Oli in 1990 in an epic thunderstorm behind our backs (that fortunately didn’t hit us!), the 800 meters high pillar of Chant de Cygne with Max in 2001 and the museum visit by cruising the ultraclassic Heckmair with Roger in 2005.

It came to a hot August 2015, just a week after the successful completion of my lifetime goal – the Enfant de Bohéme, a sport climb on Chuenisberg at 8c. It felt like being torned from a dream. I was thinking about all my dreams when I was young – also about the Eiger. And suddenly the next plan occurred: on the right side of the north face hosts the Geneva Pillar a well recommended climb called Deep Blue Sea

Her beauty was praised all over the country – even in newspapers after the first ascent by Reto Ruhstaller and Bernd Rathmayer in 2001. Then it got into the Medias again after the so-called “Free-BASE”-solo-trip of the routes upper part (where you can traverse in along a fixed rope) carried out by Dean Potter in 2008. 
On the ledge at the start of the climb
And something else made me feel going for a try – what you read now, sounds completely incomprehensive: 1990 when I abseiled down in Verdon-style for the aptly named Spit Verdonesque onto the traverse-in-ledge I immediately recognized the grey streak of the now-Deep-Blue-Sea. 

I was thinking about bolting this line, but - imagine the following from a nowadays point of view! – thought, it could provoke anger in mountaineering circles to establish  a second “little” route on this pillar, just on the side of the giant-classic-untouchable-heritage-protected north face… I can bite myself in the a..!

Writing blogs for myself and in doing so I can’t complain about, I read several blogs and articles in the internet about how challenging and demanding the route is. This scared me so much, that I almost forgot, that its grade is within the reach of my level! 

Okay, if your level is only that of the obligatory grade (in Switzerland a common habit of giving a grade for the expected difficulties in-between the bolts with also using the bolts as aid) of 7a+, than it will feel a bit scary. If you are above – I can assure you, with careful and prudent climbing you’ll master the run-outs perfectly.
It's all about the fun...
I – together with A. - had two visits on the route. The first turned out to be more dramatic than I wished. I encountered such a severe dehydration that I had terrible cramps in my forearms. Something I had never experienced before. So I didn’t understood the warnings of my body beforehand. I got a victim of my own foolishness and stress in my work. 

The idea of trying the route was so spontaneous that I had to finish all musts in my office on a superhot and humid day – while forgetting to drink. Uhh, bad 1…Then racing on the motorway to get the last rack-rail up to Eigergletscher – without drinking. Uhh, bad 2… We slept there and it was such a cool temperature in the evening that I didn’t got the feeling of being thirsty. Uhh, bad 3… Next moring only coffee. Uhh, bad 4… I forgot to pack the extra water to drink before starting the climb. Uhh, bad 5… 
Pitch 4 - 7b+ - at the beginning of the difficulties
The first two pitches are at 6b+. The first is a nice slab over grey solid rock with a long 5c-runout where you can put a BD C4 0.75 and an OP Purple Link 0.5 (apart of two Rocks 4 and 5 the entire trad rack we used) next to each other in a horizontal hole. The second pitch is superugly. On a sportscrag I would never do it again. It’s brittle and the traverse on sloping holes is not fun. 

Pitch 3 (7a, fully bolted) offers a funny start over a roof on jugs, where a heel hook helps a lot, and continuous with easier terrain and a little dihydral to a finish with tricky moves on edges. Here I already began to feel not so well anymore… First strange cramps appeared. 

By trying to ignore this feeling and in a rare moment of glory I’ve onsighted pitch 4 (7b+, BD C4 0.75 in the final crack), on the first half powerful on sidepulls and edges. 

In pitch 5 (7a+, long runout in the middle feels comfortable with OP Purple Link 0.5) my onsight-ambitions came to an abrupt halt at the last bolt. The plan to be the first team of the day is usually a good one. So we slept close to the route, got up early and arrived at the base of the route before the other teams coming up with the first rack-rail from Grindelwald. But we took insufficient account of the running water from the little cave you reach in the end of that pitch. So the crux move at the last bolt was completely wet and unfortunately I had to use a sling for stepping in avoid the crux slopers and get the first better hold. Grr…! Later the day - at noon - this part dries out.

Then, the amazing and left hand diagonal pitch 6 (7a+, fully bolted) on edges went down onsight but in sheer despair because the cramps in my forearms have had become so severe, that we rappelled down to the belay in the cave of pitch 5 and from there another 15 meters to grab the fixed rope that allow an emergency exit (or being the entrance for “Free-BASE”-Soloists). Thank you for installing, Reto and Bernd! This was a good idea, because my partner wouldn’t have had the skills to lead the final three pitches.
 
Pitch 5 - 7a+ - the shade of the Geneva Pillar is obvious 
Sure, we had to come back! 

So we did. Only two weeks later we had the opportunity to finish the climb. Better prepared and with no thirst. But unfortunately I failed on pitch 4 with one hang. On the other hand pitch 5 was bone dry and I could do it easily. Pitch 7 (7a, tough! BD C4 0.75) is brilliant but after the initial right hand traverse it requires mental strength for the tricky moves with need of good footwork on diagonal or even vertical features. The upper half eases off. 

Pitch 8 (7b+, BD C4 0.75 in the obvious crack) hosts the second crux, more kind of a boulder problem over three spits. I had to work on this moves but got under pressure when I realized that the following team (oh yes, the climb is à la mode and can get busy), was reaching our belay. So instead of pulling the rope for a redpoint go, I left it in the first two bolts and came down to a no-hand-rests immediately above the belay and gave it a go in best out-of-fashion-since-the-eighties-of-last-century-american-yo-yo-style! The crack and the final wall on edges are no big deal, in the worst case around 6c. 

The last pitch goes at 5c in the first few meters and eases off the higher you get, but has no pro except a bolt in the choss on the very last meters. If you want to protect this pitch you have to bring bigger cams (wich you have to carry up the entire route first).
Pitch 6 - 7a+ - it can get busy in this climb...
A good route for the type of climber like me. Not too long, climbing, moves and rock of interest, but in the most stunning alpine environment you can imagine. Great impressions guaranteed.

What remains is on one day – if I feel the need of Eiger and adventure again – I can return. Indeed I lead all individual pitches on redpoint and one I’ve yo-yoed, but in two separate visits. It would be cool to climb it in a single push with every pitch redpoint on first try. 

So the dream is alive… will I get it? Maybe as a little present on my 50th birthday? Let’s see!